19.06.2017 03:30 | Frank Weiner

Mit Benzin übergossen: Mordanschlag auf Ex-Frau in Eschborn

Eschborn Am Freitagabend ereignete sich der brutale Angriff in einem Geschäft für asiatische Lebensmittel. Die Inhaberin konnte sich retten. Das Kreisblatt konnte gestern kurz mit der Frau sprechen und hat sich am Tatort einmal umgeschaut.

Wohnungen, ein Hotel, eine Fahrschule, ein Café, eine Apotheke und der Markt für asiatische Lebensmittel: das ist das Quartier, in dem der Anschlag passierte.
Wohnungen, ein Hotel, eine Fahrschule, ein Café, eine Apotheke und der Markt für asiatische Lebensmittel: das ist das Quartier, in dem der Anschlag passierte. Bild: Hans Nietner

Es ist ruhig, fast idyllisch hier am Sonntagmittag an der Berliner Straße. Zwar gibt es viele Wohnungen und zahlreiche Geschäfte im Quartier, doch selbst das Café unter asiatischer Regie hat geschlossen. Im Hotel nebenan sind keine Gäste in Sicht. Dafür aber eine Mitarbeiterin. Sie habe schon einiges von dem mitbekommen, was hier am Freitagabend passiert ist, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Das war ein Zirkus hier“, sagt sie. Überall sei Polizei gewesen, sie habe lautes Geschrei gehört. Und sie habe später von Augenzeugen erfahren, was da wenige Meter weiter im Geschäft für asiatische Lebensmittel vor sich gegangen sein musste: Ein Frau sei „von Kopf bis Fuß mit Benzin übergossen“ worden – und ganz in der Nähe habe ein Mann mit einem Feuerzeug in der Hand gestanden, berichtet die Mitarbeiterin. Von einem ähnlichen Hergang wissen später auch andere Beobachter – und sogar die Geschädigte selbst, eine 70 Jahre alte Koreanerin, bestätigt dem Kreisblatt den Sachverhalt.

Das Polizeisiegel ist schon wieder entfernt. Ansonsten deutet an der Berliner Straße nichts mehr auf den schlimmen Angriff vom Freitag hin. Foto: Hans Nietner
Das Polizeisiegel ist schon wieder entfernt. Ansonsten deutet an der Berliner Straße nichts mehr auf den schlimmen Angriff vom Freitag hin.

Die Polizei gibt sich da zurückhaltender. Mit „Beziehungstat eskaliert“ ist ihr kurzer Bericht überschrieben. Darin heißt es, am Freitagnachmittag sei es gegen 16.45 Uhr zu einer „Auseinandersetzung“ an der Berliner Straße gekommen. Ein 69 Jahre alter Koreaner habe seine Ex-Frau in deren Geschäft für asiatische Lebensmittel attackiert „und drohte damit, sie umzubringen“. Details zum Mordversuch mit Benzin und dem Feuerzeug geben die Beamten nicht preis. Doch auf Kreisblatt-Nachfrage dementiert ein Sprecher die Berichte der Augenzeugen zumindest nicht.

Die Frau habe allerdings den Angriff des früheren Ehemanns abwehren und sich „unverletzt aus dem Geschäft in eine benachbarte Apotheke retten“ können. Der Täter sei zunächst geflüchtet, aber später an seiner Wohnadresse festgenommen worden. Der 69 Jahre alte Koreaner wurde dem Haftrichter vorgeführt und sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Deshalb verwies die Polizei auch für weitere Auskünfte an die Staatsanwaltschaft. Das Kreisblatt bekam gestern am Sonntag zwar keinen Vertreter der Behörde an die Strippe, dafür aber die Geschädigte selbst. Erstaunlich gefasst gibt sie sich am Telefon, möchte am liebsten gar nichts über die Sache in der Zeitung lesen. Es sei alles in Ordnung, es gehe ihr gut, sagt sie. „Ich bin ja gesund.“ Den Vorfall mit dem Benzin-Angriff bestätigt sie. Ansonsten habe sie „gar nichts zu erzählen“.

Die Nachbarn drumherum sind einfach erleichtert, dass sich die Frau letztlich retten konnte. „Hauptsache, ihr ist nichts passiert“, sagt die Hotel-Mitarbeiterin, die die Koreanerin bei ihren wenigen Einkäufen als „ganz nette Frau“ beschreibt. Von einer guten Nachbarschaft spricht die Chefin des Cafés gleich nebenan. „Gott sei Dank, dass sie gesund bleibt“, betont sie. Sie habe im Moment des Anschlags Gäste gehabt und daher nichts direkt mitbekommen. Das große Polizeiaufgebot habe sie allerdings schon bemerkt. Und es habe auch nach Benzin gestunken rund um das Lebensmittelgeschäft, erzählt sie.

Viele andere Anwohner haben kaum etwas mitbekommen, berichten sie. „Das sind ja Dinger hier“, sagt ein Mann zu einer Anwohnerin, die erzählt, sie habe ebenfalls nichts gehört und gesehen. In der Tat: Auf dieses Beziehungsdrama deutet hier gar nichts mehr hin – mit Ausnahme vielleicht der Klebereste des Polizeisiegels, das an der Tür des Asia-Ladens angebracht war. Drinnen sieht es so aus, als würde wieder ganz normal verkauft. Ein Wagen mit Wasserflaschen steht bereit, die Chipstüten türmen sich in den Schütten und große Säcke mit Reise liegen gestapelt in einem der Schaufenster.

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