10.08.2017 03:30 | Martin Schwickert

Verfilmung von Stephen Kings Romanreihe „Der dunkle Turm“: Die Mittelwelt braucht einen Beschützer

Idris Elba spielt jenen Revolvermann, der die Menschheit vor einem Finsterling bewahren soll, wie Matthew McConaughy ihn verkörpert.

Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba, links) macht sich mit Jake Chambers (Tom Tayler) auf, um das Weltall vor der Zerstörung zu bewahren.
Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba, links) macht sich mit Jake Chambers (Tom Tayler) auf, um das Weltall vor der Zerstörung zu bewahren.

„Der dunkle Turm“ gilt als Stephen Kings großes Meisterwerk. Acht Bände umfasst es. Der erste Roman erschien 1982, der letzte 2012. Das Fantasy-Epos, in dem sich King nach eigenem Bekunden sowohl vor J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“ als auch vor Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ verneigt, war schon oft für eine Verfilmung im Gespräch. Aber die Pläne scheiterten immer wieder an Personal- und Finanzierungsproblemen Hollywoods.

Verknappt auf 95 Minuten

Nun hat der dänische Regisseur Nikolaj Arcel („A Royal Affair“) die Vorlage auf überraschend bescheidene 95 Minuten minimiert. Äußerst unepisch ist hier jedoch nicht nur das Zeitformat, sondern auch die inhaltliche und ästhetische Gestaltung ausgefallen. Wie jedes zweitbeste Fantasy-Abenteuer startet auch „Der dunkle Turm“ mit einem jungen Heranwachsenden, der über eine besondere Gabe verfügt und zum Auserwählten wird. Nacht für Nacht wacht Jake (Tom Taylor) aus seinen Albträumen auf, in denen Kinder auf einen Zahnarztstuhl gefesselt und ihre Lebensenergien mit einer monströsen Maschinerie als heller Strahl in den Himmel gelenkt werden, um jenen dunklen Turm zu zerstören, der das Universum vor den finsteren Mächten beschützt.

Düstere Zeichnungen

Die dicke Mappe mit düsteren Zeichnungen, die der 14-Jährige mit sich herumträgt, ist für Mutter, Stiefvater und Therapeuten Ausdruck einer psychischen Störung, die durch den Tod des geliebten Vaters ausgelöst wurde. Aber Jake ist sich sicher, dass seine Träume Realität sind, und findet in einem verlassenen Haus das Portal in jene sogenannte Mittelwelt, die er in seinen Visionen besucht hat. Dort kämpft Roland (Idris Elba) als „Revolvermann“ und Letzter seiner Art gegen den Finsterling Walter (Matthew McConaughy), der den dunklen Turm zum Einsturz bringen will. Walter ist ein mächtiger Zauberer, der seinen Opfern Befehle wie „Brenne“, „Hör’ auf zu atmen“ oder „Bringt euch gegenseitig um“ einhaucht und mit bloßen Händen Pistolenkugeln einfangen kann. In Jake, der über ein besonderes „Shining“ verfügt, sieht er seine Wunderwaffe, deren Geist den Turm endlich zum Einsturz bringen könnte. Aber Jake ist ein starker Junge, Roland ein beherzter Revolverheld – und die Drehbuchautoren von einer irritierend geradlinigen Einfallslosigkeit, welche die Reifung des minderjährigen Helden, die väterliche Bindung zu seinem Beschützer und den verdienten Tod des Bösewichtes völlig überraschungsfrei heruntererzählen. „Und das war alles?“, denkt man sich im Kinosessel, wenn nach eineinhalb Stunden der Abspann über die Leinwand rollt, und kramt vergeblich im Gedächtnis nach irgendwelchen hintergründigen Handlungsteilen oder Aussagen, die man vielleicht verpasst haben könnte. Zum ultradünnen Erzählstoff gesellt sich eine äußerst einfallslose visuelle Gestaltung, die abgenutzte Fantasy- und Westernmotive zitiert, aber nichts damit anzufangen weiß.

Billiger Look

Auch in technischer Hinsicht erreicht diese Studioproduktion mit ihrem billigen Look alles andere als den neuesten Stand. Einzig der stets verlässlich charismatische Idris Elba („Luther“) ragt aus der Mittelmäßigkeit heraus. Als überteuertes B-Movie oder Pilotfilm zu einer Fernsehserie, deren Fortführung keinen interessiert, mag „Der dunkle Turm“ vielleicht noch durchgehen. Aber als Kinoepos oder gar als Auftakt zu einer neuen Fantasy-Kinoreihe wurde diese Stephen-King-Verfilmung gründlich in den Sand gesetzt. Schwach

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinestar, E-Kinos (D+E), Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis (D+E).
Mainz: Cinestar

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