11.10.2017 03:30 | Manfred Becht

Bevölkerung wächst: Hofheim will die Möglichkeit haben, weitere Baugebiete auszuweisen

Hofheim Wo kann die Stadt nach 2020 Wohngebiete und Gewerbeflächen entwickeln? Das entscheidet sich mit dem neuen Regionalen Flächennutzungsplan. Der Magistrat möchte mehr Flexibilität.

Das geplante Baugebiet in Marxheim aus der Luft. Es entspricht den Absichten von Hofheim, für andere Flächen wünscht sich die Stadt mehr Flexibilität.
Das geplante Baugebiet in Marxheim aus der Luft. Es entspricht den Absichten von Hofheim, für andere Flächen wünscht sich die Stadt mehr Flexibilität. Bild: Maik Reuß

Die Frage nach neuen großen Baugebieten stellt sich in Hofheim in den nächsten Jahren eigentlich nicht. Die Stadt wird vollauf damit beschäftigt sein, das Baugebiet Marxheim II zu entwickeln, das beschlossene Sache ist. Da geht schon von den Arbeitskapazitäten der Verwaltung her kaum mehr als einige ganz kleine Vorhaben. Immerhin könnten in Marxheim bis zu 1400 neue Wohnungen entstehen.

Aber die Entwicklung geht auch dann noch weiter. Die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet wird nach allen Prognosen noch eine ganze Reihe von Jahren weiter wachsen. Eventuell treffen diese Prognosen nur in abgeschwächter Form zu, vielleicht wird die Entwicklung extremer als angenommen. Die Stadt Hofheim möchte auf alle Fälle vorbereitet sein – und das bedeutet, grundsätzlich die Möglichkeit zu haben, weitere Baugebiete auszuweisen.

Fragen aus Darmstadt

Geregelt wird das im Regionalen Flächennutzungsplan. Der soll jetzt überarbeitet werden. Zuständig ist das Regierungspräsidium Darmstadt, das die Kommunen nach ihren Vorstellungen befragt hat. In einer ersten Runde ging es nicht um konkrete Flächen, sondern um allgemeine Überlegungen. Aus den Antworten der Stadt geht hervor, dass mehr Flexibilität gefragt ist.

Das kommt nicht von ungefähr. Die bislang verfügbaren Flächen seien teils nicht verfügbar, teils entsprechen sie nicht den Hofheimer Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Stadt, heißt es da. Gemeint sein können da nur kleinere Flächen an den Ortsrändern von Langenhain und Wildsachsen – die großen Flächen in Marxheim und an der Vorderheide entsprechen den Hofheimer Absichten schon und sind in Arbeit. Für eine Fläche mitten in Lorsbach fehlt eher die Verfügbarkeit.

Die Stadt Hofheim schlägt daher vor, mehr Flächen für mögliche Wohngebiete auszuweisen, als die Stadt braucht. Der Bedarf soll sich in einer Obergrenze an entwickelten Flächen niederschlagen. Die Stadt könnte dann die Flächen aussuchen, die sich als realisierbar erweisen.

Der Vorschlag resultiert sicher auch aus den Erfahrungen für das Baugebiet Vorderheide II, an dem seit Jahren gearbeitet wird, das aber sehr wohl noch am Widerstand der Naturschützer scheitern könnte.

Nachverdichtung geregelt

Aus den Antworten der Stadt geht auch hervor, dass die Stadt das Prinzip aufgegeben hat, der Nachverdichtung bestehender Baugebiete und der Aktivierung von Brachflächen im Stadtgebiet den Vorrang zu geben. Es stünden einfach keine Flächen mehr zur Verfügung, heißt es.

Die Nachverdichtung wurde für viele Quartiere durch neue Bebauungspläne bereits geregelt. Für den Wohnbau geeignete Flächen wie das Gelände der Maschinenfabrik Polar Mohr zwischen Homburger Straße und Liederbacher Weg sind wegen unterschiedlicher Vorstellungen von Stadt und Eigentümer nicht aktivierbar.

Bei den Gewerbegebieten sieht es nicht viel anders aus. Es gibt noch Flächenpotenziale, aber wenn die Grundstücke nicht im städtischen Besitz sind, kann die Stadt nicht viel ausrichten. Auch in diesem Punkt möchte die Stadt fortan flexibler sein.

Ob sich der Regionalverband, der am Ende über den Flächennutzungsplan entschiedet, darauf einlässt, wird sich zeigen – die steuernde Wirkung des Planes würde dadurch eingeschränkt. Offensichtlich möchte die Stadt nicht in vollem Umfang an den Gewerbeflächen festhalten, die sie in Wallau östlich der Landstraße nach Diedenbergen entwickeln könnte.

Stadtrat Wolfgang Winckler erläuterte im Planungsausschuss, dass sich bei näherer Betrachtung herausgestellt hat, dass die Entwässerung des Gebietes aufwendig und damit teuer wäre. Die damit verbundenen höheren Grundstückspreise würden natürlich die Chancen mindern, ansiedlungswillige Firmen zu finden.

Neue Gewerbeflächen

In die Liste möglicher neuer Gewerbegebiete soll auch eine Fläche am Marxheimer Ortsausgang in Richtung Weilbach aufgenommen werden, für die sich der Ortsbeirat Marxheim wiederholt ausgesprochen hat. Dies hat der Ortsbeirat einmütig beschlossen – wobei die beschlossene Prüfung ja noch nicht viel heißt. Immerhin hatte der Magistrat früher erklärt, es gebe dort keinen Bedarf für weitere Gewerbeflächen; jetzt wird das eventuell anders gesehen.

Nach Wolfgang Wincklers Worten solle man sich genau überlegen, welche Flächen vermarktbar seien und welche Art von Gewerbe man dort haben wolle. Von Logistikunternehmen, die viel Platz brauchen und viel Verkehr erzeugen, aber wenige Arbeitsplätze und kaum Gewerbesteuer bringen, hält die Stadt nicht viel.

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