10.08.2017 16:39 | dpa

Krankenkasse: Leiharbeiter sind häufiger krankgeschrieben

Hamburg/Frankfurt Macht Zeitarbeit krank? Eine große Krankenkasse sagt, die ständigen Jobwechsel in fremden Unternehmen bergen körperliche und seelische Risiken. Sie erntet damit Widerspruch bei einem Teil der Arbeitgeber.

Bauarbeiter auf einer Großbaustelle: Leiharbeiter verrichten öfter körperlich schwere Arbeiten und leiden unter der Unsicherheit ihrer Jobs.
Bauarbeiter auf einer Großbaustelle: Leiharbeiter verrichten öfter körperlich schwere Arbeiten und leiden unter der Unsicherheit ihrer Jobs. Bild: Julian Stratenschulte

Leiharbeiter fehlen nach Einschätzung einer Krankenkasse häufiger am Arbeitsplatz als andere Arbeitnehmer. 20,3 Tage seien sie im vergangenen Jahr im Schnitt krankgeschrieben gewesen.

Das berichtete die Techniker-Krankenkasse (TK) auf der Grundlage der 4,8 Millionen bei ihr versicherten Erwerbspersonen. Das waren 5,6 Tage mehr als bei den übrigen Beschäftigten, die auf 14,7 krankheitsbedingte Fehltage gekommen seien. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke-Gruppe über die Auswertung berichtet.

Vor allem von Erkrankungen der Psyche und des Muskel-Skelett-Systems seien Leiharbeiter überdurchschnittlich häufig betroffen. Die körperlichen Beschwerden seien auch darauf zurückzuführen, dass häufig körperlich schwere Arbeiten zu verrichten seien.

Ein rundes Drittel der zusätzlichen Fehlzeiten sei aber den spezifischen Belastungen der Zeitarbeit zuzuschreiben, erklärte TK-Experte Albrecht Wehner unter Hinweis auf frühere Befragungen.

„Die Beschäftigten empfinden vor allem eine Arbeitsplatzunsicherheit und ihre begrenzten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen als Belastung. Sie leiden unter der teilweise großen Diskrepanz zwischen ihrer fachlichen Qualifikation und dem Aufgabenfeld, in dem sie eingesetzt sind.” Auch die Einkommenssituation sei für viele belastend.

Heftiger Widerspruch kam von Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP). Die TK mache die Branche zum Sündenbock und zeichne ein Zerrbild.

Zeitarbeiter seien sozio-ökonomisch besser mit der Versichertenschaft der AOK vergleichbar, bei der alle Versicherten im Schnitt schon auf 19,5 Fehltage im Jahr kämen. Ein Vergleich mit den TK-Versicherten gehe fehl. Eine Sprecherin der Kasse forderte den Arbeitgeberverband auf, endlich eine eigene Studie zum Krankenstand in der Branche vorzulegen.

Der zweite Arbeitgeberverband IGZ räumte hingegen spezifische Probleme ein. 54 Prozent der in der Zeitarbeit Beschäftigten seien ungelernte Hilfsarbeiter, die an ihren wechselnden Arbeitsplätzen schon aus Unerfahrenheit höheren Unfallgefahren ausgesetzt seien, sagte der Sprecher des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen, Wolfram Linke. Ständig vor neuen Aufgaben zu stehen, könne auch psychisch belasten. Die Zeitarbeitsfirmen seien aber gemeinsam mit den Entleihfirmen bestrebt, die Situation zu verbessern und präventiv zu wirken.

(dpa)

Kommentare

  • Feigheit hat immer Negative Auswirkungen
    geschrieben von Plaza (55 Beiträge) am 10.08.2017 16:41

    So etwas bleibt nicht aus und Schuld daran sind doch unsere Politiker die,die Leiharbeit doch genehmigt haben zu finanziellen Gunsten der Unternehmen und Konzerne.Diese Leiharbeiter und alle anderen Arbeitnehmer sollten sich endlich Solidarisieren und gegen diese Politik auf die Straße gehen.Da ihr deutschen Wähler aber zu feige dafür seid, müsst ihr euch nicht wundern wenn ihr als nächste Rentnergeneration in Armut versinkt.Nirgendwo in Europa sind die Menschen so feige gegen ihre Politiker auf die Straße zu gehen wie in Deutschland.Deshalb werden diese kriminellen was Solidarität angeht und was damit zu tun hat,dass sie ihre monatlichen Bezüge Steuerfrei in die Tasche stecken.Sie werden euch immer weiter für blöd verkaufen mit ihren absurden Appellen euch noch zusätzlich abzusichern (von was) für eine spätere höhere Rente.Deutsche Arbeitnehmer hätten die Macht die Wirtschaft lahm zu legen damit Politiker sie endlich ernst nehmen.Traut keinem versprechen von Merkel und von Schulz.



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