10.10.2017 03:30 | Frank Weiner

Geschichtenerzähler: Warum Malerfürst Dimitri Vojnov früher seine Jeans vermietete

Kelkheim Auf der Frankfurter Buchmesse war er selbst noch nie. Jetzt ist Autor Paul Pfeffer mit einem eigenen Buch dort vertreten. Künstlerfreund Dimitri Vojnov lieferte die Vorlagen – und die Illustrationen gleich mit.

Künstler mit Hang zum Extravaganten: Dimitri Vojnov ist der Mann mit dem Brot-Hut auf dem Kopf. Paul Pfeffer hat mit ihm ein neues Buch publiziert.
Künstler mit Hang zum Extravaganten: Dimitri Vojnov ist der Mann mit dem Brot-Hut auf dem Kopf. Paul Pfeffer hat mit ihm ein neues Buch publiziert. Bild: Hans Nietner

Dimitri Vojnov stammt aus einer Kleinstadt in Bulgarien. Es dauerte nicht lange, da studierte der Maler an der Akademie der Schönen Künste in der Hauptstadt Sofia. Doch die Heimat vergaß er nie. Er kehrte in den Sommerferien zur Familie zurück. Einmal mit einer Levi’s Jeans, die er gegen eines seiner Bilder getauscht hatte und so richtig zwischen Vojnovs Uniform-Klamotten in Schwarz und Weiß herausstach.

Zu Hause, wo es solche Markenkleidung nicht gab, wurde die Hose zur Attraktion. Die Mutter bügelte das gute Stück, nähte zwei Knöpfe an – und machte ein Geschäftsmodell daraus: Gegen eine kleine Gebühr wurde die Levi’s an Freunde und Bekannte „vermietet“. Als Vojnov wieder nach Sofia ging, sagte die Mama: „Nächsten Sommer bring zwei Levi’s mit! Die Warteliste habe ich schon . . .“

Vojnovs Hosen-Anekdote – es ist eine von 37 „wahren Geschichten aus meinem komischen Leben“. Sie erzählt der bekannte Maler vom Zauberberg in Ruppertshain in seinem dritten Buch „Die schöne Bäckerin aus dem Taunus“, das der Kelkheimer Autor, Musiker und Lehrer im Ruhestand, Paul Pfeffer, mit ihm gemeinsam gemacht hat und jetzt bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert wird.

Malen statt schreiben

„Ich bin kein Schriftsteller. Ich bin ein Geschichtenerzähler, ich male Geschichte. Und ab und zu schreibe ich sie auf. Aber meine Sprache hat mit Goethe und Schiller nicht viel zu tun“, sagt der 71-Jährige, der seit 31 Jahren in Deutschland ist.

Das weiß auch Pfeffer, der kulturell mit Vojnov schon länger verbunden ist. Und da der Maler zwar gut erzählen, aber eben weniger gut schreiben kann, nahm er sich dessen handschriftliche Erzählungen mit seinem Verlag Edition Pauer an. „Er hatte noch ein paar auf Lager“, so Pfeffer über ein Projekt, das nach der ersten Idee vor einem Jahr ein Selbstläufer wurde. Die Illustrationen liefert Vojnov gleich mit.

So wie jene von der Titelheldin, der schönen Bäckerin aus dem Taunus. Hier in Ruppertshain will er sie getroffen haben. Eine Begegnung mit Folgen – denn seitdem habe er jeden Sonntagmorgen seine frischen Brötchen. Wie es genau dazu kam, „ich werde es keinem weitererzählen“, schreibt Vojnov.

Wer es wissen möchte, liest einfach die letzte der 37 Geschichten, von denen einige laut Pfeffer „krypto-erotisch“ angehaucht sind. Er nutzt die schöne Bäckerin als Zugpferd für ein Pionierprojekt: Seinen Verlag gibt es zweieinhalb Jahre. Auf der Buchmesse war er noch nie.

Doch nun wagt er es mit seinem kleinen Unternehmen, das ihn als Chef und Grafikerin Christina Eretier als Kooperationspartnerin hat. Da sich ein eigener großer Stand kaum rechnen würde, teilt sich Pfeffer die vier Meter Präsentationsfläche in Halle 4/1 mit dem Höll-Verlag in Modautal. Ebenfalls ein kleines Unternehmen mit regionalen Werken aus den Bereichen Lyrik, Prosa und Sachbuch.

Riesige Kontaktbörse

Jeder der Verlage steuert 1300 Euro an Miete für die fünf Messetage bei, mit dem Standort ist der Kelkheimer zufrieden. „Der Höll-Verlag ist schon lange am Markt, ich profitiere von seinen Erfahrungen“, sagt Pfeffer. Das möchte er auch mit seiner Präsenz bei der weltweit größten Buchmesse. „Das ist eine riesige Kontaktbörse.“ Vor allem mit Buchhändlern wolle und müsse er kooperieren, denn die Vertriebswege großer Unternehmen hat die Edition Pauer nicht. Zudem will Pfeffer regional verwurzelt bleiben, kaum über das Rhein-Main-Gebiet hinausgehen.

Sein bisher wichtigstes Projekt ist in der Möbelstadt bestens angekommen: „Kelkheim schreibt ein Buch“ hat sich bisher rund 1500 Mal verkauft, ist Pfeffer stolz auf die Geschichten von Kelkheimern für Kelkheimer.

Ein paar Exemplare hat er noch, die gibt es auf der Buchmesse ebenso wie die anderen gut ein Dutzend Werke. Paul Pfeffer geht die Messe aber, im Vergleich zu vielen anderen Verlagen, entspannt an. Die Edition Pauer trage sich, werfe keine großen Gewinne ab, schreibe aber auch keine roten Zahlen. Als Ruheständler mit anderen Standbeinen ist er nicht auf beste Geschäfte angewiesen. Er habe Germanistik studiert, war 40 Jahre Lehrer an der Altkönigschule in Kronberg – und hat mit dem Verlag nun einen Traum verwirklicht: „Ich wollte das schon immer machen.“ Als Rentner habe er die Zeit und Muße dazu. Und braucht nur gute Geschichtenerzähler wie Dimitri Vojnov, dann gibt es sicher viele weitere Projekte.

Hier gibt’s die Bäckerin

Das Buch „Die schöne Bäckerin aus dem Taunus“ mit 114 Seiten gibt es für 19,80 Euro. ISBN 978-3-9818405-3-7. Infos beim Verlag unter (0 61 95) 6 25 19 und p.pfeffer@dunkel.de .

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