11.08.2017 03:30 | Barbara Schmidt

Familie Di Franco gibt die Filiale aus Kostengründen ab: Postpartner: Von Frust und Hoffnung

Kriftel Elf Jahre haben die Di Francos in der Bahnhofsstraße dafür gesorgt, dass die Krifteler eine Poststelle hatten. Doch nun geben sie ihr Geschäft komplett auf. Die Post hat schon einen neuen Partner gefunden.

Nach elf Jahren gibt Betreiber Salvatore Di Franco die Postpartneragentur auf. Schließen wird der Gastronom auch sein Lokal „Trattoria Café Passione“.
Nach elf Jahren gibt Betreiber Salvatore Di Franco die Postpartneragentur auf. Schließen wird der Gastronom auch sein Lokal „Trattoria Café Passione“. Bild: Knapp

Postkunden müssen sich in Kriftel an eine neue Adresse gewöhnen. Nach elf Jahren gibt Betreiber Salvatore Di Franco die Postpartneragentur auf. Schließen wird der Gastronom aber nicht nur sie, sondern auch sein Lokal „Trattoria Café Passione“. In dieses hatte das Ehepaar Di Franco erst vor drei Jahren die Post aus separaten Räumen zurückverlegt. Grund war eine Änderungskündigung, denn nach der Eröffnung einer weiteren Paketannahmestelle im Ort war das Geschäft bei den Di Francos rückläufig, die Post reagierte mit einer schlechteren finanziellen Entlohnung. Nachdem er erfahren habe, dass die Post Verträge mit Rewe für Paketannahmestellen gemacht habe – längst das Hauptgeschäft – sei für ihn der Ausstieg klar gewesen, sagt Salvatore Di Franco, der sich als Partner von der Post „nicht wertgeschätzt“ fühlt. Zwei Angestellte zu beschäftigen, um das nötige Vier-Augen-Prinzip zu gewährleisten, habe sich ohnehin schon länger nicht mehr gerechnet.

Einem weiteren Umbau des Cafés habe die Vermieterin nicht zustimmen wollen, sondern vielmehr Eigenbedarf angemeldet. Sie wolle die Räume künftig zu Wohnzwecken nutzen, weiß Di Franco. Er schließt am 5. September endgültig sein Geschäft. Wie seine berufliche Zukunft aussieht, darüber kann der Gastronom noch nichts sagen. Eine selbstständige Existenz werde er aber wohl nicht mehr anstreben, meint der 40-Jährige.

Es geht nahtlos weiter

Die Poststelle in der Ortsmitte wird vom 6. September an, also nahtlos, vom Inhaber des Outlet-Stores in der Frankfurter Straße weiterbetrieben. Mit allem Service, den auch Di Franco geboten hat, von Postbank-Geschäften über den Wertzeichen-Verkauf bis hin zur Annahme und Abgabe von Paketen. Sudir Anand (31) hat schon die nötigen Umbauarbeiten in seinem Laden in Gang gebracht. Zudem hat er sich für das erweiterte Geschäftsmodell seinen Bruder Sumik Anand mit ins Boot geholt. Der 24-Jährige hat gerade ein Betriebswirtschaftsstudium absolviert. Sudir Anand kündigt an, dass er später auch noch einen Geldautomaten installieren lassen möchte und daran denke, das Angebot um Handys und die nötigen Verträge zur Telekommunikation zu erweitern. Möglicherweise kann man sich demnächst in seinem Geschäft auch zu einem Wechsel des Stromanbieters beraten lassen.

Aufgegeben hat Sudir Anand für die Postagentur sein Konzept, neben Outlet-Mode ein Café für Mütter und Kinder anzubieten. Das sei zwar gut angekommen, er wolle sich aber breiter aufstellen. Auch Kinderkleidung soll es künftig nicht mehr geben, stattdessen sollen Schuhe verkauft werden.

Der junge Inhaber erhofft sich von der Übernahme der Postpartneragentur, im Ort auch mit seinem übrigen Angebot bekannter zu werden. Die Post soll ein Frequenzbringer sein, der Menschen in den Laden zieht, die ihn sonst vielleicht gar nicht betreten würden.

Günstige Lage

Die Gemeinde Kriftel begrüßt, dass die Brüder aus Indien dafür sorgen, dass die Postagentur in der Ortsmitte bleibt. Dass das Geschäft barrierefrei ist und zudem Parkplätze direkt vor der Tür bieten kann, wird als Vorteil gerade für ältere Krifteler gesehen. Geöffnet ist die Postagentur vom 6. September an montags bis freitags von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 18.30 Uhr. Samstags sind die Ladentüren von 9.30 bis 14 Uhr offen.

Kommentare

  • Macht nichts
    geschrieben von Krif66 (4 Beiträge) am 12.08.2017 13:03

    Um die bisherige Poststelle ist es wirklich nicht schade. Unfreundlicher und ahnungsloser Inhaber, seine weibliche Unterstützung ebenso ahnungslos, aber immerhin freundlich ahnungslos. Unglaublich, dass man in dieser langen Zeit die Portohöhen der diversen Briefarten nicht weiß.
    Obendrauf kommt noch, dass man nie mit dem Kinderwagen hinrollen konnte bzw. auf hilfsbereite Postkunden hoffen musste.



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