12.08.2017 03:30 |

Weltlinkshänder-Tag: Rechtshänderin macht den Alltagstest als Linkshänderin

Bad Soden Am Sonntag ist Weltlinkshänder-Tag. Wir wollen wissen, was es heißt, alles mit links zu erledigen. Wie fühlt es sich an, einen Tag Linkshänder zu sein? Kreisblatt-Reporterin Esther Fuchs, normalerweise Rechtshänderin, probierte es aus.

Wasserflasche mit links aufschrauben? Gar nicht so einfach, stellt Kreisblatt-Mitarbeiterin Esther Fuchs beim Selbstversuch fest.
Wasserflasche mit links aufschrauben? Gar nicht so einfach, stellt Kreisblatt-Mitarbeiterin Esther Fuchs beim Selbstversuch fest. Bild: Knapp

In der Steinzeit gab es, geologischen Fundstücken nach, etwa genauso viele Links- wie Rechtshänder. Heute macht der Anteil der Linkshänder ungefähr 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung aus. Paul McCartney, Barack Obama, Prinz Charles nebst Sohn William gehören zur linkshändigen Minderheit. Marilyn Monroe, Nicole Kidman, Angelina Jolie sind oder waren attraktive Linkshänderinnen und alles was sie machen, oder im Falle Monroes machten, besticht durch Eleganz und Anmut. Marilyn Monroe, hauchte ihren Kuss beispielsweise mit links. Es dürfte nicht so schwer einen Tag als Linkshänderin zu verbringen, oder doch?

Mein Wecker klingelt. „Halt! Nicht mit der rechten Hand ausschalten“, erinnere ich mich und bin erfreut, dass ich das Klingeln auch mit der linken Hand abstellen kann. Der Tag ist jung und ich bin frohen Mutes. Glücklicherweise benutze ich zum Zähneputzen eine Elektrobürste.

Schon als Baby Vorlieben

Ich frage mich, warum Menschen zwei Hände haben, von denen eine besser und geschickter ist als die andere. Welche das ist, kann man sich nicht aussuchen. Bereits Babys zeigen ihre motorische Vorliebe für rechts oder links. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Dominanz einer Hand von der gegenseitigen Hirnhälfte beeinflusst wird. Bei Linkshändern kann also von einer dominanteren Funktionsfähigkeit der rechten Hirnhälfte ausgegangen werden.

Na prima, dann wird heute eben mal meine rechte Hirnhälfte richtig gefordert. Denn in der Küche muss ich feststellen, dass sich die aufzuschraubende Milchflasche nur mühsam mit der linken Hand öffnen lässt. Und eine Stulle mit kalter Butter bestreichen, geht gar nicht. „Ok, dann gibt es eben Müsli“, denke ich. Doch auch hier muss ich gestehen, bin ich froh, dass alle anderen Familienmitglieder noch im Bett liegen. Meine Kinder würden sich vor Lachen sicherlich wegwerfen.

Fast alle Menschen haben eine starke und eine schwache Hand, die sich durch Beobachtung von Handlungen und Reflexen bereits bei Kleinkindern identifizieren lassen. Ärzte, Ergotherapeuten und Psychologen sind heute der Ansicht, man solle die individuelle Händigkeit eines Menschen nicht beeinflussen.

In der Steinzeit hielt sich der Anteil der Rechts- und Linkshänder nahezu die Waage. Doch im Zuge der Entwicklung verschiedener Kulturen und Religionen wurde die linke Hand irgendwann abschätzig als „unrein“ erachtet.

Eingriff in Gehirnstruktur

Bis in die Siebzigerjahre wurden viele Kinder aufgrund der geltenden Norm auf die rechte Hand umerzogen. In Statistiken ist es auffällig, dass es unter älteren Menschen deutlich seltener Linkshänder gibt. Sicher ist mittlerweile, dass eine Umerziehung auch immer ein Eingriff in die Gehirnstruktur des Menschen ist. Mögliche Folgeerscheinungen einer Umschulung reichen von Konzentrationsstörungen bis hin zu Legasthenie und Sprachschwierigkeiten sowie mangelndem Selbstwertgefühl.

Mein Selbstbewusstsein ist auch nach meiner Frühstückszeremonie nicht beschädigt. Meine Unbeholfenheit motiviert mich eine To-Do-Liste für den Tag aufzuschreiben. Man sollte hierbei jedoch eher von Kritzeln denn Schreiben sprechen. Die Spirale am Collegeblock stört und meine Hand ist mit Farbe verschmiert.

Die Lebensmitteleinkäufe für den heutigen Tag fallen eher in den Bereich „Convenience-Food“, sind also ohne großen Aufwand zubereitet. Eigentlich koche ich sehr gerne, doch meine Kids sind auf Wolke Sieben, als ich mittags zum Fastfood-Tempel einlade. Ich muss sagen, Pommes und Nuggets schmecken auch mit links gut. Glücklicherweise habe ich in meinem Auto eine Automatikschaltung, so dass ich weder uns noch die anderen Verkehrsteilnehmer gefährde.

Am Nachmittag gönne ich mir beim Bäcker noch ein Stück Zwetschgenkuchen. Die Verkäuferin schmunzelt, als ich mit meiner linken Hand nach Kleingeld im Portemonnaie fische und schließlich resigniert mit einem Schein bezahle. „Dies würde einem echten Linkshänder sicherlich nicht passieren“, mutmaße ich. Dass ich den Kuchen kaum auf die Gabel piksen kann, liegt sicher auch an meiner Unerfahrenheit als Linkshänderin.

Ärgerlich ist, dass Computertastaturen oder Controller von Videospielen auf die Bedienbarkeit von Rechtshändern ausgerichtet sind. Mobiltelefone haben den Powerbutton von Oben an die Seite verlegt, was dazu führt, dass der Zeigefinger des Linkshänders während eines Telefonats gerne auf den Button rutscht und das Gespräch abbricht. In der Küche sind Dosenöffner, Obst-, Gemüseschäler oder Scheren eine Herausforderung.

Ich bin froh, abends nur noch eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben. Der Tag als Linkshänderin war anstrengend. Anmut und Grazie, wie Marilyn, Nicole oder Angelina konnte ich nur begrenzt bieten. Spaß hat es trotzdem gemacht. Elegant und grazil lasse ich mich zum Abschluss ins Bett gleiten. Einschlafen kann ich heute definitiv mit links. . .

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