19.06.2017 07:00 | dpa

Volksleiden: Überdurchschnittlich viele Rücken-Operationen in Hessen

Gütersloh Wie häufig Patienten mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus müssen und wie oft sie operiert werden, ist regional sehr unterschiedlich. Die Bertelsmann-Stiftung hat die Bundesländer verglichen.

Eine Frau hält sich am 16.06.2017 in einer Physiotherapiepraxis in Dresden (Sachsen) die Hände auf Höhe der Lendenwirbel in den mit einem Tapeverband beklebten Rücken.
Eine Frau hält sich am 16.06.2017 in einer Physiotherapiepraxis in Dresden (Sachsen) die Hände auf Höhe der Lendenwirbel in den mit einem Tapeverband beklebten Rücken. Bild: Arno Burgi (dpa-Zentralbild)

Wer in Hessen an Rückenschmerzen leidet, wird überdurchschnittlich häufig operiert. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und eigenen Berechnungen beruht. Die Stiftung hat die Häufigkeit der Eingriffe und die Zahl der der Krankenhausaufenthalte in den verschiedenen Bundesländern verglichen. Dabei liegt Hessen in vielen Kategorien weit vorn.

Bundesweit wurden Daten von rund fünf Millionen stationären Behandlungen der Jahre 2007 bis 2015 ausgewertet. Dabei zeigten sich starke regionale Unterschiede. Sie lassen sich dabei nach Aussage der Forscher nur zu einem kleinen Teil auf objektive Faktoren wie die Zahl der Orthopäden vor Ort zurückführen. Sie seien auch nicht dadurch erklärbar, dass die Menschen häufiger Rückenprobleme haben.

Die Experten nennen andere Ursachen: «Die Zunahme der Eingriffe und die regionalen Unterschiede hängen auch mit den Vorlieben der ortsansässigen Mediziner zusammen», sagte Eckhard Volbracht von der Bertelsmann-Stiftung, der an der Studie beteiligt war. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie für Hessen:

- Bei der Entfernung knöcherner Anbauten am Wirbelkanal liegt Hessen mit 217 Eingriffen pro 100 000 Einwohner im Bundesländervergleich auf dem ersten Rang. Fulda ist mit 549 Eingriffen je 100 000 Einwohner deutschlandweit der Kreis mit den meisten Eingriffen.

- Bei der Entfernung von Bandscheibengewebe liegt Hessen mit 250 Eingriffen je 100 000 Einwohner auf Platz zwei. Besonders Nordhessen fällt durch überdurchschnittliche Werte auf.

- Auch bei der Versteifung von Wirbelkörpern («Spondylodese») liegt Hessen mit 139 Eingriffen je 100 000 Einwohner auf dem zweiten Rang. Im Kreis Fulda ist die Zahl der Eingriffe je 100 000 Einwohner sechsmal so hoch wie im Kreis Gießen.

- Bei der Krankenhaushäufigkeit liegt Hessen mit 759 Aufenthalten je 100 000 Einwohner auf Platz sechs. Gezählt wurden Klinikaufenthalte wegen vier Hauptdiagnosen. Der Kreis Waldeck-Frankenberg kommt mit 1432 Krankenhausaufenthalten je 100 000 Einwohner bundesweit auf den zweithöchsten Wert.

- In Hessen gab es den bundesweit größten Anstieg bei Krankenhausaufenthalten wegen der ausgewählten Hauptdiagnosen. Mit einem Zuwachs von 47 Prozent verzeichnet das Land bundesweit den höchsten Anstieg.

(dpa)

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