17.06.2017 03:30 | Frank Weiner

Ein Kraftakt für den Budenzauber: Gemeinde stemmt Straßenfest-Orga in Eigenregie

Liederbach Gut 112 Stunden sind die Mitarbeiter des Bauhofs für Auf- und Abbau sowie andere Arbeiten im Einsatz. Dazu kommen die Kosten für die Bands, für Strom und Wasser. Und um die Sicherheit sowie die abendlichen Wildpinkler macht sich die Kommune ebenfalls einige Gedanken.

Letzte Absprachen vor dem Straßenfest-Aufbau: Florian Becker, Michael Schirdewan (Bauhof), Wassermeister Rudolf Beckers, Karl-Heinz Keil (Bauhof), Sonja Freund aus dem Kulturamt und Erster Beigeordneter Dieter Herbert (von links)
Letzte Absprachen vor dem Straßenfest-Aufbau: Florian Becker, Michael Schirdewan (Bauhof), Wassermeister Rudolf Beckers, Karl-Heinz Keil (Bauhof), Sonja Freund aus dem Kulturamt und Erster Beigeordneter Dieter Herbert (von links) Bild: Knapp

Es ist die Ruhe vor dem Sturm: Gestern morgen um 8 Uhr ist im Ortskern von Alt Oberliederbach noch nicht viel los. Elektriker schließen die ersten Stromkästen an, Karl-Heinz Keil vom Bauhof sprüht die Positionen der Hütten mit Farbe auf den Boden. Heute wird es bei ordentlichem Wetter lebhafter zugehen. Dann tummeln sich wieder wenige Tausend Besucher beim Internationalen Straßenfest, der größten Fete in der Gemeinde. Die Feier wartet zudem mit einer Besonderheit auf: Hier ist nicht ein Verein oder ein professioneller Anbieter der Veranstalter – die Kommune stemmt das Fest selbst.

Das sei schon ein Kraftakt, sagt Bürgermeisterin Eva Söllner, die an diesem Morgen kurz vorbeischaut. Aber das Fest sei den Bürgern wichtig – deshalb habe die Gemeinde es nach dem Aus des Vereinsrings vor Jahren komplett unter ihre Fittiche genommen. „Wir wollen den Charakter erhalten, damit es nicht kommerziell wird“, betont Söllner. Erster Beigeordneter Dieter Herbert und Sonja Freund aus dem Liederbach Kulturamt können da nur zustimmen. Bei ihnen laufen die organisatorischen Fäden zusammen. Nach Ostern werden die Vereine angefragt. Wichtig sei, sich abzusprechen, damit das Angebot vielfältig bleibe, betont Freund. Allerdings sei bei der Teilnahme Luft nach oben – trotz der über 40 Vereine gibt es nur knapp 25 Stände. Doch so manche Gruppe könne den Einsatz personell eben nicht mehr stemmen, fügt Eva Söllner an. Aber so klein und fein, wie es ist – so mögen die Liederbacher auch ihr Straßenfest. Und die Bürgermeisterin hebt die Internationalität hervor, denn die Partnerstädte sind zum Beispiel jedes Jahr in irgendeiner Form vertreten. An diesem Wochenende wird das Jubiläum mit Verwood (England) unter anderem mit einer akademischen Feier in der Liederbachhalle gefeiert.

Der Aufwand für die Gemeinde ist daher sehr hoch. Gut 112 Stunden leistet der Bauhof mit dem Auf- und Abbau der Buden, der Beschilderung und weiterer Arbeiten drumherum. Bis zu sieben Kollegen sind gleichzeitig im Einsatz. Bei einem Stundenlohn von 42 Euro kommen so knapp 5000 Euro zusammen. Auch die restlichen Kosten – Strom, Wasser, Security, Gage der Bands – trägt die Kommune. Und es müssen gleich zwei Gebäude abgesperrt werden, weil die Eigentümer Angst vor Beschädigungen und vor allem Verunreinigungen haben. Auch ein Weg wird dicht gemacht, um Wildpinkler auszubremsen. Toiletten gebe es ja am Anfang und Ende der Festmeile, betont Herbert.

Er hat sich auch Gedanken um das Thema Sicherheit gemacht und sich die Straßenfeste in Sulzbach und Schwalbach angeschaut. Die Liederbacher werden nun an den Zufahrten Fahrzeuge des Bauhofs platzieren, um mögliche Anschläge zu verhindern.

„Es ist das größte Fest der Gemeinde, wo alle zusammenkommen. Verstärkt auch Gäste von außen“, sagt Eva Söllner und möchte es in dieser Form gerne erhalten. Aber sie weiß auch mit Blick auf ihre engagierten Mitarbeiter: „Es bedeutet einen Riesenaufwand.“ Damit dann am Sonntag zum Kirchgang der Ortskern in Oberliederbach wieder schön sauber ist.

(wein)

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