17.06.2017 03:30 | Frank Weiner

Besonderes Training der Feuerwehr: Übung für intime Einsätze

Münster Die Feuerwehr muss nicht nur Brände löschen oder bei Autounfällen technische Hilfe leisten. Die Brandschützer werden auch gerufen, wenn ein Finger feststeckt oder Schmuckstücke von ganz intimen Stellen entfernt werden müssen. Die Münsterer Wehr ist nur auf solche, nicht ganz alltägliche Spezialeinsätze vorbereitet.

So ein Fall könnte aktuell bitterer ernst werden: Die Feuerwehrleute schneiden einen Fidget Spinner auf, der momentan bei den Jugendlichen angesagt ist, und der an einem Finger festsitzt. Bilder >
So ein Fall könnte aktuell bitterer ernst werden: Die Feuerwehrleute schneiden einen Fidget Spinner auf, der momentan bei den Jugendlichen angesagt ist, und der an einem Finger festsitzt.

Es ist gut drei Jahre her, da hat sich in Ruppertshain ein Kind beim Spielen zwischen einer Mauer und einem Laternenpfahl mit dem Knie eingeklemmt. Der Junge hing fest. Anwohner eilten herbei, konnten die vertrackte Lage aber auch nicht lösen. Erst die Feuerwehr befreite den Bub aus seiner Falle. Einen anderen Fall gab es mal in einem Altenwohnheim in Kelkheim, als ein Bewohner in seinem Fernsehstuhl eingeklemmt war und daraus befreit werden musste.

Das sind zwei besonders vertrackte Einsätze in Kelkheim gewesen. Bundesweit gibt es noch weit mehr solcher und anderer kurioser Fälle, wie der Münsterer Oberlöschmeister Sascha Hahn weiß. Einige Beispiele aus seiner „Sammlung“ gefällig? In Osnabrück mussten innerhalb von 24 Stunden zwei Männer von ihrem Intimschmuck befreit werden. Die Feuerwehr rückte an, um Ringe am Geschlechtsteil zu entfernen. Sie schrieb dann von einem „sehr intensiven Einsatz“ und in einem „sensiblen Einsatzbereich“.

Bolzenschneider

In Germering musste die Feuerwehr mal kommen, weil ein Mann in einen Altkleidercontainer gefallen war und aufgrund der Diebstahlsicherung nicht mehr heraus kam. Mit dem Bolzenschneider und der Flex wurde der Behälter geöffnet. In einem Ort bei Freiburg steckte eine Drittklässlerin mit dem Gesäß in ihrem Stuhl im Klassenzimmer fest. Hier musste die Wehr ein spezielles Werkzeug ansetzen, um den Stuhl auseinander zu bauen. Und schließlich blieb mal ein Norweger mit seinen Hoden beim Duschen in einem Hocker stecken, der Löcher hat. Er konnte sich nach einiger Zeit aber noch selbst befreien.

Weil er von solchen skurrilen Sachen über die Medien erfahren hat, dachte sich Feuerwehrmann Hahn: Warum sollten die Münsterer verrückte Einsätze nicht mal zum Thema eines Übungsabends machen? Gesagt, getan: 25 Kameraden kamen nun in den Genuss einer Trainingsstunde der etwas anderen Art. Dabei baute der ehemalige Jugendwart und heutige Gruppenführer ganz aktuelle Dinge ein. So zum Beispiel wurde an einer Puppe simuliert, wie ein sich Kind mit dem Finger im gerade angesagten Spielgerät „Fidget Spinner“ verhakt und nicht mehr rauskommt. Dann rückt die Wehr schon mal mit der Säge oder Flex an. Gleiches gilt für die Befreiung von Intimschmuck, wie in Osnabrück geschehen und in Münster mit einer Rindswurst und der Puppe geübt.

In Container eingeklemmt

Mit schweren Werkzeugen mussten die Kameraden in der Simulation anrücken, als eine „Person“ unter einem großen Container eingeklemmt war und eben wieder eine Puppe in einem Altkleiderbehälter feststeckte. Kein schöner Anblick war auch der Dummy, dessen Kopf zwischen Gitterstäben eingeklemmt war.

Doch die Kameraden haben die Aufgaben sehr gut, manchmal durchaus auch mit einem Schmunzeln im Gesicht gelöst, berichtet Hahn. Er weiß trotz aller Erfahrungen und vieler Schulungen: „Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute müssen teilweise selbst mal improvisieren, um die Situationen zu meistern.“ Doch wie die Berichte aus ganz Deutschland zeigten, seien solche Einsätze „nicht einmal unwahrscheinlich“. Hahn findet: „Wenn man so etwas Skurriles kann, dann kann man normale Einsätze auch meistern.“

Positive Bilanz der Übung

Die Feuerwehr Münster, die aktuell 50 Einsatzkräfte hat und sich an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat zum Übungsabend trifft, zieht sehr positive Schlüsse aus den ungewöhnlichen Übungen: Sascha Hahn weiß zum Beispiel nun, dass bei der Ausrüstung etwas Nachholbedarf besteht und zum Beispiel noch eine kleine Säge fehlt. Für die anderen Feuerwehren in Kelkheim und der Region könnte dies zudem eine Anregung sein, so etwas ebenfalls zu üben. Für Sascha Hahn Hahn ist das Thema nun erst einmal erledigt – in der Hoffnung, dass die Feuerwehr Menschen möglichst nie von „Fidget Spinners“ oder aus Containern befreien muss . . .

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