13.10.2017 03:30 | Barbara Schmidt

Literaturwissenschaftler Stefan Hauck: Ricola gegen den Buchmessen-Stress

Hofheim Buchmesse – das ist für viele Bücherfreunde ein Sehnsuchts-Ort. Für andere ist es schlicht ein Arbeitsplatz, wenn auch alles andere als ein gewöhnlicher. Gleich mehrere Hofheimer gehören dazu. Einer davon: Dr. Stefan Hauck. Als Chronist, Moderator, Laudator oder Referent ist er in diesen Tagen in vielen Rollen unterwegs.

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Buchmesse-Tage sind immer lang für Stefan Hauck. Schon morgens um 8 Uhr steigt er in dieser Woche am Hofheimer Bahnhof in die S-Bahn, um bereits auf dem Frankfurter Messegelände zu sein, bevor die Tore für die Besucher öffnen. Der promovierte Literaturwissenschaftler hat in Halle 3 sogar ein Büro. Denn die Redaktion des Börsenblatts, der er seit 20 Jahren angehört, berichtet direkt von der Buchmesse. Häufig anzutreffen ist der Hofheimer hier allerdings nicht. Der Terminkalender ist voll. Gleich um 9.30 Uhr muss Hauck im CongressCenter sein. Hier informiert er Studenten über den aktuellen Kinder- und Jugendbuchmarkt – ein Fachgebiet des 53-Jährigen. Um 12 Uhr wird der Kalender-Preis der Frankfurter Buchmesse verliehen. Stefan Hauck hat der Jury angehört und darf nun für zwei der sechs Auserwählten die Laudatio halten. Berichten muss er anschließend auf Börsenblatt.net auch darüber – gut, dass es in die Messe-Redaktion nicht weit ist. Wie viele Kilometer er zurücklegt in diesen Messetagen? „Keine Ahnung, ich habe keinen Schrittzähler“, sagt der Hofheimer lächelnd. Dafür hat er in den Sakko-Taschen immer ein bisschen Not-Proviant dabei, „einen Bounty-Riegel und drei Ricola“, verrät er.

Stift und Notizblock sind ebenfalls immer griffbereit, um über das aktuelle Messegeschehen berichten zu können. Am Nachmittag etwa über eine Podiumsdiskussion am Stand des Börsenvereins, wo es um Marketingstrategien der Verlage und die Resonanz der Buchhändler darauf geht. Eine halbe Stunde bleibt, um dazu in der Redaktion einen Text ins Netz zu stellen, denn schon wartet das nächste Event.

Noch eine Preisverleihung

In Halle 3.0 wird auf der sogenannten „Kids Stage“, einer kleinen Bühne, der Nachwuchs-Illustratorenpreis „Serafina“ überreicht. Auch hier war Stefan Hauck in der Jury und ist nun einer der beiden Laudatoren. Zuerst dürfen aber die Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Dr. Claudia Maria Pecher, die CSU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Verkehrsministerium, Dorothee Bär und der FAZ-Jugendbuch-Experte Tilman Sprekelsen auf die Bühne. Dann sind Hauck und Co-Laudatorin Birgit Fricke an der Reihe. Für sechs junge Illustratoren sind es wichtige, aufregende Momente.

So fundiert wie wertschätzend klingt, was die beiden Jury-Vertreter vor rund 100 Zuhörern sagen. Als Hauck dann den Namen der Siegerin verkündet und eine überglückliche Mirjam Zels auf die Bühne bittet, ist auch für ihn der Tag in den Messehallen fast geschafft. Angst vor der Bühne kenne er nicht, verrät der Hofheimer. Geholfen habe da sicher die langjährige Theaterarbeit mit der Katholischen Jungen Gemeinde. „Ich bin so froh, dass du das machst“, wird Börsenblatt-Redakteur später von Akademie-Chefin Pecher hören, die ihn dazu herzlich in den Arm nimmt. Dass man sich kennt in der Branche, das sei so, sagt Hauck. Wer einmal im Buchbetrieb arbeite, bleibe dabei, auch wenn er mal den Arbeitgeber wechsle. „Und gerade im Kinder- und Jugendbuchbereich ist das fast wie ein Wohnzimmer. So schlecht kann’s also nicht sein.“

Viele Begegnungen

Der Redakteur, der mit vielen Akteuren das Jahr über per Telefon oder E-Mail Kontakt hat, schätzt die Buchmesse auch als Gelegenheit zur direkten Begegnung. Haucks Antwort auf die Frage nach der größten Veränderung in den 30 Jahren, die er nun schon das Geschehen in den Frankfurter Messehallen miterlebt hat, überrascht dann doch ein wenig. „Dass es heute rauchfrei ist“, sagt er spontan. Früher habe er für jedem Messetag eine andere Kleidergarnitur gebraucht, sagt der Nichtraucher.

Ab und zu trifft er auf der Messe übrigens andere Hofheimer. Übersetzer Michael Kegler etwa, oder die Freie Lektorin Alexandra Rak oder Kritiker Frank Schweikart. Wer ihm am Abend, an dem noch ein Ausstellungsbesuch und einige Verlags-Partys warten, so über den Weg läuft, weiß er jetzt noch nicht. Nur so viel. Die S-Bahn gegen Mitternacht will er erwischen. „Denn morgen geht’s weiter.“

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