19.06.2017 03:30 | Juliane Schneider

Knapp 70 Höfe geöffnet: Kunst, Historie und Handwerk lockten zum Tag der offenen Höfe nach Wallau

Hofheim Knapp 70 Höfe in dem Hofheimer Stadtteil hatten gestern wieder ihre Tore geöffnet. Hier ließen sich Handwerker und Künstler über die Schulter schauen. Besonders beliebt bei den vielen Besuchern waren die Ecken zum Plaudern und Essen.

Gut besucht waren die vielen Höfe in Wallaus Ortsmitte.
Gut besucht waren die vielen Höfe in Wallaus Ortsmitte. Bild: Maik Reuß

Scheppernd schlägt der große Schmiedehammer auf das glühende Metall. Vorher haben Felix (8) und ein paar Jungs mit dem Blasebalg die Flammen lodern lassen. „Normalerweise geht das auch elektrisch“, sagt Schmied Hubert David augenzwinkernd. Heute hat er aber viele kleine Helfer vor Ort. Am Wallauer Fest der offenen Höfe nutzen sie die Chance, dem Handwerk in der alten Schmiede zuzuschauen und vielleicht sogar ein selbst geschmiedetes Messer mit nach Hause zu nehmen.

Erst aber muss noch der Griff, das Schweineschwänzchen, angeschmiedet werden, dann darf Felix die Klinge zum Abkühlen ins Wasser stecken, bevor es zum Schleifstein geht. „Damit wird aber net gekämpft!“, gibt David dem Jungen mit auf den Weg. Er selbst habe schon mit fünf Jahren dem Großvater geholfen, erzählt er. In seiner eigenen Schmiede in Wildsachsen bietet er inzwischen Kurse an.

Auch die alte Druckerei hatte gestern geöffnet, außerdem 65 Wallauer Höfe mit ihrem ganz besonderen Flair: Blumentöpfe auf historischem Kopfsteinpflaster, antik-rostige Bügeleisen und Kaffeemühlen auf alten Balken, Räder, die früher einmal das Heu auf Karren trugen und nun dekorativ unter Weinreben an den Wänden lehnen. Fotos an den Hoftoren erzählen die Geschichten aufwendiger Restaurierung alter Fachwerkbauten. „Höfe und Kunst“ ist das Motto der vom Wallauer Fachwerk zum siebten Mal organisierten Großveranstaltung. Und so nutzten auch in diesem Jahr wieder knapp 100 Künstler und Kunsthandwerker der Region die Chance, in den Höfen ihre Werke zu präsentieren.

Sogar der Gottesdienst habe ganz im Zeichen der Kunst gestanden, berichten Eheleute Müller aus Flörsheim, die bei fast mediterranen Temperaturen durch die Gassen bummeln, musikalisch unterhalten vom flotten Latin-Pop, den Sängerin Catalina Olea an der Rathausbühne zum Besten gibt. „Schon fantastisch die Atmosphäre“, finden sie, während sie sich Kunstbilderbücher der Künstlerin Elisabeth Feiler anschauen, die man ganz raffiniert als Gemälde entfalten kann. Zum dritten Mal dabei ist die spanische Künstlerin Maria Luisa Engels, die seit 17 Jahren in Bad Soden lebt. „Meine Inspiration bekomme ich beim Reisen“, sagt sie. Gerade sei erst die Serie mit Frauen aus Indien und die Häuser aus Santorini in ihren blau-weißen Farben entstanden. Ihr Markenzeichen ist ein Motiv, das sie in Brasilien festgehalten hat: eine Reihe verschiedenfarbiger Papageien auf sattem Grün.

In seinem Diedenbergener Keller entstehen die fotografischen Kleinode von Frank Müller. Mit ausgetüftelter Technik hält der elektronikversierte Hobbykünstler den Moment fest, in dem ein Schuss aus Pistole oder Armbrust ein Objekt durchbohrt, angefangen von einer Glühbirne, die ein Nagel durchschlägt bis zum durchschossenen Apfel. „Wilhelm Tell 2.0“ hat er das Werk genannt. „50mal habe ich durch ein Nadelkissen geschossen bevor es an den Apfel ging“, verrät er. Entstanden ist eine Serie von außergewöhnlichen Aufnahmen, die auch das Interesse der Besucher im Bleidenstädter Hof weckt.

Allerorten luden gestern lauschige Ecken zum Plauschen und Speisen ein, wer an Wallaus Historie interessiert ist, kann dem Ensemble vom Heimatverein Wanaloha folgen, das in historischen Kostüm durch die Gassen führt.

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