14.06.2017 03:30 | Peppi Schmitt

Eintracht Frankfurt: Tabellenführer der Schmerzen

Frankfurt Muskelverletzungen kommen häufig von falschem Training. Aber in Frankfurt sorgten „stumpfe Verletzungen“ für so viele Ausfälle. Kein anderer Verein hat so viele Verletzte zu beklagen.

Makoto Hasebe prallte in München mit dem Knie gegen den Pfosten. Es war das verfrühte Saisonende für den Japaner.
Makoto Hasebe prallte in München mit dem Knie gegen den Pfosten. Es war das verfrühte Saisonende für den Japaner. Bild: Andreas Gebert (dpa)

Es ist etwas mehr als ein Jahr her, da hatten die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht den sportlichen Niedergang in der Saison 15/16, der erst mit dem Sieg in den Relegationsspielen gegen Nürnberg ein glückliches Ende genommen hatte, unter anderem mit den vielen Verletzungen im Kader begründet. Damals war es unter anderen um Spieler wie Carlos Zambrano, Stefan Reinartz, Luc Castaignos oder auch Sonny Kittel gegangen, die lange nicht ihrem Beruf nachgehen konnten. Um ähnlich vielen Ausfällen vorzubeugen, hatte der neue Sportvorstand Fredi Bobic auch im medizinisch-prophylaktischen Bereich die „Mannschaft hinter der Mannschaft“ verändert und ausgeweitet. Es wurden neue Trainer eingestellt, verantwortlich für Kondition und Rehabilitation, die ärztlichen Untersuchungen wurden schon vor der Saison extrem verbreitert. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Das Ergebnis all dieser Bemühungen: Niederschmetternd. Als nun das Onlineportal „fußballverletzungen.com“ die sogenannte Verletzungstabelle der Bundesliga veröffentlichte, fand sich die Eintracht mit weitem Abstand auf dem letzten Platz wieder.


Artikel mit Diashow!Eintracht-Gerüchteküche: Wer wird als Neuzugang gehandelt?
2380 Tage betrug danach die Ausfallzeit der verschiedenen Spieler, pro verletzte Spieler waren es durchschnittlich 76,8 Fehltage. Zum Vergleich: Bester in dieser Tabelle war der FC Ingolstadt, der nur 401 Ausfalltage zu beklagen hatte. Meister Bayern lag in der Mitte dieser Rangliste, auf Platz neun, mit 1301 Ausfalltagen. Ist der neue Ansatz der Eintracht also gescheitert?

Diese Betrachtung wäre zu oberflächlich. Denn Verletzung ist nicht Verletzung. Gegen Unfälle ist niemand gefeit. Trainer Niko Kovac war noch am Ende der Saison stolz darauf, dass Muskelverletzungen sehr selten vorgekommen waren. Alleine Jesus Vallejo fiel zweimal für längere Zeit deshalb aus. David Abraham fehlte mal zwei Wochen wegen einer Zerrung, viel mehr wurde nicht bekannt, was für eine erfolgreiche Prophylaxe spricht. „Aber gegen stumpfe Verletzungen kannst du nichts machen“, klagte der Frankfurter Trainer, als Mitte der Rückrunde die Ausfallliste teilweise alarmierende Längen angenommen hatte.

Was Kovac unter „stumpfen Verletzungen“ versteht, wird deutlich mit Blick auf die wichtigsten Ausfälle. Schon am zweiten Spieltag hatte es Verteidiger Guillermo Varela beim Derby in Darmstadt erwischt. Nach einem Tritt eines Gegners zog sich der uruguayische Neuzugang einen Riss der Deltasehne im Knöchel zu. Er konnte in der gesamten Vorrunde nicht mehr spielen. In der Rückrunde kam er nur mühsam auf die Beine, denn eine Schraube im operierten Gelenk bereitete so viele Schmerzen, dass sie wieder entfernt werden musste.

In dem gemessenen Zeitraum der Ausfälle fallen auch Krankheiten und Unfälle aus der vorangegangenen Saison. So stand Marco Russ wegen einer Krebserkrankung im ersten Halbjahr nicht zur Verfügung und musste Marc Stendera einen Kreuzbandriss auskurieren. Slobodan Medojevc brachte eine Achillessehnenverletzung aus der alten Saison mit und kam erst im Pokalfinale zurück. Und dann gab es noch jene Verletzungsausfälle, die die Frankfurter besonders schwer trafen. Makoto Hasebe zog sich bei einer Rettungsaktion im Spiel bei den Bayern, als er mit dem Knie gegen den Pfosten prallte, einen Knorpelschaden zu und musste operiert werden. Alex Meier verletzte sich beim Training an der Ferse und Fußsohle. Scheinbar harmlos, aber sehr schmerzhaft und schwer zu behandeln. Auch diese Ausfälle waren mit Vorsorge nicht zu vermeiden.

Etwas anders liegen die Dinge bei Marco Fabián und Omar Mascarell. Fabián hatte im Trainingslager in Abu Dhabi über Rückenschmerzen geklagt. Womöglich wurde dies zunächst unterschätzt. Fabián fehlte über Wochen, mehrere Ärzte wurden konsultiert. Erst nach einem Besuch in Madrid bei einem Arzt von Real ging es aufwärts. Angeblich nach einer Spritzenkur. Eine solche Behandlung birgt immer auch Risiken. Bei Fabián ging es gut.

Bei Mascarell nicht. Der Spanier spielte über Wochen mit Achillessehnenschmerzen. Die Entzündung wurde physiotherapeutisch und mit Medikamenten bekämpft. Tabletten hat Mascarell geschluckt, wohl auch Spritzen bekommen. Das hat die Schmerzen gelindert und dafür gesorgt, dass er eingesetzt werden konnte. Gebessert aber hat sich die Verletzung nicht, irgendwann ging nichts mehr. Seit fast zwei Monaten ist Mascarell außer Gefecht. Eine Operation droht.

Und so könnte es sein, dass bei ihm und bei Hasebe die Verletzungen wieder mit in diese neue Saison genommen werden.

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