14.09.2017 19:04 | Von Susanne Kupke und Sebastian Engel, dpa

Rheintal-Bahnstrecke bereits am 2. Oktober wieder frei

Baden-Baden Gute Nachricht für Reisende: Die nach einer Havarie gesperrte Nord-Süd-Trasse der Bahn soll fast eine Woche früher als geplant wieder befahrbar sein. Die Logistikbranche erwartet indes längerfristige Folgen - und wendet sich an den Verkehrsminister.

Das Nordportal des im Bau befindlichen Bahntunnel Rastatt: An der Baustelle hatten sich Bahngleise abgesenkt. Foto: Uli Deck
Das Nordportal des im Bau befindlichen Bahntunnel Rastatt: An der Baustelle hatten sich Bahngleise abgesenkt. Foto: Uli Deck Bild: dpa

Die wochenlange Sperrung einer wichtigen Nord-Süd-Bahntrasse im Oberrheintal sorgt nicht nur für Unmut bei Reisenden. Auch Güterverbände sind verärgert und sprechen von riesigen Löchern in den Kassen, schließlich ist die Strecke eine europäische Transport-Hauptschlagader.

Nun gibt es zumindest eine gute Nachricht. Wie die Bahn am Donnerstag mitteilte, soll die Verbindung ab dem 2. Oktober wieder befahrbar sein - fünf Tage früher als geplant.

Grund für die seit dem 12. August geltende Sperrung der stark frequentierten Strecke war ein Unfall an einer Tunnelbaustelle bei Rastatt. Wasser und Erde waren eingedrungen, daraufhin sackten die Schienen ab. Reisende, Pendler und Transportfirmen klagen über Behinderungen sowie Kosten in Millionenhöhe. Der Logistik-Verband BGL forderte die Schaffung eines Notfallfonds.

Von den täglich 800 bis 1300 Personenfernzügen, die auf dem deutschen Schienennetz unterwegs sind, passieren regulär etwa 70 die Rheintalstrecke. Hinzu kommen 50 Regionalzüge sowie bis zu 200 Güterzüge. Derzeit bringen Busse wegen der Sperrung zwischen Rastatt und Baden-Baden an diesem Abschnitt Reisende weiter, der Güterverkehr wird umgeleitet.

„In dieser schwierigen Lage zählt jeder Tag für unsere Kunden im Güter- und Personenverkehr. Daher ist es hilfreich, dass wir früher fertig werden”, sagte Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Dem Unternehmen zufolge bleibt es bis zur Wiederinbetriebnahme der Strecke aber eine große Aufgabe, den Güterverkehr umzuleiten. Für etwas Entspannung sorge die vorgezogene Aufnahme der Gäubahn. Zudem seien mittlerweile rund 70 zusätzliche Lokführer im Güterverkehr im Einsatz - auch aus dem Ausland. „Die Herausforderung: Diese Lokführer müssen nicht nur über die nötigen Kenntnisse der Fahrzeuge und Strecken verfügen, sondern auch Sprachkenntnisse haben”, hieß es in einer Bahn-Mitteilung.

Der Logistik-Verband BGL etwa klagt über chaotische Zustände an den Containerbahnhöfen. Nach seinen Angaben gehen die Kosten der betroffenen Transportfirmen und Speditionen für Standzeiten, Umwegfahrten und Vertragsstrafen wegen verspäteter Lieferungen „in die Millionen”. Der Verband forderte in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Einrichtung eines Notfallfonds und bat den Minister, sich bei der Bahn für finanzielle Entschädigungen einzusetzen.

Die Deutsche Bahn baut die Rheintalbahn seit langem als Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes aus. Seit dem vergangenen Jahr werden zwei knapp 4300 Meter lange Tunnelröhren unter der Stadt Rastatt gebohrt. Am 12. August hatte sich ein Betonsegment in der Tunnelröhre verschoben, die nur knapp fünf Meter unter den Gleisen der Rheintalbahn durchführt. Wasser und Erdreich drangen ein, die Gleise darüber senkten sich ab. Der Güterverkehr staute sich nach der Havarie zwischen Rotterdam und Genua. Die Röhre unterhalb der Rheintalbahn wurde zur Stabilisierung auf 150 Metern Länge mit 10 500 Kubikmetern Beton gefüllt.

(Von Susanne Kupke und Sebastian Engel, dpa)

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