11.08.2017 17:15 | Von Klaus Peters und Anna Ringle, dpa

Frau flüchtet Hunderte Kilometer mit fremdem Baby

Potsdam/Hannover Es ist die Horrorvorstellung für Eltern: Eine Frau bietet einer Mutter an, auf ihr Kind aufzupassen und verschwindet mit dem Baby - so geschehen in Potsdam. Stunden später gibt es in Hannover eine Festnahme.

Die 19-Jährige hatte angeboten, auf das Baby aufzupassen, während die Mutter ihre Einkäufe in ihre Wohnung trug.
Die 19-Jährige hatte angeboten, auf das Baby aufzupassen, während die Mutter ihre Einkäufe in ihre Wohnung trug. Bild: Lukas Schulze/Symbol

Eine fremde Frau hat das Baby einer Mutter in Potsdam über Stunden entführt und ist mit dem kleinen Mädchen bis nach Hannover geflohen.

Dort nahmen Beamte die 19-Jährige am Donnerstag in einem Einkaufsmarkt fest, nachdem ihr Handy geortet worden war, wie die Polizeidirektion West in Brandenburg heute mitteilte. Das vier Monate alte Baby war unversehrt und wurde in einem Krankenhaus versorgt.

Das Potsdamer Jugendamt stehe mit der Mutter und der Polizei in Verbindung, teilte die Stadtverwaltung Potsdam mit. Die 35-Jährige sollte ihr Baby noch heute wieder in die Arme schließen.

Warum die 19-Jährige mit dem Kind flüchtete, ist bislang unklar. Dazu wird laut Polizei ermittelt. Nach dpa-Informationen sollte die Tatverdächtige noch am Freitag für weitere Vernehmungen von Hannover nach Potsdam gebracht werden. Nach Polizeiangaben prüft die Staatsanwaltschaft, ob Haftbefehl beantragt wird.

Die 35-Jährige war nach Darstellung der Ermittler am Donnerstagnachmittag mit ihren beiden Söhnen und dem Baby in einer Potsdamer Hochhaussiedlung zum Einkaufen in einem Markt. Dort habe die 19-Jährige die Mutter angesprochen und angeboten, ihr beim Tragen der Einkäufe zu helfen, berichtete die Polizei.

Vor der Wohnung der Mutter bot sie außerdem an, mit dem Baby im Kinderwagen noch spazieren zu gehen, während die 35-Jährige die Einkäufe in die Wohnung tragen und den beiden Söhnen Essen machen könnte. Die Mutter willigte ein. Warum sie auf das Angebot einging, blieb offen.

Etwa 20 Minuten später stellte die Mutter fest, dass die beiden verschwunden waren und suchte den Angaben zufolge etwa eine Stunde lang vergeblich nach ihnen. Dann alarmierte die Mutter die Polizei, die sofort eine groß angelegte Suche mit Rettungshunden, einem Hubschrauber und Bereitschaftspolizisten startete. Nach Hinweisen auf die Handynummer der 19-Jährigen und erfolgreicher Ortung konnten die junge Frau und das Kind schließlich am Donnerstag gegen 20.20 Uhr in einem Hannoveraner Einkaufsmarkt ausfindig gemacht werden. Das Kind verbrachte die Nacht im Krankenhaus.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei der Täterin um eine Heranwachsende ohne festen Wohnsitz. „Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich die 19-Jährige mal hier und mal dort aufgehalten.”

Ähnliche Fälle kamen schon in der Vergangenheit vor. So wurde beispielsweise im Sommer 2015 in Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) eine Frau zu mehr als zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie ein Baby aus der Entbindungsstation eines Stuttgarter Krankenhauses entführt hatte. 2013 erhielt in Koblenz ein Paar jeweils viereinhalb Jahre Haft, weil die beiden ein wenige Wochen altes Kind im Sommer 2012 in Tschechien vor den Augen der Mutter aus einem Kinderwagen geholt und mehrere Tage in ihrer Gewalt hatten.

(Von Klaus Peters und Anna Ringle, dpa)

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Welche Zahl folgt auf die 4?: 

Weitere Artikel aus Panorama

Uruguayische Arbeiter bergen 2006 den Heckadler des 1939 im Río de la Plata gesunkenen Panzerschiffes „Admiral Graf Spee“.
Montevideo
|
Kriegsdevotionalien

Hitlers schwieriges Erbe

Touristen versammelten sich gestern vor dem Palace of Westminster in London während des vorerst letzten Glockenschlags des Big Ben.
London
|
Londoner Big Ben läutet zum letzten Mal vor vierjähriger Pause

Das letzte Stündlein hat geschlagen

Weitere Artikel aus Panorama

Laut Polizei wurde die Frauenleiche von Tauchern geborgen. Symbolbild: Maurizio Gambarini/Archiv
Kopenhagen
|
Mitteilung der Polizei

Frauenleiche bei Kopenhagen geborgen

Rubrikenübersicht