14.09.2017 03:30 | Frank Weiner

Neue Bordsteine fallen durch: Viele Bürger kritisieren die umgerüsteten barrierefreien Bushaltestellen im Ort

Liederbach Sie stören das Straßenbild und sorgen für Schrammspuren an Autos: Die neuen barrierefreien Bushaltestellen gefallen nicht jedem und sorgen für Diskussionen.

Die Bordsteinkante an der frisch renovierten Bushaltestelle an der Wachenheimer Straße macht vielen Autofahrer zu schaffen, denn schrammen gern mal mit den Reifen daran.
Die Bordsteinkante an der frisch renovierten Bushaltestelle an der Wachenheimer Straße macht vielen Autofahrer zu schaffen, denn schrammen gern mal mit den Reifen daran. Bild: Knapp

Wer in den vergangenen Wochen politische Sitzungen besuchte, der wird mehr als einmal von einem „Stolperstein“ in der Gemeinde erfahren haben. Auch Bürgermeisterin Eva Söllner kann ein Lied davon singen, denn so mancher Bürger hat ihr sein Leid geklagt. Es geht um die neuen, barrierefreien Bushaltestellen, die an sieben Punkten umgerüstet wurden.

Vor allem die Stationen an der Eichkopfallee an Kinderkrippe und Ärztehaus sowie an der Gartenstraße seien ein Thema gewesen, berichtet die Rathauschefin. Sie betont erst einmal: Die Haltestellen seien „nicht schön, fürs Straßenbild kein Gewinn“. Viele Bürger hätten durch die 22 Zentimeter hohen Bordsteine, damit beeinträchtige Personen auf einer Ebene in den Bus einsteigen können, das Empfinden, die Straße sei schmaler. Das sei aber nicht der Fall.

Knackpunkt Nummer zwei: Durch die hohen Bordsteine sei die Ausfahrsituation „schwieriger geworden“, räumt Eva Söllner ein. So manche Schrammspur der Reifen zeugt an der Eichkopfallee von unliebsamen Begegnungen der Autofahrer. „Das wird reklamiert, wie ich finde zurecht“, sagt die Bürgermeisterin.

Doch Möglichkeiten hat die Gemeinde hier nicht. Denn die Haltestellen seien exakt nach den Vorgaben umgebaut worden. „Das ist alles einem ordentlichen Regelwerk geschuldet. Wir sind daran gehalten, um die volle Fördersumme zu erhalten.“ Denn nur dank der Fördergelder kann die Gemeinde das Projekt stemmen. Laut Personenförderungsgesetz sind die Kommunen verpflichtet, alle Bushaltestellen bis 2022 barrierefrei umzurüsten – mit erhöhten Bordsteinen und taktilen Elementen für Blinde.

30 Stationen

In Liederbach sind es 30 Stationen, wobei 6 schon teilweise die Bedingungen erfüllen (an der umgestalteten Höchster Straße) und erst im Sanierungsfall nachgerüstet werden müssten. Die Umgestaltung der 24 anderen Standorte schlägt aber mit mindestens 2,1 Millionen Euro zu Buche. In diesem Jahr haben sich allerdings bereits die Kosten für die ersten 7 Haltestellen von 256 000 auf 521 000 Euro mehr als verdoppelt. „Der Trichter bis 2022 wird immer eng. Es gibt nur wenige Firmen, die das machen und die hohe Preise aufrufen“, weiß Söllner. Das Vorhaben aber zu verschieben, wie politisch schon gefordert, das kommt für sie nicht in Frage – weil dann die Zuschüsse gefährdet und die Kosten bei mehr Konkurrenz womöglich noch höher seien.

So bleibt der Gemeinde nichts anderes übrig, als sich mit den Haltepunkten zu arrangieren – auch an der Gartenstraße in der Heidesiedlung. Hier muss der Bus nun auf der Straße halten.

Nicht glücklich damit

Zudem nutzen Lieferanten-Fahrzeuge die Haltestelle zum Ausladen – und blockieren damit ebenso die Straße. Die Bürgermeisterin räumt tatsächlich „eine Verschlechterung der Verkehrssituation“ an manchen Stellen ein. „Wir sind nicht glücklich damit.“ Aber sie sieht auch positive Aspekte: Natürlich wird dadurch der Öffentliche Personennahverkehr aufgewertet, ein Umstieg in die Busse ist barrierefrei möglich.

Zudem sei es eine gewisse Form der Verkehrsberuhigung. Gerade an der Eichkopfallee: Dort wurden die alten Bushaltestellen gerne mal als Ausweichbucht für den Gegenverkehr genutzt. Das ist jetzt nicht mehr drin.

(wein)

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