12.08.2017 03:30 | Karl-Josef Schmidt

Kolumne: Kajos Wochenschau: Schrumpfkurs

Der Koloss, der einmal die Taunus-Sparkasse, die Stadtbücherei und Wohnungen oder Büros unter seinem Flachdach vereinigen soll, wird nicht ganz so wuchtig.

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Der Koloss, der einmal die Taunus-Sparkasse, die Stadtbücherei und Wohnungen oder Büros unter seinem Flachdach vereinigen soll, wird nicht ganz so wuchtig. Da haben alle Hofheimer, die ihr Städtchen mögen, Glück gehabt, dass die Bürgerinitiative Kellereiplatz, die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt und der Kunstverein gegen den voluminösen Neubau zwischen Kellereiplatz und Pfarrgasse protestiert haben. Ausnahmsweise unbescheiden möchte ich anfügen, dass diese Zeitung ebenfalls intensiv etwas zur Debatte beigetragen hat – wie immer mit dem Blick auf das Gemeinwohl der Stadt. Handelt es sich bei dem umstrittenen Vorhaben doch um ein Schlüsselprojekt, das den sensiblen Übergang vom schmucklosen Chinon-Center zur historischen Altstadt markiert. Die Kritiker können zwar nicht jubeln, haben aber einen kleinen Erfolg erzielt: Die übergroße Kooperation aus CDU, SPD, FWG und FDP in der Stadtverordnetenversammlung und die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft HWB, die sich beide nicht durch Geschmeidigkeit auszeichnen, sind ein bisschen zurückgerudert.

Die Stadtbücherei darf bis auf knapp 1000 Quadratmeter wachsen; das halten Bibliotheks-Experten immer noch für zu klein, wäre jedoch größer als die geplante Zwerg-Mediathek mit 758 Quadratmetern. Abgespeckt wurden dagegen die Flächen für Wohnungen und Büros. Derweil avanciert die Taunus-Sparkasse als potenter Anker-Mieter zum Hauptfinanzier des Bauwerks. Womit wir beim Kernpunkt der Geschichte sind: Der Stadt fehlt, trotz sprudelnder Steuerquellen, das Geld für eine rundum gute Lösung, bei der nicht eine Sparkasse, sondern eine moderne Bücherei das beherrschende Element sein könnte. Und bei der es nicht darum geht, aus möglichst vielen Quadratmetern Mieteinnahmen zu pressen, sondern den Bürgern städtebaulich das Beste zu bieten. Damit nicht viel Zeit für weitere Proteste bleibt, sollen ganz fix fünf Architekturbüros damit beauftragt werden, Pläne für den Sparkassen-Komplex zu entwerfen. Hauptsache ist, dass sich die Stadt und ihre Wohnungsbaugesellschaft am Ende dann auch an den Sieger-Entwurf halten. Meine Skepsis kommt nicht von ungefähr: Das geschieht in Hofheim nämlich recht selten.

Nichts zu lachen hatten in dieser Woche auch die Hattersheimer Sozialdemokraten. Ihr ehemaliger Partei- und Fraktionsvorsitzender Ralf Meik hat nach 28 Jahren „ohne Groll“, wie er sagt, die SPD-Mitgliedschaft gekündigt und ist der CDU beigetreten. Das ist ja in Ordnung. Aber der 58-Jährige hat sein Stadtverordneten-Mandat behalten, was unfair ist. Eineinhalb Jahre nach dem Verlust der Macht im Stadtparlament und des Bürgermeisteramtes kam Meiks Abgang für die Genossen nicht nur überraschend, sondern einem Tiefschlag gleich.

Irmtraud Bottoms, streitbare Stadträtin in Eschborn, macht es ihren politischen Lebensabschnittsgefährten ebenfalls nicht immer leicht. Freien Wählern und Grünen hatte sie vor Jahren den Rücken gekehrt, am Mittwoch nun hat die 77-Jährige die Linken verlassen, für die sie im Magistrat saß. Innerhalb des ungewöhnlichen Rathausbündnisses aus SPD, FDP, Freien Wählern und Linken fühlte sie sich von Informationen ausgeschlossen, klagte Bottoms. Überdies sei sie sich als ehrenamtliche Dezernentin, die sich um Bürger-Anliegen kümmern sollte, wie ein „zahnloser Tiger“ vorgekommen. In der Stadtverwaltung habe es ab und zu Widerstände gegeben. Als parteilose Stadträtin will sie trotzdem weitermachen. Pardon, Frau Bottoms, Ihr Amt steht den Linken zu.

Ein regenfreies Wochenende!

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