30.01.2017 03:30 | Sascha Kröner

Carneval Verein: Flörsheimer Narren schießen sich auf Donald Trump ein

Flörsheim „Im Himmel ist die Hölle“ los: Unter diesem Motto bittet der Flörsheimer Carneval Verein zu seinen sieben ausverkauften Sitzungen. Die Besucher wurden von diesem teuflischen Spektakel nicht enttäuscht.

Aufgepumpt gesund: Patricia Lowin.
Aufgepumpt gesund: Patricia Lowin. Bild: Hans Nietner

Viele Menschen teilen das Gefühl, dass uns das vergangene Jahr einiges zugemutet hat: Terror, Promi-Tode und fragwürdige Wahlergebnisse. Den Kopf in den Sand zu stecken, macht die Sorgen allerdings nicht besser. Der Flörsheimer Carneval Verein (FCV) präsentiert deshalb andere Reaktionsmöglichkeiten: Kritik und vor allem Humor haben sich die Narren auf ihre Fahnen geschrieben. Denn: „Jedes Mal, wenn wir lachen, stirbt ein Problem“, erklärte Sitzungspräsident Hans-Joachim Kunz den Zuschauern in der ausverkauften Stadthalle. Wenn er Recht behält, hat der FCV mit seiner ersten Sitzung bereits einige Probleme aus der Welt geschafft.

Putin der Vernünftigste?

Der rote Faden an diesem Abend war dick wie ein Tau – so auffällig zog er sich durch die Sitzung: Fast jeder Aktive rechnete mit dem Populisten Donald Trump ab, der vor wenigen Tagen ins Weiße Haus eingezogen ist. Sitzungspräsident Kunz zählte fünf Eigenschaften auf, die notwendig seien, um US-Präsident zu werden: Ich halte mich nicht an Fakten, rede Unsinn, weiß am Ende des Satzes nicht mehr, wie ich angefangen habe, stehe auf künstliche Brüste und zahle keine Steuern.

„Ich hätte nie gedacht, dass die Amis – die Blinde – zum George W. Bush noch ’ne Steigerung finde“, reimte Protokoller Gregor Stark. Der Wahlausgang sei nicht gesponne – „den hat das Trumpeltier auch noch gewonne“. Selbst den Mauerbau an der mexikanischen Grenze hatte der Redner schon im Programm: Trump baue „wohl, damit seine Frau vor ihrem Mann nicht mehr nach Mexiko abhauen kann.“ Stark verpackte auch seine Sorge darüber, wer in Zukunft weltweit Atomwaffen kontrolliert. „Trump, Kim Jong Un, und – der Gedanke ist Mist, dass der Putin von denen der Vernünftigste ist“.

Klare Ansage

Gregor Stark spielte den Vertreter des Götterboten Hermes („Der hat mit dem Versandhandel zu tun“) und berichtete von seinem ersten Einsatz bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als göttlicher Botschafter wusste er von Merkels Ärger mit der CSU. Die Kanzlerin überlege, dem russischen Präsidenten Putin zur Krim noch Bayern zu schenken, erzählte Stark, der auch die schwierigen Themen Flüchtlingspolitik und Terror nicht ausließ: „Wer hier nur randalieren will, für den ist kein Platz“, sagte der kritische Redner, betonte aber, dass eine fremde Kultur eine Bereicherung sein kann. „Christen und Moslems – das läuft wie geschmiert – aber nur, wenn man sich bei uns auch integriert“. Schließlich verknüpfte Stark die Sorge um die Zukunft der Rente mit dem Trend aktueller Handyspiele: „Die Beitragszahler werden in ihrem Wahn beim Pokémon Go auf der Straße überfahren“, reimte er.

Marcel Biegeler begrüßte das Publikum als Personifiziertes-Erfassungs-Terminal-Recht-und-Schlecht (Petrus). „In unserer Cloud befindet sich alles“, so der Aktive, der seinen Vortrag seit einigen Jahren mit Videobeiträgen garniert. „Die Amerikaner hatten die Wahl zwischen einer stocksteifen Eiskönigin und einem Horrorclown“, resümierte er. Biegeler sprach von einer amerikanischen „Democrazy“. Zu Trump meinte er, der Präsident habe einen „Twitter-Vogel“. Biegeler spielte auf das Symbol des verbreiteten Online-Nachrichtendienstes an, den der neue Präsident rund um die Uhr für seine Botschaften verwendet. Der FCV-Mann sah sogar eine Verbindung zum Tod von Fidel Castro: Der kubanische Machthaber habe diverse Attentate und elf US-Präsidenten überlebt. „Aber die Wahl Donald Trumps war zu viel für ihn.“ Zum Brexit merkte Biegeler an, dass die Briten dem Inselkoller verfallen seien. Außerdem stellte er fest, dass die Bundes-SPD sehr wandlungsfähig sei. „Haben Sie gemerkt, wie schnell sich der Außenminister verändert hat?“, fragte „Petrus“. Auf der Leinwand folgte eine Animation, in der sich Frank-Walter Steinmeier in Sigmar Gabriel verwandelte.

Stimmungssänger Andy Ost ist ebenfalls eine feste Größe beim FCV. Der Musiker hatte eine eigene Vorstellung davon, was er Trump beim persönlichen Treffen sagen würde: „Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön“, trällerte Ost ins Mikrofon. Der Stammgast war gut drauf und ließ sich mehrfach vom Lachen der Zuschauer anstecken. Als Künstler könne man auf der FCV-Bühne die Option Lachgas buchen, sagte Ost.

Selbst „Hoppes“ Hans-Joachim Greb, der sich vor allem durch die gelungene Wiedergabe des alltäglichen zwischenmenschlichen Wahnsinns auszeichnet, hatte einen Seitenhieb auf den US-Präsidenten parat, als er von seiner Männergrippe berichtete. „Die kleinste Störung im System, ist für den Mann nicht angenehm. Und wo das hinführt – bitteschön – kann man bei Donald Trump ja sehen“, reimte der Vorsitzende des FCV.

Apple-Wahnsinn

Eine hervorragende moderne Büttenrede lieferte Johannes Bersch, der den Narren die iBütt des Herstellers Krapple vorstellte – samt Suchmaschine „Schunkel“. Der junge Mann nahm den Wahn für Apple-Produkte auf die Schippe. Der Höhepunkt war erreicht, als er mit seiner iBütt durch den Vortrag spulte, Gags in der Dauerschleife wiederholte und so tat, als sei er vorzeitig zum Ende gesprungen. Auch Bersch widmete sich dem US-Präsidenten. Mit Bezug auf die deutschen Wurzeln von Trumps Familie stimmte er ein Lied an: „Mir sind die Trumps aus der Pfalz – den Amis hängt der Donald jetzt schon aus dem Hals“.

Der Begge Peder berichtete, das Toupet seines Friseurs sei das Modell Donald Trump. „Sieht aus wie ’ne festgefahrene Schneedecke“, so der Vollblut-Komiker. Ansonsten berichtete er mit seinem markanten trockenen Humor von Beobachtungen bei Ikea, wo sich Kunden mehr aufladen, als sie im Auto nach Hause transportieren können. „Da hätte eher der Smart in den Schrank gepasst“, witzelte Peter Beck. Comedian Michael Eller drückte als Captain Comedy seine Begeisterung für den EM-Auftritt der Island-Kicker aus. Sie seien Naturtypen. Wenn Ronaldo auf dem Platz liege, wisse man hingegen nicht, ob man einen Arzt oder den Stylisten schicken solle.

Neben all diesen aktuellen Bezügen schaffte es der FCV noch hervorragend, das Kampagnenmotto „Im Himmel ist die Hölle los“ umzusetzen. Schon im Eröffnungsspiel begleitete der Gärtner des „Garten Eden“ (Christian Greb) Adam (Felix Heeg) und Eva (Bärbel Heeg) in die Hölle. Dort wurden sie vom aufwendig verkleideten Ralph Bender in der Rolle des Teufels empfangen. „Damit erfülle ich jetzt zwar euer Klischee – aber ich muss über eine Stunde in die Maske gehen“, erklärte Bender später. Er äußerte sich unter anderem zu Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter. „Das ist einer, von dem selbst ich etwas lernen kann“, meinte der Beelzebub.

Von Luther-Unterhosen

Als Gegenstück zum Teufel trat Flörsheims katholischer Pfarrer Sascha Jung auf, der sich allerdings alles andere als brav präsentierte. Jung hatte sich mit dem Luther-Jubiläum 2017 beschäftigt und festgestellt, dass es einen Fanshop gibt, der Socken mit Luthers bekannten Ausspruch „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ verkauft. „Jetzt stellen Sie sich mal vor, die hätten das auf Unterhosen gedruckt“, flachste er. Jung präsentierte eine fiktive Rechnung zur Restaurierung der Galluskirche, die mit zweideutigen Positionen gespickt war: „Dem heiligen Nepomuk den Ständer poliert“ sowie „Maria hinter dem Altar umgelegt und die Ritze gekittet“, las der Geistliche vor. Sein Vortrag endete in einem Duett mit Theresa Schmitt aus der neuen FCV-Showband. Die Band unter der Leitung des Flörsheimers Jens Meireis begleitete die Sitzung zum ersten Mal.

Tolle Tänze

Zum Thema „Hölle“ passten die Aktiven der Männertanzgruppe „Horny Hornets“, die als Werwölfe über die Bühne sprangen. Die FCV-Gruppe „Cassiopeia“ begann ihre Choreografie in Sträflingsuniformen und tanzte unter anderem zu „Highway to hell“. Bei den FCV-Tänzerinnen von „Inkognito“ dreht sich unter dem Motto „Leinen los“ alles um die Seefahrt. Die „Gruppe ohne Namen“ (GON) nahm den Alltag in einer Arztpraxis auf die Schippe. Dort bekam ein Mann, den seine Gattin nicht zu Wort kommen ließ, eine neue Ehefrau verschrieben. Patricia Lowin verwandelte sich mit ihrem Kostüm in eine dicke Frau und berichtete von ihrem Beruf als Top-Moppel. Milch sei gesund – deshalb esse sie gleich die ganze Kuh, erklärte die Rednern. Zum ersten Mal trat in diesem Jahr Stimmungssänger André Ludwig aus Wicker beim FCV auf. Das Bühnenbild war diesmal in Himmel und Hölle unterteilt, fiel aber weniger aufwendig aus als in vergangenen Jahren.

Zum großen Finale gab es schließlich noch einmal einen Bezug zum Vorjahr. Aus den Lautsprechern schallte die Melodie von „Purple Rain“ des verstorbenen Popstars Prince. Man wäre aber natürlich nicht beim FCV, wenn es nicht auch hier eine eigene Wendung gäbe: In Flörsheim lautete der Refrain „Ein Bier im Stehen“. Und dieses ließ sich Teufel Ralph Bender dann auch schmecken, während er mit seinem Gesang den Ausklang einer insgesamt sehr gelungenen Sitzung einleitete.

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