19.06.2017 03:30 |

Schluss mit Urlaubsflair: Mit dem Spiel gegen Australien beginnt für die deutsche Nationalelf ihr Russland-Abenteuer

Sotschi Start frei für Joachim Löws WM-Probanden: Der Bundestrainer verlangt, dass sich die Spieler als Vorbilder präsentieren.

Eine letzte Runde Minigolf, bevor es gegen Australien ernst wird: Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Julian Brandt (von links).
Eine letzte Runde Minigolf, bevor es gegen Australien ernst wird: Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Julian Brandt (von links). Bild: Christian Charisius (dpa)

Joachim Löw grübelte beim gemütlichen Strandspaziergang am Schwarzen Meer über Taktik und Aufstellung, seine „Jungs“ stimmten sich beim Sonnenbaden am Hotelpool auf die Mini-WM ein. Doch wenn das Abenteuer Confed Cup für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am heutigen Montag im Kur- und Badeort Sotschi beginnt, ist mit der Urlaubsstimmung schlagartig Schluss. Dafür wird allein Gegner Australien sorgen, dem Löw eine gewisse „Rugby-Mentalität“ bescheinigte.

Für Löw und seinen dezimierten 21er-Kader ist es ein Start voller Unwägbarkeiten. „Was wir als Mannschaft dort erreichen können, muss sich im Verlauf des Turniers zeigen“, sagte er in der Welt am Sonntag über die WM-Generalprobe in Russland (bis 2. Juli). Es müsse sich erst zeigen, „wie die Mannschaft mit dem Druck umgeht und mit ihren Gegnern, die gut aufgestellt sind. Ich bin gespannt auf die Jungs“.

Wer übernimmt neben Kapitän Julian Draxler Führungsaufgaben? Wer empfiehlt sich für das Unternehmen erneuter WM-Triumph 2018? Das sind die drängendsten Fragen, auf die sich Löw mit dem Anstoß im Fischt-Stadion, wo die DFB-Elf in Gedenken an Altkanzler Helmut Kohl mit Trauerflor spielen wird, erste Antworten erhofft. Dem Duell mit dem Asienmeister kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Ein Sieg zum Auftakt würde die Last auf den vielfach jungen Spielerschultern für das wohl schwerste Gruppenspiel am Donnerstag in Kasan gegen Chile und das Duell mit Kamerun (25. Juni/Sotschi) erleichtern. „Die Erwartungshaltung ist natürlich ein Sieg“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff, „wir wissen aber auch, dass wir mit einer Mannschaft spielen, die so nicht allzu häufig gespielt hat.“ Im Tor, das hat Löw bereits verraten, wird der Leverkusener Bernd Leno stehen. Davor jedoch sind viele Positionen offen, hatte der Bundestrainer doch angekündigt, möglichst allen Spielern Einsatzzeit zu geben. Zudem muss Löw eine Antwort auf das Spielsystem der Socceroos (3-2-4-1) finden – und auf deren Kampfgeist.

„Australischer Fußball kommt ein bisschen aus dem Rugby“, sagte Löw im ZDF, „sie sind physisch sehr stark, haben eine unglaublich gute Mentalität, geben nicht auf, lassen nicht nach. Es ist eine Mannschaft, die schwer zu bespielen ist.“ Der Asienmeister ist jedoch anfällig bei Standards, wie Löw beim 0:4 der Aussies im jüngsten Test gegen Brasilien beobachtet hat. Daher setzte er im Training darauf einen Schwerpunkt.

Die besseren Erfahrungen bei Turnieren hat bislang das DFB-Team gemacht. 2005 gab es zum Auftakt des Confed Cups in Deutschland einen 4:3-Sieg. 2010 zum WM-Start in Südafrika siegte die deutsche Mannschaft 4:0

Löw erwartet „Ehrgeiz und eine gewisse Dynamik“ von seinen Perspektivspielern: „Meine Hoffnung ist groß, dass auch ein gewisser Lerneffekt einsetzt.“ Das nackte Ergebnis sei dagegen zweitrangig. Und: Löw verlangt, dass die Spieler „eine Vorbildfunktion“ einnehmen „für unsere Bürger zu Hause, für 80 Millionen Deutsche“. Sie sollen Russland und der Welt zeigen, „dass wir gewisse Werte vertreten: Fairness, Respekt, Toleranz“. Wenn dazu noch drei Punkte kommen, umso besser.

Die voraussichtliche Aufstellung: Leno – Rüdiger, Mustafi, Ginter – Kimmich, Can, Goretzka, Hector – Draxler – Wagner, Werner.

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