14.06.2017 03:30 | Juliane Schneider

Hofheimerin wird wegen Fahrerflucht verurteilt: Mutter gibt Alkoholfahrt vor Gericht zu

Hofheim Zunächst hatte die Hofheimerin vor dem Höchster Amtsgericht bestritten, vor der Autofahrt am 4. Juni 2016 Alkohol getrunken zu haben. Dass sie den Spiegel eines Wagens auf der Rheingaustraße abgefahren hatte, erklärte die Angeklagte mit Schwerhörigkeit und lauter Musik. Doch dann nahm die Verhandlung eine überraschende Wendung.

„Körper ungepflegt, das Hemd hing aus der Hose, Sprache schleppend, Stimmung gereizt“, beschämt hört sich die Angeklagte an, wie die Polizeibeamten ihren desolaten Zustand in der Nacht des 4. Juni 2016 protokolliert hatten. Um halb eins hatten sie an der Tür der 40-Jährigen Hofheimerin geklingelt.

Fahrerflucht

Zwei Stunden vorher soll sie beim Vorbeifahren in der Rheingaustraße einen parkenden VW Lupo beschädigt und sich aus dem Staub gemacht haben. Schlimmer noch: Die Alkoholprobe ergibt einen Promillewert von 1,91. Rückgerechnet wäre sie dann mit über 2 Promille auf Hofheims Straßen unterwegs gewesen, so der Verdacht. Wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrerflucht musste sich die alleinerziehende Mutter jetzt vor dem Höchster Amtsgericht verantworten. Dort gibt sie sich unschuldig. Von dem abgefahrenen Spiegel habe sie gar nichts mitbekommen. „Sonst hätte ich doch angehalten.“ Sie höre auf einem Ohr nichts und habe im Auto laut Musik angedreht. Niemals würde sie alkoholisiert ins Auto steigen, beteuert die kaufmännische Angestellte. Getrunken habe sie erst nach der Fahrt, und zwar reichlich.

„Ich wollte einen mies gelaufenen Tag aus dem Gedächtnis löschen.“ Ärger auf der Arbeit, Stress zu Hause, dann hätten die Hunde noch den Einkauf in der ganzen Wohnung zerstreut. „Was genau haben Sie denn nach der Fahrt getrunken?“, fragt die Richterin. „Ein Bier, Jack Daniels, dann hatte ich noch eine geschenkte Flasche Wodka zu Hause…‘“ Sie wolle mal ganz ehrlich sein, sagt die Richterin. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung zweifle sie an der Version mit dem „Nachtrunk“. „Wir können aber einen Gutachter bestellen.“ Doch der werde ihr wohl klarmachen, dass es fast unmöglich sei, sich innerhalb von nur eineinhalb Stunden einen so hohen Promillewert anzutrinken. Viel wahrscheinlicher sei, dass sie schon vor der Autofahrt getrunken habe. Die Amtsanwältin deutet an, dass sie im Falle eines Geständnisses von Maßnahmen bezüglich des Führerscheins absehen könne. Was als nettes Angebot rüberkommt, hat in diesem Fall noch einen anderen Hintergrund. Da die Tat so lange zurückliegt – eigentlich sollten Verkehrsdelikte innerhalb von sechs Monaten verhandelt werden – , müsste der Angeklagten im Fall eines Führerscheinentzugs erst einmal umständlich Fahruntüchtigkeit nachgewiesen werden.

Schwiegermutter besucht

Glück für die 40-Jährige, die nach kurzer Besprechung mit ihrem Verteidiger mit einer neuen Geschichte aufwartet. Ja, sie habe vor der Autofahrt bereits ein oder zwei Äppler getrunken…. Bezüglich der Fahrerflucht möchte die Richterin noch den Zeugen hören, der den Unfall gemeldet hatte. Für seine Aussage ist der 67-Jährige weit angereist, lebt er doch in Timmendorfer Strand an der Ostsee. Im Juni 2016 habe er mit seiner Frau die Schwiegermutter besucht.

In „Diedenhofen“, gemeint ist Diedenbergen, habe man an besagtem Abend gegessen, auf dem Rückweg Richtung Hofheim sei vor ihnen plötzlich das Auto um die Ecke auf die Rheingaustraße geschossen. „Fast auf die Gegenfahrbahn.“ Mit einem Ruck sei das Fahrzeug dann zurück auf die Spur gelenkt worden und habe dabei das parkende Auto gerammt. Seiner Meinung nach habe der Fahrzeugführer den Rums mitgekommen müssen.

Geldstrafe

Doch das Gericht zeigt sich auch hier entgegenkommend und geht davon aus, dass die 40-Jährige aufgrund ihrer Hörprobleme, der leichten Alkoholisierung und der Musik tatsächlich nichts mitbekommen habe. Zu ihren Gunsten wird gewertet, dass der Schaden mit 198,30 Euro gering ausfalle und sie noch nicht einschlägig vorbestraft sei. Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr wird sie zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. Die Höhe des Tagessatzes richtet sich dabei nach dem Einkommen. „Damit sind Sie noch sehr gut weggekommen!“, macht ihr die Richterin klar. Normalerweise sei bei Delikten dieser Art der Führerschein schnell mal ein ganzes Jahr lang weg, so die Amtsanwältin.

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