19.06.2017 03:30 |

Fast nur Lob für den Hessentag: Bilanz des Landesfestes: Organisatoren und Polizei sind zufrieden

Rüsselsheim Der Hessentag in Rüsselsheim ist gestern mit einem großen Umzug zu Ende gegangen. Zehn Tage war die Stadt im Ausnahmezustand. Hat es sich gelohnt?

Beim großen Umzug zum Finale des Hessentages in Rüsselsheim winkten Landfrauen aus Schwabendorf den Besuchern zu.
Beim großen Umzug zum Finale des Hessentages in Rüsselsheim winkten Landfrauen aus Schwabendorf den Besuchern zu. Bild: Maik Reuß

Mit einem rauschenden Abschlussfest ist gestern in Rüsselsheim der 57. Hessentag zu Ende gegangen. Bei strahlendem Sonnenschein zogen rund 3800 Teilnehmer im großen Festumzug durch die Straßen und zeigten dabei die ganze Vielfalt Hessens. „Ei Guude!“ und „Helau!“ schallte es durch die Straßen.

Zehn Tage lang hat Rüsselsheim ein friedliches und fröhliches Fest gefeiert, es gab rund 1500 Veranstaltungen. Wir ziehen eine erste Bilanz.

Stimmung: Hunderte ehrenamtliche Helfer trugen dazu bei, das Landesfest auszurichten, und das Lächeln auf ihren Gesichtern wurde von Tag zu Tag breiter. Schließlich waren die Hessentagsbesucher voll des Lobes: „Einen so tollen Hessentag haben wir bisher noch nie erlebt“, hieß es oft in den sozialen Medien. Und tatsächlich: Lief man während der vergangenen zehn Tage am Mainufer entlang, blickten einem überall strahlende Gesichter entgegen. Die Leute ruhten entspannt in der Sonne, feierten beschwingt, tanzten ausgelassen auf Partys und Konzerten, steckten sich mit ihrer Fröhlichkeit an. Superstimmung herrschte in Rüsselsheim – die Stadt wird lange davon zehren können.

Sicherheit: Die Polizei zieht ein positives Fazit. Ein Sprecher sagte: „Durch die hohe Polizeipräsenz gelang es, die meisten Konflikte unter Streithähnen schon im Ansatz zu unterbinden.“ Platzverweise und Gewahrsamnahmen wegen übermäßigen Alkoholkonsums, Pöbeleien und Streitigkeiten seien die häufigsten polizeilichen Maßnahmen gewesen. „Taschendiebstähle kamen nur sehr vereinzelt vor“, so der Sprecher. Bei den Besuchern kam die hohe Präsenz von Polizei und Sicherheitspersonal gut an. Die Beamten waren meist freundlich und hilfsbereit, die Taschenkontrollen vor Konzerten in der Regel dezent.

„Es war ein ungeheuer friedliches Fest“, sagte Staatskanzleichef Axel Wintermeyer (CDU). Die enormen Kosten für die Sicherheit hätten sich bewährt, das Land werde die Stadt damit nicht allein lassen, versprach er. Rüsselsheim hatte vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohung statt der geplanten 1,9 Millionen mehr als drei Millionen Euro für die Sicherheit investieren müssen.

Besucher: 1,4 Millionen Menschen haben den Hessentag besucht, wie die Organisatoren in einer ersten Bilanz am Sonntag mitteilten. „Das zeigt, wie attraktiv der Hessentag ist“, betonte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). „Rüsselsheim hat sich als großartiger Gastgeber gezeigt.“ Die Stadt sei zusammengerückt, dazu „freue ich mich, dass es ein friedlicher Hessentag war“. Reichlich heiser zog der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) Bilanz: „Ich bin total begeistert, die Rüsselsheimer haben dieses Fest gelebt.“ Burghardt fügte hinzu: „Wir haben es geschafft, ein Wir-Gefühl zu schaffen.“ Er hoffe, dass es nun auch gelinge, „dieses Wir-Gefühl zu bewahren“.

Kritik: Der Hessentag sei „zu groß, zu lang und zu teuer geworden“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Frank Blechschmidt. Der Hessentag brauche eine Neukonzeption und solle wieder auf seinen ursprünglichen Gedanken als Begegnungsfest für alle Hessen zurückgeführt werden. Überlegenswert sei auch, das Landesfest nur alle zwei Jahre zu veranstalten. Ministerpräsident Bouffier widersprach: „Rüsselsheim hat gezeigt, dass der Hessentag Zukunft hat.“

Konzerte: In der Nähe des Adam-Opel-Hauses thronte während des Hessentags eine der größten Open-Air-Bühnen Europas. 32 000 Menschen hätten in der Hessentagsarena Platz finden können, doch wurde diese Kapazität bei keinem der Konzerte auch nur ansatzweise ausgelastet - immerhin war die Arena bei den Party-Veranstaltungen FFH-Just White (28000 Besucher) und FFH-Just 90s (25500 Besucher) gut gefüllt. Optimistisch hatten die Veranstalter bekannte Rock-Gruppen gebucht, doch spielten die meistens Bands vor nur wenigen Tausend Besuchern: Zu den „Scorpions“ kamen etwa 9000 Fans, zu den „Kings of Leon“ rund 8000 Menschen, zu Geiger David Garrett 10 000 Besucher. Den Veranstaltern ging mit diesen niedrigen Besucherzahlen viel Umsatz flöten. Ursprünglich hatte die Stadt mit Einnahmen durch Ticketverkäufe in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro gerechnet. Die finale Abrechnung könnte ein böses Erwachen bedeuten.

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