11.10.2017 03:00 | Dierk Wolters

Buchmesse in Frankfurt: Macron fordert die Überwindung der Nationalismen aus dem Geist der Sprachen

Frankfurt "Europa ist nichts ohne Kultur", sagte Frankreichs Staatspräsident bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Die Vielfalt des Kontinents sei sein Reichtum.

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Bild: JOHN MACDOUGALL (AFP)

In meiner Kontinuität und inneren Ruhe liegt die Kraft, sagen die Hände der einen. Wir müssen den Kontinent von Grund auf neu ordnen, sagen die des anderen. Die Sprache ihrer Hände verrät viel. Auch Gemeinsames: Für Vertrauen in die deutsch-französische Partnerschaft werben beide.

Bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2017 suchten die deutsche Bundeskanzlerin und der Staatspräsident aus Frankreich, dem diesjährigen Gastland der Buchmesse, den engen Schulterschluss. Dass es bei der Buchmesse um die verbindende Kraft des Wortes, die Macht der Literatur und gemeinsame Werte geht, machte es ihnen leicht. Weder die eine noch der andere musste sich mit harten ökonomischen Fakten herumschlagen, die die Festlegung auf eine gemeinsame Europa-Politik bislang so schwierig machten: Brauchen wir nun einen Super-Finanzminister oder nicht? Sollen die europäischen Staatsschulden vergemeinschaftet werden, so dass die einen für die anderen aufkommen müssen, oder nicht? Kein Wort von all dem, was noch vor Tagen für bilaterale Spannungen und erregte Diskussionen sorgte. Stattdessen lobte Angela Merkel ausdrücklich Macrons Rede an der Pariser Sorbonne als wegweisend. Bemerkenswert war diese Rede vor allem deswegen gewesen, weil der französische Präsident darin seine bisherigen Forderungen erstmals nicht erwähnt hatte.

Sprachgrenzen überwinden

Stattdessen nahm Macron seinen Besuch in Frankfurt als Gelegenheit, die tiefe, kulturell verwurzelte Gemeinsamkeit der beiden Nationen zu betonen. Erwähnte Goethe, und wie freudig der aus Gérard de Nervals „Faust“-Übersetzung vorgelesen habe. Dass de Nerval 20 Jahre später Goethes Frankfurter Elternhaus besucht habe. Und dass aus diesem polyglotten Geist der gegenseitigen Wertschätzung und Bewunderung erst tiefe Verbundenheit erwachsen konnte. Übersetzungen machten solche Erfahrungen über alle Sprachgrenzen hinaus möglich.

Mit diesem Umweg schmeichelte er nicht nur den Übersetzern und kündigte ganz nebenbei noch einen neuen Übersetzerpreis an, den er schaffen werde. Er näherte sich auf diese Weise auch einem seiner Kernanliegen: einer grundlegenden Erneuerung der europäischen Idee aus dem Geist des Austauschs. Weit mehr Franzosen als bisher sollen in jungen Jahren mindestens ein halbes Jahr im Ausland leben. Europas Neugründung soll auf der Kenntnis von Sprachen und ihrer Übersetzung gründen. Deswegen hat Macrons Regierung im September beschlossen, bilinguale Klassen zu fördern. Deswegen unterstützt der Präsident den Ausbau der studentischen Erasmus-Austauschprogramme. Die Universitäten, sagte Macron, sollten der Ort sein, an dem man dieses neue Europa spüre. Vor seinem Buchmesse-Auftritt hatte Macron die Frankfurter Goethe-Universität besucht.

„Ohne Kultur kein Europa“, sagte Macron. Bundeskanzlerin Angela Merkel griff sein Lob des Dialogs über alle Sprachgrenzen hinweg auf, wagte es, an die Freundschaft von Voltaire und Friedrich dem Großen zu erinnern, und an die zwischen Rilke und Rodin.

Bücher bauen Brücken

Bücher und ihre Autoren seien Seismographen, Ideengeber und auch Brückenbauer. Merkel sagte, nichts sei wichtiger in einer Zeit, in der sich Menschen zunehmend „in ihrem eigenen Land verkriechen“. In Anspielung auf ihre Herkunft aus der DDR sagte sie: „Einmal erlebt zu haben, dass man nicht jedes Buch lesen kann, bringt einen dazu, ein Leben lang dafür zu kämpfen, dass möglichst alle Menschen alle Bücher lesen dürfen.“

Damit antwortete sie auf Heinrich Riethmüller, den Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Der hatte vor den Staatsoberhäuptern sprechen können und Merkel aufgefordert, in der Welt vehementer als bisher für die Verteidigung des freien Wortes einzutreten. Auch die jüngst beschlossene Neuregelung des Urheberrechts gefährde diese Freiheit. „Stoppen Sie den Ausverkauf des Urheberrechts!“, hatte Riethmüller appelliert.

Im Jahr 1989 war Frankreich zum letzten Mal Gastland der Frankfurter Buchmesse gewesen. Merkel erinnerte daran, dass Europa damals „überschaubar, aber auch geteilt“ war. „Heute haben wir ein vereintes, aber auch größeres Europa.“ Sie folgerte: „Wir dürfen nicht zu Getriebenen werden, sondern müssen dieses Europa gestalten.“ Da war sie wieder, die Kanzlerin, die mit der Geste der Raute nach innerer Ruhe sucht. Dass es auch den Gastland-Präsidenten nach Gestaltung drängt, war zu diesem Zeitpunkt längst klar.

Kommentare

  • Wer die Freimaurerraute wie eine Monstranz überall zeigt,
    geschrieben von ellenwild (295 Beiträge) am 11.10.2017 17:56

    ist sicher auch ein(e) FreundIn der "NWO Neuen Weltordnung" der Globalisten, die von den Vasallen
    in der EU fest verankert werden soll. Emanuel Macron und Angela Merkel profilieren sich hier als Speerspitze dieser schon sehr lange von den Globalisten verfolgten Idee, die mit den europäischen Bürgern so nicht vereinbart war. Da die Nationalstaaten in einer EUDSSR ihre Souveränität und aufgeben müßten, ist das sehr heftig umstritten, zumal die Bürger
    keines Staates dazu gefragt wurden.
    Die Vergemeinschaft der Finanzen, vor allem der
    horrenden Schulden etlicher Südstaaten und auch Frankreichs, würden Deutschland als schon heute größten Nettozahler noch mehr belasten. Darum: Keine weiteren "alternativlosen" Finanzabenteuer unserer Noch-Bundeskanzlerin auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Entweder Neuwahlen oder
    eine Koalition, die vor allem die Interessen aller
    Deutschen vertritt und nicht nur die der Global Player und Banken.

  • Harzt4ler sterben 10 Jahre früher, ist das Menschenwürdig???
    geschrieben von Sozialeinitiativefrankfurt (197 Beiträge) am 11.10.2017 08:55

    Wir hoffen Macron Ära ist bald vorbei. Das war wohl nichts. Wer heute nicht verstanden hat das gilt auch für Frau Merkel, das der Spalt zwischen ARm und Reich geschlsossen werdne muß, der gehört nicht in die Führungsriege. Lobbyzeit ist vorbei. DIe Menschen haben die Nase voll. Sie wollen anständige LÖhne heute muß diese im 2stelligem Bereich liegen, sonst kannman nicht vernünftigt vom Lohn leben und alle nötigen! Dinge bezahlen. Das >Leben ist durch die schnellere Preiserhöhungspirale zu teuer geworden. WAs leidet kaum einer kannmehr Urlaub machen, nur noch billig billig. Billig billig schädigt aber andere Menschen, und unsere Gesundheit. Es gibt eine gewisse Spirale die wir einhalten müssen zwischen Stress und Erholung. Harztler sterben 10 Jahre früher als NOrmalbürger, ist das mit der Würde des Menschen vereinbar Herr MaCORN UND frAU Merkel.

  • Demonstrationen vor den Jobcentern Nord und Höchst!!!!!
    geschrieben von Sozialeinitiativefrankfurt (197 Beiträge) am 11.10.2017 08:50

    Wenn Herr Macron den meistgehassten Menschen in Deutschland Herrn HARZT WOHL VORBESTRAFT, nach France einlädt um mal seine tollen Agenda Vorschläge in France hzu unterbreiten, ist das sowieso schon ein Skandal. Hat er nicht selbst FAchleute im Land die etwas ändern könnten. Und wir wiswen doch alle das Harzt4 eine Katastrophe ist, Deutschland fällt fast durch das Ungleichgewicht von Arm und REich auseinander? Hat Macron sich nicht erkundigt? ZUm Glück sind die Franzosen invasiver und lauter und gehen auf die Straße bis zu einer halben Million Menschen in Deutschland unvorstellbar. Schön wäre es wenn nur ein ganz kleiner miniteil vor dem JObcenter Nord Emil von BEhring STrasse 10A demonstriert oder JObcenter HÖchst über höhere H.4Sätze, höhere FReibeträge für die arbeitende Schicht der Harzt4ler, Förderung von Umschulungen und Weiterbildungen (wieviele Anträge werden stattgegegben????)MItspracherecht der Leistungsempfänger! Ja hier können sie etwas tun malen sie sich ein Plakat



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