10.10.2017 17:14 |

Räuber lauern Rentner-Ehepaar auf: 78-Jähriger bei Überfall in Frankfurt-Griesheim getötet

Frankfurt Der Stadtteil ist entsetzt: Bei einem Überfall ist in Griesheim ein 78-Jähriger so heftig geschlagen worden, dass er Stunden nach der Tat im Krankenhaus starb. Drei Tatverdächtige sind festgenommen worden, aber der Fall lässt Fragen offen.

Der Tatort: Das Haus an der Linkstraße wurde gestern von der Polizei gesichert, während die Spurensuche am Werk war. Hier war am Abend zuvor ein Ehepaar überfallen worden. Foto: Maik Reuß
Der Tatort: Das Haus an der Linkstraße wurde gestern von der Polizei gesichert, während die Spurensuche am Werk war. Hier war am Abend zuvor ein Ehepaar überfallen worden. Foto: Maik Reuß Bild: Maik Reuß

Nach einem Überfall auf ein Ehepaar in der Linkstraße in Griesheim ist ein 78 Jahre alter Mann in der Nacht zum Dienstag im Krankenhaus an den Verletzungen gestorben, welche die Räuber ihm zugefügt haben. Details zur Todesursache müsse die Obduktion ergeben, teilt die Polizei mit. Seine ebenfalls 78-jährige Frau erlitt ebenfalls schwere Verletzungen, ist aber außer Lebensgefahr.

Gegen 21.30 Uhr war das Paar nach Angaben der Polizei am Montagabend zu seiner Wohnung gekommen, wo die drei Männer im Hausflur auf die Eheleute warteten. Die Männer attackierten die beiden sofort mit massiven Schlägen und Tritten gegen Kopf und Oberkörper. Dann fesselten sie ihre schwer verletzten Opfer. Ihre lauten Hilfeschreie hatten allerdings schon Nachbarn auf das Geschehen aufmerksam gemacht; sie alarmierten sofort die Polizei. Die Einsatzkräfte trafen wenige Minuten später am Tatort ein, und die Polizei konnte die drei mutmaßlichen Räuber noch im Haus festnehmen. Angeblich konnten die überraschen Täter beim Auftauchen der Polizei nicht aus dem Haus fliehen: Alle Fenster sind aus Angst vor Einbrechern massiv vergittert; die Räuber saßen quasi in der Falle. Die Frage, wie sie zuvor hineingelangt sind, kann die Polizei noch nicht beantworten.

Das Opfer gefoltert

Die beiden Schwerverletzten wurden vom Notarzt versorgt und ins Krankenhaus eingeliefert. Dort erlag der 78-Jährige wenige Stunden später seinen massiven Verletzungen, die ihm die Täter zugefügt hatten – wahrscheinlich, um den Zugang zu weiteren Reichtümern zu erpressen. Bei dem Opfer handelt es sich um einen Uhren- und Schmuckhändler, der trotz seines hohen Alters in Griesheim noch ein Geschäft betreibt. Nach Recherchen dieser Zeitung vermietet das Paar außerdem seit Jahrzehnten Zimmer und Wohnungen an Arbeiter aus Osteuropa.

Dass das Paar Angst vor Räubern hatte – und dass es dort etwas zu holen gab –, zeigt der massive Schutz am Wohnhaus. Es ist bis in den ersten Stock vergittert, auch der Gartenzaun ist mit schmiedeeisernen Spitzen gegen Übersteigen gesichert. Geholfen hat es offenbar nicht viel. „Ich habe die Schreie gehört“, sagt ein Nachbar, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Derweil schießen im Stadtteil die Spekulationen ins Kraut: Täter und Opfer hätten sich durch ein Mietverhältnis gekannt. Das Ehepaar habe Wohnungen und Zimmer, die sich in erbärmlichem Zustand befunden hätten, zu überhöhten Preisen vermietet.
Kellerwohnungen geräumt.

Amtlich geworden sind solche Vermietungspraktiken, als die Frankfurter Bauaufsicht vor einigen Jahren einige völlig überbelegte Kellerwohnungen des Ehepaars an der Linkstraße räumen ließ, in der sehr viele Menschen gelebt haben. Angeblich, so berichten Nachbarn, hätten die Vermieter sich den Mietzins immer bar auszahlen lassen. Das Ladengeschäft des Ehepaars an der Alten Falterstraße hat schon bessere Zeiten gesehen; es macht einen heruntergekommen Eindruck. „Das wirkt fast wie ein Schrottladen“, sagt ein weiterer Griesheimer, der das überfallene Ehepaar kannte. Das Schaufenster sei seit Jahrzehnten nicht umdekoriert worden. Gestern blieben die Läden unten.

In Griesheim ist die Nachricht über den gewaltsamen Tod des Mannes trotz der dubiosen Hintergründe mit Entsetzen aufgenommen worden. Vor dem Supermarkt an der Alten Falterstraße erzählt eine Frau, dass sie immer häufiger Drogenhändler beobachte: In der Tat wird gedealt, vor allem am Bunker im Griesheimer Stadtweg und auch am Mainufer, aber bestimmend für den Stadtteil scheint das nicht zu sein. Zumal der Überfall nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei nichts mit der Drogenszene zu tun haben soll. Die Hintergründe sowie die genauen Umstände der Tat sind derzeit noch unklar. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um drei Osteuropäer im Alter von 19 bis 25 Jahren. Ob sich Täter und Opfer gekannt haben und ob die Männer bewaffnet waren, hat die Polizei noch nicht mitgeteilt. Die Männer wurden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt.

(hvo)

Dieser Text wurde mehrfach redigiert.

Kommentare

  • Geldgier zahlt sich hier von beiden Seiten nicht aus! Leider
    geschrieben von Sozialeinitiativefrankfurt (197 Beiträge) am 11.10.2017 08:12

    Jenseits des geldgierigen Ehepaares, es hat etwas von Slapstick Haben Sie dennoch das Recht unversehrt zu bleiben. So ist die Tat der geldgierigen Osteuropäer nicht zu goutieren. Nichts bleibt irgendwie ungesühnt, könnt man hier fast meinen. Wir können nur alle Ermahnen, die Geldgier zu kanalisieren als Krankheit anzusehen. Wir fordern Vermieter in Frankfurt auf vernünftige Mieten zu verlangen, die menschenwürdig und dem Geldbeutel der normalen Bürger zu entsprechen. Schimmelige Wohnung, Überbelegung, noch das letzte Loch zu vermieten, das muß geahndet und bestraft werden und von der Gesellschaft verachtet werden. Diese geldgierigen Haie müssen an den gesellschaftlichen Pranger gestellt werden.

  • Wenn schon den POL-Bericht zitieren, dann vollständig...
    geschrieben von IckeFfm (18 Beiträge) am 10.10.2017 13:30

    "...Bei den dringend Tatverdächtigen handelt es sich um drei OSTEUROPÄISCHE Männer im Alter von 19 bis 25 Jahren. ...".

    Political correctness lässt grüßen...



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