13.09.2017 03:30 | Frank Weiner

Regionalverband bewirbt Projekt „Bike + Business“: Radeln zum Job – sicher kein Flop

Kelkheim Mit dem Rad zur Arbeit – das wird schon in einigen Firmen erleichtert. Doch es gibt noch viel Luft nach oben. In Kelkheim fiel der Startschuss für Phase zwei.

Auf zum Industrriepark: die Teilnehmer einer geführten Pendler-Tour gestern kurz vor 8 Uhr auf dem Radweg in Münster.
Auf zum Industrriepark: die Teilnehmer einer geführten Pendler-Tour gestern kurz vor 8 Uhr auf dem Radweg in Münster.

Kaj Grandien wohnt in Kelkheim, arbeitet aber im Industriepark Höchst. Mit dem Auto wären das nur wenige Kilometer, doch der aktive Mann steigt jeden Tag aufs Rad und strampelt die Strecke zum Job. Morgens leicht bergab in gut 25 Minuten, abends etwas länger. Umziehen und duschen – in seinem Arbeitsbereich kein Problem. Allerdings würde sich Grandien optimierte Radwege wünschen – manchmal kommen ihm Bordsteine in die Quere. Gestern Morgen war Grandien mal nicht alleine unterwegs – er schloss sich einer Gruppe von Rad-Pendlern an.

„Kein Selbstläufer“

Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Deutsche Gewerkschaftsbund und das House of Logistics ans Mobility (HOLM) hatten zu einer speziellen Tour vom Kelkheimer Bahnhof in den Industriepark geladen. Mit der Aktion wollen die Partner das Projekt „Bike + Business“, das Radfahren zur Arbeit fördern und ausbauen soll, wieder ins Gedächtnis rufen. Birgit Simon, Erste Beigeordnete im Regionalverband, weiß: „Es ist ganz schön schwierig, Unternehmen zu finden. Das ist noch kein Selbstläufer.“ Einige Firmen sähen das allerdings schon als Chance, vielleicht so „auch Fachkräfte zu gewinnen“ (siehe Info).

„Bike + Business“ läuft seit 2003. Nun gibt es das Projekt 2030. Es baut auf dem bewährten Konzept auf und bietet Unternehmen Expertenhilfe sowie Services an, „um den Umstieg der Beschäftigten vom Auto aufs Rad zu erleichtern und den Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen in der Metropolregion zu erhöhen“. Dazu hat Jürgen Schultheis von HOLM deutliche Zahlen zusammengestellt: 2015 waren bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer Pendler. Die Länge der Staus hat sich von 350 000 (2009) auf 1,3 Millionen Kilometer erhöht, in Frankfurt liegen die Folgekosten dafür pro Jahr bei fast 700 Millionen, in München gar bei 2 Milliarden Euro. Knapp die Hälfte aller Wege mit dem Auto sei aber kürzer als 5 Kilometer. Im Rhein-Main-Gebiet müssen 140 000 Pendler jeden Tag zwischen 5 und 15 Kilometer zur Arbeit zurücklegen. Und deshalb raten die Partner zum Umstieg aufs Rad, das zudem weniger Platz benötige – denn auf einem Autoparkplatz können bis zu zehn Drahtesel abgestellt werden.

Dorothee Vogel (l.) nimmt für die Tour auf einem der Leihfahrräder Platz.
Dorothee Vogel (l.) nimmt für die Tour auf einem der Leihfahrräder Platz.

Zahlen, die nicht jeder der rund 20 Teilnehmer der gestrigen Tour kennt. Dorothee Vogel aus Kelkheim zum Beispiel fährt bisher mit dem Auto nach Höchst – immerhin ein Elektrofahrzeug. Nun überlegt sie ernsthaft, auf zwei Räder umzusteigen – „wenn das Wetter es erlaubt“. Dorothee Vogel wie auch Kaj Grandien finden es vernünftig, das Thema wieder in die Köpfe der Menschen zu bekommen.

Die Tour gestern ist ein Baustein. Laut Birgit Simon soll sie helfen, den potenziellen Berufs-Radlern im wahrsten Sinne den Wortes die richtigen Wege aufzuzeigen. Deshalb wurden vor der Fahrt auch Karten und Smartphone-Halterungen verteilt, und Kooperationspartner Nextbike ist zudem mit Leih-Rädern zu Stelle. Die Partner wollen Firmen und ihren Mitarbeitern in Zukunft vermehrt geführten Touren anbieten. Sie hoffen, dass „positive Erfahrungen mit dem Rad als Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit“ zum Umdenken führen.

In Kelkheim ist dieser Prozess wieder in vollem Gange. Derzeit läuft die Aktion „Stadtradeln“ mit aktuell knapp 8000 Kilometern, zudem werden die Bahnhöfe mit neuen, größeren Rad-Abstellanlagen ausgestattet, wie Bürgermeister Albrecht Kündiger beim Tourenauftakt der zunächst etwas skeptischen Birgit Simon berichtet.

Die Realitäten sehen

Er dankt auch Holger Küst vom ADFC, der zwar regelmäßig auf Probleme hinweise, „aber auch die Realitäten sieht“. Denn es könne in Kelkheim schon aus Platzgründen nicht jede Straße mit einem eigenen Radweg ausgestattet werden. Dass die Stadtverwaltung bei „Bike + Business“ einsteigt, sieht Kündiger aktuell nicht. Aber wer weiß: Beim Stadtradeln gibt es derzeit ein Team „Rathaus“ – so etwas wäre ja allemal ausbaubar . . .

(wein)

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