12.08.2017 03:30 |

Autor Leif Tewes im Interview: Undercover-Recherche bei der AfD: "Der Partei-Kern besteht aus Scharfmachern"

Hofheim Leif Tewes ist ein Pseudonym. Der Krimi-Autor aus Hofheim hat für seinen neuen Roman auch in AfD-Kreisen recherchiert. Mit Leif Tewes sprach Dirk Müller-Kästner.

Der Autor Leif Tewes (rechts) im Gespräch mit Dirk Müller-Kästner.
Der Autor Leif Tewes (rechts) im Gespräch mit Dirk Müller-Kästner. Bild: Knapp

Nachdem Sie sich der AfD gegenüber geoutet haben: Haben Sie keine Angst vor Repressalien?

LEIF TEWES: Das fragen viele Leute, auch meine Frau. Aber nein, bislang mache ich mir keine Gedanken. Ich hoffe aber, dass meine Tarnung hält.

Sie haben also nicht verraten, wer Sie wirklich sind?

TEWES: Ich habe nur dem Kreisvorsitzenden gesagt, dass ich nur für meine Buchrecherche in die Partei eingetreten bin. Ich fand das richtig, da er mich sozusagen eingestellt hat. Meinen richtigen Namen habe ich ihm nicht verraten.

Was heißt, er hat Sie eingestellt?

TEWES: Wer in die AfD eintritt, muss mit dem Kreisvorsitzenden eine Art Einstellungsgespräch führen. Dieser gibt dann eine Empfehlung ab.

Und wie viele werden dann aussortiert?

TEWES: So etwa zehn Prozent dürfen kein Parteimitglied werden.

Wie hat Ihr Kreisvorsitzender reagiert, als Sie sich ihm gegenüber geoutet haben?

TEWES: Er gab sich zunächst geschockt. Wir haben uns dann aber noch etwa eine Stunde unterhalten, wobei er aber auf keine politischen Argumente eingegangen ist.

Welchen Eindruck haben Sie insgesamt von der Arbeit in der AfD?

TEWES: Beim Bundes- und bei den Landesparteitagen gab es mehrere Strömungen. Die Partei ist im Kern zerstritten. Da gibt es Menschen, die arbeiten ernsthaft an Alternativen, da sind aber auch viele rechte Scharfmacher, die laut nationalistische Töne anschlagen.

Und welche Seite ist da stärker?

TEWES: Der Kern besteht aus den Scharfmachern. Werden beim Parteitag nationalistische Töne angestimmt, ist der Applaus am größten. Werden dagegen ernste und komplizierte Anträge zu Themen wie die Rente angesprochen, dann fliegt der Komplex rasch von der Tagesordnung.

Wie haben Sie es geschafft, nach nicht mal einem Jahr Parteimitgliedschaft als Delegierter zu den Parteitagen zu kommen?

TEWES: Ich war dort nur als Gast. Aber wie ich es geschafft habe unerkannt reinzukommen, kann ich nicht verraten. Nur so viel: Nachdem beim Landesparteitag in Hofheim zwei Personen in den Saal gekommen waren, die dort unerwünscht waren, sind die Kontrollen noch mal verschärft worden.

Geben in der AfD mehr junge oder mehr ältere Menschen den Ton an?

TEWES: Die meisten Mitglieder sind gut situierte ältere Männer; frühere Beamte, Piloten, Anwälte, die in der Gesellschaft gut integriert und vernetzt sind. Sie sitzen oder saßen an interessanten Stellen. Ich habe zum Beispiel eine Sozialamtsleiterin und einen ehemaligen Vorsitzenden eines Gewerbevereins kennengelernt.

Und junge Menschen haben in der AfD nichts zu sagen?

TEWES: Wenn junge Menschen dabei sind, dann gehören sie zu den Scharfmachern. Ich war entsetzt, wenn ich sie reden hörte. Bei den Parteitagen sind immer sie es, die Anträge verschärfen. Ich habe das gruseln bekommen, wenn sie redeten.

Welche Themen sind es konkret, mit denen sich die AfD-Scharfmacher befassen?

TEWES: Ich hatte mich für den Landesfacharbeitskreis Islam und Familie gemeldet. Da steckte Energie drin. Da wurde deutlich, worum es dem Kern der Partei geht.

Welche Bilanz ziehen Sie nach mehr als einjähriger Mitgliedschaft bei der AfD?

TEWES: Die Alternative ist keine Alternative. Erstens sind ihre Strategien rückwärtsgewandt. Zweitens propagiert sie „Wir sind das Volk“, intern gibt es aber Kungelei und Postengeschacher. Da schielt jeder auf seine eigene Karriere. Drittens habe ich meine Probleme damit, wenn sich Alternativlose als die Alternative hinstellen.

Kommentare

  • Nur so viel:
    geschrieben von Hellenkamp (13 Beiträge) am 13.08.2017 08:45

    "Nachdem beim Landesparteitag in Hofheim zwei Personen in den Saal gekommen waren, die dort unerwünscht waren, sind die Kontrollen noch mal verschärft worden."

    Bei dem Landesparteitag in Hofheim hatten zwei Parteimitglieder abgestimmt, die keinen deutschen Pass hatten. Das hätte zur Ungültigkeit der Wahlen und zum Ausschluss der AfD bei der Bundestagswahl in Hessen führen können. Es ging also nicht darum, unerwünschte Personen fern zu halten sondern darum, eine ordnungsgemäße Wahl abzuhalten.

    Die beiden "unerwünschten Personen können übrigens weiterhin an allen Landesparteitagen teilnehmen, allerdings nur als Gäste und ohne Stimmrecht.

    Von Herrn Müller-Kästner wäre zu erwarten gewesen, zumindest diese Aussage von Herrn Tewes zu hinterfragen.

  • Kein konstruktiver kritischer Artikel!
    geschrieben von chris_mtk (1 Beiträge) am 12.08.2017 23:03

    Die AFD wird die einzige echte Oppositionspartei sein. Und deshalb musß diese gewählt werden. Auch wenn die linke Presse sie zur Zeit kaputt schreiben möchte oder wie der örR fast gar nicht von ihr mehr berichtet.
    Machtkämpfe, wie sie Herr Tewes als "im Kern zerstritten" beschreibt sind per se nichts Schlimmes. Es geht um unterschiedliche Strategien der Ausrichtung dieser Partei. Eher bürgerlich-liberal oder streng rechts-konservativ, wobei es auch durchaus fließende Übergänge gibt.

  • Außerdem...
    geschrieben von EiGude (39 Beiträge) am 12.08.2017 16:29

    ....sollte die NNP jetzt mal einen der führenden Köpfe der AfD Hessen zum Gespräch einladen, um beide Seiten anzuhören. Ein seriöser Journalismus gebietet es doch, allen Seiten Gehör zu verschaffen!

  • Kaum stehen die..-
    geschrieben von EiGude (39 Beiträge) am 12.08.2017 16:27

    ...Bundestagswahlen vor der Tür, nimmt die negative "Berichterstattung" über die AfD wieder zu. Da muss auch schon mal ein Schriftsteller herhalten. Warum sollte Herr Tewes denn auch Angst vor Repressalien haben? Der Interviewer tut ja grad so, als ob es sich bei der AfD um eine Sekte handelt.
    Aber interessant, wer sich alles in der AfD tummelt: So viele gescheiterte Existenzen, ohne Bildung, und im Leben nichts auf die Reihe gebracht. Zitat des Herrn Tewes:
    "Die meisten Mitglieder sind gut situierte ältere Männer; frühere Beamte, Piloten, Anwälte, die in der Gesellschaft gut integriert und vernetzt sind. Sie sitzen oder saßen an interessanten Stellen. Ich habe zum Beispiel eine Sozialamtsleiterin und einen ehemaligen Vorsitzenden eines Gewerbevereins kennengelernt."
    Ups, da fällt mir doch grad auf, das es sich um intelligente Leute handelt, die beruflich schon recht erfolgreich sind/waren. Wie passt das in das Bild, das in den Medien gerne über die AfD verbreitet wird?

  • Welche Alternative haben wir den Herr Tewes?
    geschrieben von Brazzo (2 Beiträge) am 12.08.2017 08:52

    Glauben Sie wirklich in den etablierten Parteien ist das anders? Da geht es auch nur um Posten und Machtansprüche. Um die Kernsache geht es da auch nicht. Alles nur blödes und politisches Gesabbel was keinem hilft. Was ist denn bis jetzt passiert, seit der Flüchtlingskrise 2015. Nix. Wo sind denn die ganzen Facharbeiter, Studierten und Gelehrte aus dem Morgenland. Ich kann's Ihnen sagen. Kommen Sie mal abends wenn es dunkel wird zum Hbf nach Frankfurt, München oder Hamburg. Da laufen se rum, die Schwarzköppe . Lesen sie doch einfach mal diese Zeitung und sehen sich die Berichte an, was hier allein nur im MTK so alles abläuft. Da wird Ihnen schwarz vor Augen. Seid ihr denn eigentlich alle blind oder was? Ich sage Ihnen jetzt was: Solange die etablierten Parteien wie CDU, SPD, FDP das nicht in den Griff bekommen, wähle ich AFD. Ich bin kein rechter Schläger, Nazi oder sonst was. Ich bin ein Familienvater der seine Kinder in einer ordentlichen und sauberen Umwelt aufwachsen sehen will.MFG



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