10.08.2017 03:30 | Martin Schwickert

Roadmovie „Helle Nächte“ führt von Berlin ins hohe Norwegen: Vater und Sohn zugleich in der Krise

Filmemacher Thomas Arslan schickt zwei Generationen auf eine Reise, deren innere Ziele im Unbekannten liegen. Mit Georg Friedrich und Tristan Göbel.

Michael (Georg Friedrich, rechts) und sein Sohn Luis (Tristan Göbel) sind in Norwegen angekommen.
Michael (Georg Friedrich, rechts) und sein Sohn Luis (Tristan Göbel) sind in Norwegen angekommen.

Der Berliner Filmemacher Thomas Arslan hat sich in seinen Werken stets am Genrekino orientiert, um dessen Gesetze gezielt zu unterlaufen. Nach dem Gangsterfilm („Dealer“), dem Film Noir („Im Schatten“) und dem Western („Gold“) nimmt sich Arslan nun in „Helle Nächte“ die Gattung des Roadmovies vor. Dieses Genre bringt das stillstehende Leben seiner Figuren mit mehr oder weniger abenteuerlichen Reisebewegungen durcheinander und schiebt neue Entwicklungen und Beziehungen an. Mit diesen herkömmlichen Erzählweisen spielt „Helle Nächte“ natürlich, wenn der Bauingenieur Michael (Georg Friedrich) von Berlin in den Norden Norwegens reist, um seinen Vater zu beerdigen. Der alte Mann verbrachte dort seine letzten Lebensjahre in Einsamkeit und hatte zum Sohn kaum Kontakt. Auch Michael hat sich um seinen eigenen Sohn nach der Trennung von dessen Mutter wenig gekümmert und versucht nun – mit dem Tod des Vaters die eigene Sterblichkeit vor Augen – seine väterlichen Versäumnisse wiedergutzumachen, indem er den pubertierenden Sohnemann mit auf die Reise nimmt.

Aber Luis (Tristan Göbel) hat keinen Bock auf Versöhnung und lässt sich nach der Beisetzung nur widerwillig auf einen Camping-Trip mit dem Vater ein. Der Junge ist 14. Ein Alter, in dem Kinder lange genug Erwachsene beobachtet haben, um sie zu durchschauen, und so lässt Luis die unbeholfenen Annäherungsversuche des Vaters konsequent ins Leere laufen. Genau so wie sich Arslan den Erwartungen des Publikums entzieht. Die Verneinung konventioneller Erzählmuster und die Strategie der Versprödung ziehen sich durch Arslans gesamtes Werk. Und so wird auch dieses Roadmovie mit langen ungeschnittenen Autofahrten durch die nebelumwehten Landschaften Norwegens gezielt zerdehnt, um in der Bewegung die Stagnation der Beziehung mit einzufangen.

Solche erzählerischen Versuche lässt man sich gerne gefallen, wenn ein Film darüber hinaus etwas zu sagen hat. Aber in „Helle Nächte“ ist einfach zu wenig dran an den Figuren, und so langweilen sie zunehmend mit dem Klischeekonflikt zwischen verantwortungsscheuem Midlife-Crisis-Vater und in-sich-hinein-revoltierendem Teenager. Die graue Landschaft Nordnorwegens ist eine allzu offensichtliche Visualisierung der zwischenmenschlichen Verödung, und die gezielte Enttäuschung familiärer Happy-End-Sehnsüchte verpufft, weil sich keine Gefühlsnähe zu den Figuren einstellt. Schwach

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