12.09.2017 19:32 | Christian Heimrich

Eintracht Frankfurt: Gelson Fernandes: Der lachende Zerstörer

Frankfurt Der Schweizer Gelson Fernandes ist ein Sprach- und Humor-Genie. Doch auf dem Platz ist schnell Schluss mit lustig.

09.09.2017, xjhx, Fussball 1. Bundesliga, Borussia Moenchengladbach - Eintracht Frankfurt, emspor v.l. Nico Elvedi (Borussia Mönchengladbach), Gelson Fernandes (Eintracht Frankfurt)
Immer voller Einsatz: Gelson Fernandes (rechts), hier gegen den Gladbacher Nico Elvedi. Foto: Hübner Bild: Jan Huebner (Jan Huebner)

Mindestens einmal pro Minute muss das breite Lachen ins Gesicht. Das gehört anscheinend unverrückbar zu Gelson Fernandes. Zur Not macht der Schweizer mit kapverdischen Wurzeln einen Witz auf eigene Kosten. Gegen Ende des Gesprächs, als der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht seinen wahrscheinlichen Lebensmittelpunkt nach der aktiven Fußballer-Karriere benennen soll, streicht sich der 31-Jährige über die tiefbraunen Arme und prustet los: „Ich bin doch ein typischer Schweizer, ich gehe zurück in die Berge.“ Und obwohl es politisch vielleicht nicht ganz korrekt sein mag: Alle Zuhörer müssen mitlachen.

Die Eintracht scheint da im Sommer einen richtig guten Typen an Land gezogen zu haben: weltläufig, vielsprachig, offen, unterhaltsam, aber durchaus auch selbstreflektierend und kritisch. Der Neuzugang, für eine halbe Million Euro von Stade Rennes losgeeist, soll das Frankfurter Mittelfeld von der Sechser-Position aus stabilisieren. Das klappte in den bisherigen vier Saisonspielen mal gut, mal weniger gut. Oder anders gesagt: Gelson Fernandes spielt mit viel Herz, ist ein Kämpfer, kann durchaus auch zerstörerisch auf des Gegners Spiel einwirken. Aber fußballerisch, beim Spielaufbau, hapert es doch oft ziemlich.

Lustiger Wandervogel

Der Schweizer Nationalspieler geht im Frankfurter Trikot so rustikal zur Sache, dass er sich in jedem der bislang drei Bundesliga-Spiele eine Gelbe Karte abgeholt hat. „Klar, ich muss mehr aufpassen, die Schiedsrichter haben mich im Blick. Aber ich darf auch mein Spiel nicht zu sehr ändern“, sagt Fernandes. Der Abräumer verweist darauf, dass er im Laufe seiner Karriere immer schon viele Verwarnungskarten gesammelt habe: „Aber nicht mehr als acht pro Saison.“ Er wolle nun einmal immer das Menschenmögliche für seine Mannschaft tun, sagt Fernandes mit treuherzigem Blick – um gleich danach wieder für einen herzhaften Lacher zu sorgen, als es aus ihm heraussprudelt: „Ich gebe immer alles was ich kann und was ich nicht kann.“

Gelson Fernandes ist das, was man getrost einen Wandervogel nennen kann. Er hat schon in England für Manchester City und Leicester City gespielt, in Italien für Chievo Verona und Udinese Calcio, in Frankreich für den AS St. Etienne und Stade Rennes und in Deutschland für den SC Freiburg. Mal ging er wegen der Familie, mal aus sportlichen Gründen.

In seiner unverstellten Art erzählt Fernandes, wie es damals bei Manchester City gelaufen ist: „Da kamen die Scheichs und brachten Yaya Touré mit. Du kannst Dich dann entscheiden: Geld auf der Tribüne verdienen, oder woanders hingehen.“ Gelson Fernandes begreift schnell, wenn ein Konkurrent besser ist. Und er akzeptiert es.

Sprachen im halben Dutzend

Das gilt auch für die Schweizer Nationalmannschaft, bei der er bei den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen nur auf der Ersatzbank saß: „Weil wir mit nur einem Sechser spielen. Das ist Granit Xhaka, und der ist richtig gut.“

Und nun, im Herbst seiner Karriere also Frankfurt. Gelson Fernandes hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben, genießt die Stadt und die Atmosphäre im Club. Bei der Multi-Kulti-Eintracht hilft ihm natürlich, dass er ein halbes Dutzend Sprachen beherrscht. Mit Kevin Prince Boateng und David Abraham spricht er gerne italienisch, ansonsten englisch oder deutsch. Kroatisch, die Sprache seines Trainers Niko Kovac, fehlt noch in seinem Portfolio. „Aber ich verstehe im Training immer schnell, wenn ich etwas falsch gemacht habe“, sagt Fernandes grinsend.

Am Samstag kommt der FC Augsburg in die Frankfurter WM-Arena. Nach der Niederlage beim Heim-Auftakt gegen den VfL Wolfsburg wäre ein Sieg wichtig. Gelson Fernandes kennt ein paar Gründe, warum es mit dem „Dreier“ diesmal klappen könnte: „Wir arbeiten im Training gut und viel. Wir haben durch den Sieg in Mönchengladbach Selbstvertrauen getankt. Und wir müssen vor unserem eigenen Publikum eine Leistungssteigerung zeigen.“ Die nächste Gelbe Karte ist also vielleicht schon eingepreist.

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