13.10.2017 03:30 | Niklaus Mehrfeld

Gespräch eskaliert: Neuer Eklat im Hattersheimer Almhütten-Streit

Hattersheim Der Streit zwischen dem Betreiber der Almhütte Deluxe und seinem Widersacher, dem Betreiber des nahegelegenen Parkhotels, sollte eigentlich mit einem Gespräch entschärft werden. Doch nun ist das Gegenteil der Fall.

Diese Gäste der Almhütte Deluxe genießen die zünftige Stimmung. Doch nicht jeder findet die Hüttengaudi gut.
Diese Gäste der Almhütte Deluxe genießen die zünftige Stimmung. Doch nicht jeder findet die Hüttengaudi gut. Bild: Hans Nietner

Die Geschichte um die Almhütte Deluxe im Stadtpark geht in eine weitere neue Runde. Und die wird in einem Verhandlungssaal des Landgerichts Frankfurt stattfinden. Dort soll über eine einstweilige Verfügung entschieden werden, die von dem Betreiber des benachbarten Parkhotels beantragt wurde. Dieser wendete sich gegen den Lärm, der durch den Betrieb der Almhütte erzeugt wird. Mit der Verfügung wurde dem Almhütten-Betreiber und Gastronomen Reinhard Lieb auferlegt, die Lärmobergrenze von 45 Dezibel nicht zu überschreiten. Lieb ließ seine Anwälte gegen die Verfügung einen Einspruch formulieren. Schließlich hob das Landgericht die Verfügung wieder auf. Nun wird am frühen Freitagnachmittag über eventuelle weitere Auflagen vor Gericht verhandelt.

Lärm durch laute Musik

Das mobile Gaudi-Lokal sollte zwei Monate lang für Abwechslung sorgen. Noch bis 8. November wird dort gefeiert. Zuerst stieß die Idee, den Nachbau einer rustikalen Almhütte samt einer nebenan platzierten Eisstockbahn im Stadtpark aufzubauen, auf Kritik. Auch vom Vorsitzenden des Hattersheimer Gewerbevereins, Darius Gevelhoff. Dieser monierte, dass die einheimischen Gastronomen ohne vorherige Information eine starke Konkurrenz bekommen würde.

Zudem sei der Betrieb der Almhütte als Gaudi-Lokal im Stadtpark deplatziert, würde es doch die Rasenfläche beschädigen. Außerdem werde es im direkten Umfeld zu Lärmbelästigungen durch laute Musik kommen. Gestört würden nicht nur die Bewohner am Marktplatz, sondern auch die angrenzende Kinderbetreuungsgruppen im Grünen Haus.

Nachdem eine Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadtverordnetenversammlung einberufen wurde, auf der Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) den Kommunalpolitikern Rede und Antwort zum Thema Almhütte stand, schien das Gaudi-Projekt in trockenen Tüchern.

Tipp vom Hotelbetreiber

Vor einigen Tagen kam es dann zur Zustellung der einstweiligen Verfügung: Eigentlich wollten sich Stadt Hattersheim, Polizeidirektion Main-Taunus, der Betreiber des benachbarten Hotels sowie der Gastronom Reinhard Lieb zum Reden treffen. Alle Parteien sollten die Gelegenheit bekommen, sich bei diesem Gespräch im Beisein des Bürgermeisters gütlich zu einigen. Doch das Gegenteil davon traf ein.

Nachdem Almhütten-Betreiber Reinhard Lieb das Rathaus betreten hatte, stellte ihm ein Gerichtsvollzieher die einstweilige Verfügung zu. Der Beamte hatte anscheinend den Tipp, wann er den Gastronomen persönlich antreffen und ihm das Schriftstück aushändigen kann, von dem Hotelbetreiber bekommen. Verwaltungschef Klaus Schindling wertete die Verhaltensweise des Hotelbetreibers als Affront gegenüber den Beteiligten.

Der Bürgermeister erklärte das als Gütetermin gedachte Treffen wegen der zugestellten Verfügung an Lieb kurzerhand für beendet und bat den Pächter des Parkhotels den Besprechungsraum zu verlassen. Dies wollte der Hotelbetreiber aber nicht und weigerte sich, zu gehen. Daraufhin machte der Bürgermeister lautstark von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies den Geschäftsmann des Rathauses.

Ein Vertreter der Polizeidirektion Main-Taunus wies den Hotelbetreiber darauf hin, dass der Bürgermeister das Hausrecht ausüben könne. Erst nach diesem Hinweis ging der Hotelier. Damit war aber die beabsichtigte gütliche Einigung gescheitert. So wird das Landgericht voraussichtlich heute entscheiden, wie es mit der Musikbeschallung in der Almhütte Deluxe weitergeht.

Kommentare

  • Ich will Spass und geb Gas (und die anderen sind mir egal)
    geschrieben von fws (1 Beiträge) am 13.10.2017 09:52

    Mir scheint, die Interessen der Anlieger werden hier, wie in heutiger Zeit oft, einfach ignoriert. Die Gäste, die kommen, um ihren Spass zu haben und sich bei Gaudimusik austoben, fahren danach wieder heim und schlafen sich aus. Die Anwohner (und zahlenden Hotelgäste) bekommen keine Ruhe und müssen sehen, wo sie bleiben.
    Hat für mich viel Ähnlichkeit mit den neuerdings in vielen Städten geduldeten Versammlungen auf öffentlichen Plätzen, wo spontan Party gemacht wird und Lärm und Müll für die Anwohner bleiben.
    Aber wehe, ein lokaler Gastronom möchte im Sommer mal ein paar Tische vor die Tür stellen, da werden die Hürden dann hochgehängt.

    Und warum man sich aufregt, wenn ein ordentlicher Bescheid zugestellt wird, verstehe ich auch nicht. Offenbar hat der Empfänger sich ja bewusst der Zustellung entzogen, wenn hier "Tricks" nötig werden.



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