10.06.2017 03:30 | Peppi Schmitt

Geschichten der Eintracht-Saison: Michael Hector: Ein Kerl wie ein Baum

Frankfurt Michael Hector ist zurück in London, sein Leihvertrag in Frankfurt läuft Ende dieses Monats aus. Von den Fans der Eintracht ist er immer noch begeistert.

Michael Hector
Michael Hector Bild: imago

Wochenlang hatten sie bei der Frankfurter Eintracht im letzten Sommer nach einem weiteren Innenverteidiger gesucht. Carlos Zambrano hatte sich nach Russland verabschiedet, Marco Russ war noch von der Krankheit gezeichnet. Es bestand also Handlungsbedarf. Und es wurde eine zähe Angelegenheit. Erst am 14. August war es dann so weit. Die Eintracht präsentierte Michael Hector. Ein Baum von einem Kerl, 1,93 Meter groß, ausgeliehen vom FC Chelsea. Ein Profi, der – obwohl erst 24 Jahre alt – bereits bei elf verschiedenen Clubs gespielt hatte und trotzdem in Deutschland weitgehend unbekannt war.

In Jamaika wurde Hector geboren, in London ist er aufgewachsen. Für die jamaikanische Nationalmannschaft hat er unter dem deutschen Trainer Winnie Schäfer gespielt, seine sportliche Heimat aber war die zweite englische Liga. Im Multi-Kulti-Kader der Eintracht war er Vertreter der 17. Nation.

Bei den Fans beliebt: Michael Hector. Foto: Christian Klein (FotoKlein)
Bei den Fans beliebt: Michael Hector.
In den sozialen Netzwerken ist er viel unterwegs, nennt sich dort „Bic Hec“. Er ist durchaus riesig und hat auch ein riesengroßes Selbstvertrauen. Natürlich sei er gekommen, „um Stammspieler zu werden“, ließ er gleich zu Beginn verlauten. Trainer Niko Kovac sah das zum Saisonstart genauso. Hector stand beim Pokalspiel in Magdeburg in der Anfangself. Und er stand beim Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 in der Anfangself.

Aber beide Male nicht bis zum Ende. In Magdeburg sah er in der 74. Minute die Gelbe Karte, in der 100. Minute die Gelb-Rote. Eine Woche später gegen Schalke war es dann glatt „Rot“ nach einer vermeintlichen „Notbremse“. Was für ein missglückter Einstand! Zwei Platzverweise in den ersten beiden Spielen für den neuen Club, das war rekordverdächtig. Zum „Rüpel“ aber taugte Hector dennoch nicht, wie der weitere Verlauf der Saison zeigte. Es war ihm nur schwer gefallen, sich auf die andere Spielweise in Deutschland umzustellen. Insgesamt hat Hector 22 Mal für die Eintracht in der Liga gespielt, wurde dabei „nur“ viermal mit „Gelb“ bestraft und eben einmal mit „Rot“.


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Die Bestrafungen konnte er damals nicht nachvollziehen und kann es heute immer noch nicht. Die Stürmer in Deutschland würden viel zu leicht und viel zu häufig hinfallen, kritisierte er dieser Tage in einem Interview auf der Homepage des FC Chelsea, aus England sei er da anderes gewohnt. „Wenn sie nur einen Kontakt spüren, gehen sie zu Boden und provozieren eine Gelbe Karte“, sagt Hector. Dennoch sei es gut für ihn gewesen, in der Bundesliga Erfahrungen zu sammeln. „Das war das höchste Level, auf dem ich bislang gespielt habe“, sagt er und zeigte sich vor allem begeistert von den Fans der Eintracht. Die gehörten zu den „besten des Landes“.

Hector hatte nicht nur schwarze Momente bei der Eintracht, in diesem Fall waren es ja auch „rote“, sondern er hatte auch Grund zur Freude. Den Jubel der von ihm so geliebten Fans konnte er vor allem am 24. September genießen. Die Berliner Hertha führte in Frankfurt mit 3:2, es lief die Nachspielzeit. Trainer Kovac hatte den langen Hector eingewechselt und ihn in den Angriff geschickt. Ein Kopfballtor sollte „Bic Hec“ machen. Und ein Kopfballtor hat er auch gemacht. Die Flanke war von Ante Rebic gekommen, der Kopfball war dann unhaltbar. Später sprach er von einem „fantastischen Gefühl“. Es blieb sein einziges Bundesligator. Im Pokal hatte Hector auch noch einen großen Auftritt. Auch er traf beim Elfmeterschießen im Halbfinale in Mönchengladbach.


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Michael Hectors Leihvertrag in Frankfurt läuft Ende dieses Monats aus, beim FC Chelsea hat er noch Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Vermutlich wird ihn der neue englische Meister wieder verleihen in der neuen Saison. Nicht mehr nach Frankfurt, ziemlich sicher auch nicht mehr nach Deutschland. Die Zeit am Main hat er genossen. Nicht nur wegen des Flughafens, der es ihm ermöglicht hat, ziemlich schnell und ziemlich oft in seine Heimatstadt London zu jetten, sondern vor allem wegen der sportlichen und menschlichen Erfahrungen. „Frankfurt ist eine schöne Stadt mit vielen netten Menschen“, blickt er mit Freude zurück.

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