19.06.2017 13:36 | dpa

Breite Mehrheit für Maßnahmen gegen Fake News

Düsseldorf Gezielte Falschnachrichten sollten schneller aus dem Netz verschwinden, fordert eine große Mehrheit der Internetnutzer in Deutschland.

Gezielte Falschnachrichten sollten schneller aus dem Netz verschwinden, fordert eine breite Mehrheit der Internetnutzer in Deutschland. Foto: Franziska Gabbert/Illustration
Gezielte Falschnachrichten sollten schneller aus dem Netz verschwinden, fordert eine breite Mehrheit der Internetnutzer in Deutschland. Foto: Franziska Gabbert/Illustration

Eine breite Mehrheit der Menschen in Deutschland befürwortet neue Gesetze gegen gezielte Falschnachrichten, sogenannte Fake News.

80 Prozent sind der Ansicht, dass solche Gesetze notwendig seien, um Facebook und andere Social-Media-Plattformen zum schnelleren Löschen von Falschnachrichten zu zwingen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen hervor, für die das Forsa-Institut mehr als 1000 Onlinenutzer bundesweit befragt hat.

86 Prozent wünschen sich die Möglichkeit, selbst Fake News als solche kennzeichnen zu können. Nur eine Minderheit von 8 Prozent vertritt die Auffassung, dass Falschnachrichten zur Meinungsfreiheit gehören. In Ostdeutschland liegt der Anteil bei 17 Prozent und damit deutlich höher. Dagegen hält eine klare Mehrheit von 61 Prozent gezielte Falschnachrichten sogar für demokratiegefährdend. Die Studie sollte am Montag in Köln vorgestellt werden. Die Ergebnisse lagen der Deutschen Presse-Agentur vorab vor.

77 Prozent der Jüngeren (14 bis 24 Jahre) gaben an, im Netz schon auf Fake News gestoßen zu sein. Von den 60-Jährigen und Älteren waren es nur 46 Prozent. Insgesamt ist bereits eine Mehrheit der Internetnutzer in Deutschland (59 Prozent) mit Fake News im Netz in Berührung gekommen.

Die Bundesregierung plant derzeit schärfere rechtliche Möglichkeiten, gegen Lüge und Hass im Netz vorgehen zu können. Über den Entwurf des sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes wird intensiv diskutiert. Kritiker befürchten, dass mit Hilfe des Gesetzes in Deutschland Zensur Einzug halten könnte und Nachrichten zu Unrecht als falsch eingestuft werden könnten.

(dpa)

Kommentare

  • Gesetz gegen Hass ist auch skeptisch zu sehen
    geschrieben von Seckberry (427 Beiträge) am 19.06.2017 14:02

    Einerseits scheint es dringend erforderlich zu sein, gegen Hassbeiträge im Internet und die Verfolgungung von Straftaten im Darknet gesetzlich scharf vorzugehen.

    Gezielte Falschnachrichten als solche schnell und eindeutig zu erkennen und wie im Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vorgesehen, innerhalb von 24 Stunden zu entscheiden, ob es sich um offensichtlich rechtswidrige Inhalte handelt, erscheint andererseits als nicht leistbar.

    Z.B.: Der Ex-FBI-Chef Comey behauptet, US-Präsident Trump lüge in der Russland-Affäre. Dagegen beteuert Trump, Comey lüge wie gedruckt.

    Welche von beiden ist nun die Fake-Nachricht, die ganz kurzfristig gelöscht werden soll?

    Kritiker befürchten daher meines Erachtens in gewisser Weise zu Recht, dass mit Hilfe des schnell durchgepeitschten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes in Deutschland Zensur Einzug halten könnte und Nachrichten zu Unrecht als falsch eingestuft werden könnten.



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