16.06.2017 03:30 | Frank Weiner

Zwei Standorte für Grundschule: Kein Platz mehr in den „Sindlinger Wiesen"

Kelkheim Bürgermeister Albrecht Kündiger kann einige Sorgen verstehen, sieht aber mit einer Dependance für die Kinder eine vertretbare Lösung. Die Betreuung an den Kreis zu übertragen – das ist für ihn kein Thema.

In den Bereuungscontainern reicht der Platz nicht mehr.
In den Bereuungscontainern reicht der Platz nicht mehr. Bild: Knapp

Ein Spaziergang durch die Sindlinger Wiesen, die „grüne Lunge“ im Herzen der Stadt, kann etwas Schönes sein – speziell bei angenehmen Temperaturen. Bei Dauerregen oder Schnee in Herbst und Winter ist das aber sicher weniger spaßig. Und bei dieser Vorstellung krümmt sich einigen Eltern in der Stadt derzeit der Magen. Denn im nächsten Schuljahr ist die städtische Betreuung der Kinder der Grundschule „In den Sindlinger Wiesen“ an zwei Standorten zu finden. Der Großteil der 194 angemeldeten Kinder bleibt weiterhin in den Räumen und Containern an der Schule, bis zu 25 Erstklässler werden aber jeden Tag mittags wandern zur Dependance in der Stadtmitte Süd, den Räumen der ehemaligen Krippe der „Kleinen Strolche“.

Bei einem Elternabend stand das Thema schon oben auf der Tagesordnung – und die Stimmung ist gemischt. Bürgermeister Albrecht Kündiger sieht zwar „Neuland“ für alle Beteiligten bei dieser „ungewöhnlichen Lösung“, er ist aber „fest davon überzeugt ist, dass es laufen wird“. Das können viele Eltern mittragen, während andere den Vorgang sehr kritisch sehen. Die Rede ist von einem „Schritt ins Ungewissen“, von Spaziergängen „bei Wind und Wetter“ und „keiner zukunftsträchtigen Lösung“, die nun „schöngeredet“ werde. Viele fragen sich: Warum ist auf dem Gelände der Schule keine Erweiterung mehr möglich? Und in dieses Horn stößt auch die Politik. FDP-Parteichef Patrick Falk kündigt einen Antrag zum Thema an, will Möglichkeiten auf dem Gelände geprüft sehen. Die Dependance-Lösung hält er für „sehr unglücklich“, das sei „nichts für die Ewigkeit“.

Der Bürgermeister schickte im Sozialausschuss erst einmal vorweg, dass in Kelkheim alle Kinder, die fristgerecht angemeldet wurden und die Kriterien erfüllten, auch einen Betreuungsplatz an einer der fünf Grundschulen erhalten haben. Und er hob das Engagement der Betreuungskräfte hervor, aus schwierigen Situation viel herauszuholen. Er räumte aber ein, gerade die gesamte Situation an der Münsterer Grundschule sei nicht optimal. Der Kreis als Schulträger sei „aber noch nicht so weit, ein klare Entscheidung zu treffen“. Soll heißen: Kündiger hätte am liebsten Schulkinderhäuser an allen Grundschulen, was aber nach und nach im Kreis für den gesamten Kreis entschieden werde. Die „Sindlinger Wiesen“ und die Albert-Reinach-Schule in Fischbach (siehe „Info“) haben in Kelkheim Priorität. In Münster hakt die Erweiterung vor allem beim Thema Mittagessen. Der Container sei nicht für genügend Kinder ausgelegt und könne auch nur sehr umfangreich und somit kostspielig ausgebaut werden, erklärt der Bürgermeister.

Zwei Kritikpunkte der Familien kann Kündiger nachvollziehen: Zum einen steht die „Wandergruppe“ zur Dependance erst fest, wenn die Einteilungen der 1. Klassen an der Schule gemacht sind. „Ich kann die Eltern verstehen, dass sie es gerne früher hätten.“ Einfluss darauf hat die Stadt bei der Schule aber nicht. Zudem gibt es Geschwisterkinder, die nun an die Schule kommen – und die Eltern müssten dann künftig zwei Betreuungsorte für die Abholung ansteuern. „Da versuchen wir, Rücksicht darauf zu nehmen“, verspricht Kündiger und sieht die Ausgliederung ebenfalls nicht als Dauer-Variante.

Auch der Main-Taunus-Kreis äußert sich auf Anfrage zur Situation an der Schule: „Platz für eine Erweiterung mit Modulen an den Sindlinger Wiesen wäre allenfalls, wenn dafür Platz auf dem Schulhof oder den Grünflächen hergegeben würde. Ob sich die Schule das wünschen würde?“, betont Kreishaus-Sprecher Johannes Latsch. Außerdem sei Geduld angesagt, denn aktuell laufen die Vorbereitungen für die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans 2018 bis 2023 und das Investitionsprogramm ab 2018. Da geht es auch um die Raumkapazitäten an den Schulen. „Weitere Ganztagsangebote hätten Konsequenzen für den Haushalt 2018, der noch nicht einmal im Entwurf vorliegt“, erklärt Latsch.

Kein Thema ist es für den Bürgermeister, die gesamte Grundschul-Betreuung an den Main-Taunus-Kreis abzugeben, so wie es viele andere Kommunen schon getan haben. „Wir haben es nicht vor“, sagt er. Die kurzen Wege und Drähte ins Kelkheimer Rathaus seien ein großer Vorteil. Zudem sieht der Rathauschef keine politischen Mehrheiten. Aber es gebe „keine Denkverbote“ und letztlich könnte das die Politik durchaus beantragen. Im Sozialausschuss äußerten die CDU und die Freien Wähler schon Gedanken in diese Richtung, auch FDP-Mann Falk hält so etwas prinzipiell für eine „gute Sache“. (wein)

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