19.06.2017 06:00 |

Eintracht Frankfurt: Eintracht-Defensive: Hasebe wie der "Kaiser"

Frankfurt Manndeckung? Raumdeckung? In der abgelaufenen Saison war eine bestimmte „Kette“ wieder en vogue.

1. Fußball Bundesliga: SV Darmstadt 98 - Eintracht Frankfurt, 2. Spieltag, Saison 2016 / 2017 am 10.09.2016, xmdx, Makoto HASEBE (20, Eintrach Frankfurt), Szabolcs HUSZTI (8, Eintrach Frankfurt) SV Darmstadt 98 - Eintracht Frankfurt

1 Football Bundesliga SV Darmstadt 98 Eintracht Frankfurt 2 Matchday Season 2016 2017 at 10 09 2016 xmdx Makoto Hasebe 20 Eintrach Frankfurt Szabolcs Huszti 8 Eintrach Frankfurt SV Darmstadt 98 Eintracht Frankfurt
Er weiß und zeigt, wo es lang geht: Makoto Hasebe (Mitte), hier mit Jesus Vallejo (links) und Szabolcs Huszti. Bild: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst)

„Dreierkette, Viererkette, Fünferkette, Perlenkette“ – schon der verstorbene ehemalige Trainer der Frankfurter Eintracht, Jörg Berger, hatte sich über die Bezeichnungen lustig gemacht. Und doch werden Jahr für Jahr national wie international ziemlich banale Dinge als tolle taktische Neuerungen verkauft.
Über viele Jahre war es eine Art fußballerischer „Glaubenskrieg“, ob man mit „Manndeckung“ ins Spiel ging oder mit Raumdeckung. Die direkte Manndeckung gibt es längst nicht mehr, sie gilt als unmodern. Was nicht ausschließt, dass sie irgendwann wieder kommen wird. Heute wird diskutiert, ob bei Eckbällen des Gegners „im Raum“ oder „am Mann“ verteidigt werden soll. Und in dieser abgelaufenen Fußball-Saison wurde plötzlich wieder die Dreierkette hervorgeholt, nachdem jahrelang die Viererkette en vogue gewesen war. Mittendrin bei diesen Innovationen, die es ja alle schon mal gab, diesmal auch die Eintracht und ihr Trainer Niko Kovac.

Zu Beginn der Saison hatte Kovac an den ersten sechs Spieltagen noch mit einer Viererkette spielen lassen, zwei Verteidiger außen, zwei innen. Das war das gängige Modell in der Bundesliga. Bei der Eintracht sorgten davor noch zwei defensive Mittelfeldspieler für Stabilität, die sogenannten „Sechser“. Diese taktische Ordnung brachte Erfolg, weil sie auch von guten Spielern umgesetzt wurde. Außen verteidigten Timothy Chandler und Bastian Oczipka, in der Mitte David Abraham und Jesus Vallejo. Davor sorgten Makoto Hasebe und/oder Szabolcs Huszti und Omar Mascarell für Ordnung. Das passte.

Am 7. Spieltag, beim 2:2 gegen Meister Bayern München, vertraute Kovac zum ersten Mal der Dreierkette, die im Verteidigungsfall ja eine Fünferkette ist. Dann nämlich rücken die beiden Außenverteidiger in die letzte Reihe und in der Mitte verdichten drei Innenverteidiger dem Gegner den Weg zum Tor. Am 8. Spieltag in Hamburg, siegte die Eintracht noch einmal mit Viererkette, danach stellte der Trainer grundsätzlich um. Das hatte einen relativ einfachen Grund: Kovac hatte für Makoto Hasebe die richtige Position gefunden. Der japanische Nationalspieler spielte in der Mitte der Dreierkette, meistens flankiert von Abraham und Vallejo. Und diese Rolle war Hasebe auf den Leib geschneidert. Im Grunde interpretierte er sie als Libero, wie einst Franz Beckenbauer. Mit „Kaiser Franz“ wird der 33 Jahre alte japanische Nationalspieler auch in seiner Heimat verglichen.

Hasebe also war der neue Libero, der „freie Mann“. Er konnte aus dieser Position heraus das Spiel ankurbeln, die ersten öffnenden Pässe spielen, meist unbedrängt, weil das System so fein abgestimmt war, dass die Gegner ihn einfach nicht unter Druck setzen konnten. Diese Lösung war gut für die Defensive wie die Offensive. Die Eintracht musste über einen längeren Zeitraum kaum Gegentore hinnehmen, weil die Abwehr ziemlich stabil stand. Und sie kam vernünftig ins Kombinieren nach vorne. Alles gut also.

Bis zum Rückspiel in München am 24. Spieltag. An jenem 11. März brachte eine einzige Aktion das ganze Haus zum Wanken. Hasebe versuchte nach einem Heber von Nationalspieler Thomas Müller über Torwart Lukas Hradecky hinweg einen Treffer des Meisters zu verhindern. Er sprintete dem Ball hinterher, erreichte ihn auch noch vor der Linie – und krachte bei der Rettungstat mit voller Wucht gegen den Pfosten.
Minutenlang musste der Japaner behandelt werden, versuchte es noch einmal, musste dann aber passen. Marco Russ wurde in der 64. Minute für ihn eingewechselt. Es gibt Pyrrhus-Siege und in diesem Fall war es eine Pyrrhus-Rettung. Die Eintracht unterlag trotz Hasebes Einsatz mit 0:3 und seitdem kann Hasebe nicht mehr spielen. Beim Aufprall aufs Pfosten-Aluminium hatte er sich eine schwere Knieverletzung zugezogen, wurde kurz darauf in seiner Heimat operiert. Dabei wurde ein Knorpelschaden festgestellt und behoben.

Die inzwischen lieb gewonnene Ordnung in der Abwehr aber wollte der Trainer dennoch beibehalten. Doch das war keine so wirklich gute Idee. Ohne Hasebe, so die berechtigte Kritik, machte die Dreierkette mit „Libero“ wenig Sinn. Es folgten fünf weitere Spiele ohne Sieg, ehe beim Heimspiel gegen Augsburg der Knoten wieder platzte. Da hat die Eintracht übrigens wieder mit Viererkette gespielt.

In diesen Tagen hoffen alle in Frankfurt, dass Hasebe rechtzeitig zum Saisonstart wieder fit sein wird. Am Freitag hat er allen Eintracht-Fans Mut gemacht, als er ein Foto auf Instagram postete beim Balltraining in seiner japanischen Heimat. Dazu die Schlagworte: „Keine Pause, weiter arbeiten, gutes Gefühl.“ Der Libero könnte also bald zurück sein.

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