09.08.2017 03:00 | Frank Weiner

Vier Leerstände: „Tote Hose“ am Marktplatz in Liederbach

Zwei Lokale und der Supermarkt stehen leer, die Reinigung bald. Der Lebensmittelladen soll am 17. August immerhin mit einem neuen Konzept eröffnen.

Der Blick aus der Vogelperspektive deutet es schon an: Am Marktplatz ist es eigentlich rund um die Uhr sehr ruhig. Einige Geschäfte stehen leer, der Platz an sich ist kein Magnet.
Der Blick aus der Vogelperspektive deutet es schon an: Am Marktplatz ist es eigentlich rund um die Uhr sehr ruhig. Einige Geschäfte stehen leer, der Platz an sich ist kein Magnet. Bild: Knapp

„Über 400 Gäste – Marktplatz steht Kopf“: So titelte das Kreisblatt vor einem Jahr, als das Open-Air-Kino (siehe Info) in Liederbach ein großer Erfolg war. Die Bürger würden sicher gerne mehr positive Schlagzeilen wie diese von ihrem Marktplatz lesen, doch aktuell gibt die Fläche „Im Kohlruß“ mal wieder ein mehr als trostloses Bild ab.

Drei Leerstände sind es derzeit, ein vierter kommt bald hinzu: Die Betreiberin des Eiscafés hat nach nicht mal einem Jahr vor drei Monaten wieder geschlossen, auch das chinesische Restaurant ist schon einige Wochen dicht. Und die Reinigung kündigt per Aushang an, dass die Kleidung wegen Geschäftsaufgabe in den nächsten Tagen abgeholt werden sollte. Doch es gibt auch einen großen Lichtblick: Am Donnerstag, 17. August, soll der neue „Nahkauf“-Supermarkt in den Räumen des ehemaligen Rewe mit einem kleinen bunten Programm eröffnen. Mehr als 18 Monate war hier geschlossen, nun arbeiten die Handwerker mit Hochdruck an der neuen Ladeneinrichtung. Die Brüder Georgios und Petros Grigorakis führen den „Nahkauf“ und wollen bis zu 15 Mitarbeiter beschäftigen. „Wenn es so läuft, wie wir uns das vorstellen“, sagt Georgios Grigorakis. Aushilfskräfte werden aktuell noch gesucht. Erfahrung haben die beiden, seit gut zwei Jahren führen sie erfolgreich einen solchen kleinen Laden aus der Rewe-Gruppe in Neu-Isenburg. Grigorakis hat bei Rewe gelernt, ist seit 16 Jahren im Einzelhandel. Er habe zwar schon festgestellt, dass der Liederbacher Marktplatz sehr ruhig sei, doch er ist bei dem Projekt „positiv eingestellt“. Schließlich sei ein Supermarkt ein Magnet. Geöffnet wird von 7 bis 20 Uhr. Das Sortiment sei noch etwas breiter als bei kleineren „Nahkauf“-Läden. Eine Wursttheke gibt es zwar nicht, dafür Frischfleisch im Kühlregal. Zudem zieht die Bäckerei Schiesser von ihren Ladenlokal gegenüber dort ein.

„Frequenzbringer“

Katja Siefert von der Buchhandlung „Kolibri“ nebenan fiebert der Eröffnung schon entgegen. Ein Supermarkt sei schon ein „Frequenzbringer“, hofft sie. Nach der Schließung von Rewe seien die Liederbacher „schockiert“ gewesen. Siefert hat ihren Buchladen kurz danach übernommen, kann sich dank der vielen treuen Stammkunden weiterhin am ruhigen Marktplatz halten. Mit dem „Nahkauf“ in der Nachbarschaft werde sie wieder stärker wahrgenommen, glaubt sie. Internet-Käufer werde es in ihrer Branche immer geben – aber viele kommen auch, „weil sie wollen, dass der Laden erhalten bleibt“.

Das würde sich auch Familie Porco, die einen Haus-Service „Im Kohlruß“ betreibt, für das Eiscafé auf der anderen Marktplatz-Seite wünschen. Über ein Jahr stand das Lokal leer, dann war nicht mal zwölf Monate Betrieb. Nun geht die Suche nach einem Mieter erneut los. Es soll wieder etwas aus dem gastronomischen Bereich sein, berichtet die Familie, die das Lokal gang zu Beginn selbst betrieben hatte. Am Marktplatz gibt es sonst noch eine Pizzeria und ein Bistro. Aber tagsüber ist „tote Hose“, wie es ein Kunde der Bäckerei formuliert. Dort ist nach dem Rewe-Aus die Stammkundschaft geblieben. Der Mann, der gerade seinen Kaffee genießt, überlegt, ob nicht der Wochenmarkt wenigstens samstags für Leben sorgen könnte. Das könnte sich auch Familie Porco vorstellen. Ursula Herbert findet den Marktplatz als Anwohnerin „fast schon zu ruhig“ und setzt auf den „Nahkauf“-Laden: „Das ist so wichtig für uns alle“, sagt sie und schickt einen Appell an die Liederbacher hinterher: „Hoffentlich kaufen sie dann auch alle dort ein.“

(wein)

Kommentare

  • Wir können es einfach nicht...
    geschrieben von ThomasSchoeffel (86 Beiträge) am 14.08.2017 12:04

    Manchmal lohnt ein Blick ins Ausland. In Italien oder Frankreich würde schon einmal der gepflasterte Platz nicht so aussehen wie ein mittelschwerer Kasernenhof. Dann würden selbsverständlich Tische uns Stühle auch draußen stehen. Und zwar mit weißen Tischdecken und Kellner gäbe es in schicken Uniformen. Um alles drumherum schöne Pflanzen. Weiterhin könnte man auch direkt am Platz parken. Der Platz ist doch groß genug ! Aber selbst wenn das alles zuträfe, machen zwei Dinge das alles wieder kaputt: Die Meckerer, die sich über alles und jeden beschweren und zweitens unser supertolles Wetter. Ergebnis: Es bleibt für immer so. Stimmts´s ?



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