10.08.2017 03:30 | Niklaus Mehrfeld

Ralf Meik erklärt „ohne Groll“ seinen Parteiaustritt: Ex-SPD-Chef wechselt zur CDU

Hattersheim Bisher lautete in der Hattersheimer Stadtverordnetenversammlung die Sitzverteilung 20:16. Das Bündnis von CDU, FWG und FDP hatte vier Stimmen mehr als Rot-Grün. Das ändert sich nun mit dem Wechsel des Ex-SPD-Fraktionschefs zur CDU.

Archiv/Hans NietnerRalf Meik hat sein SPD-Parteibuch abgegeben und will noch in dieser Woche bei der CDU anheuern.
Archiv/Hans NietnerRalf Meik hat sein SPD-Parteibuch abgegeben und will noch in dieser Woche bei der CDU anheuern. Bild: Hans Nietner (Hans Nietner)

Die Sozialdemokraten in der einstigen Rosenstadt müssen nach der verlorenen Kommunal- und Bürgermeisterwahl einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Der einstige Partei- sowie Fraktionsvorsitzende Ralf Meik (58) hat gestern seinen Austritt aus der Partei erklärt. Sein Mandat als Stadtverordneter behält er. Meik schließt sich der Fraktion der Christdemokraten an. Den Eintritt in die CDU möchte der Hattersheimer ebenfalls in dieser Woche über die Bühne bringen. Er sei „ohne Groll“ aus der SPD ausgetreten, sagt Ralf Meik. Und wegen einer oder mehrerer Personen sei sein Austritt auch nicht erfolgt. Er habe sich aber seit der für die rot-grüne Koalition verlorenen Kommunalwahl im März 2016 gefragt, wo er besser aufgehoben sei. Die Antwort darauf hat sich Meik nun selbst gegeben.

Nicht leicht gemacht

Der bisherige SPD-Stadtverordnete hat es sich nach eigenen Angaben mit seinem Übertritt zur „Konkurrenz“ nicht leicht gemacht. Im Gegenteil. „Meine Entscheidung habe ich vielleicht zu spät getroffen. Aber ich habe gehofft, dass es sich anders entwickelt“, spielt Ralf Meik auf die Atmosphäre bei der SPD nach der verlorenen Kommunalwahl an. Hinter den Kulissen wurde heftig gegen das neue Mehrheitsbündnis von CDU, FWG und FDP sowie den Sieger der Bürgermeisterdirektwahl, Klaus Schindling (CDU), gewettert. Dies war für einen Gefühlsmenschen wie Ralf Meik auf Dauer nicht tragbar.

Mit Personen habe seine Entscheidung, der SPD-Fraktion und zugleich der Partei den Rücken zu kehren, dennoch nichts zu tun. Eben die angespannte Atmosphäre sei es gewesen, die ihn von den Genossen weggebracht hat. „Ich habe Kommunalpolitik immer als etwas begriffen, was man gemeinsam für die Stadt tun soll.“ Für ihn sei immer klar gewesen, dass man deswegen in der Kommunalpolitik die Partei nicht über alles stellen dürfe. Das hätten manche Mitstreiter anders gesehen. Während seiner Zeit als Fraktionschef habe er nie die FDP oder die CDU direkt angegriffen. Ihm sei es eben um eine Arbeit zum Wohle der Stadt gegangen. Es wäre ihm recht gewesen, wenn die angedachte Koalition von SPD und CDU zustande gekommen wäre, gibt Ralf Meik zu.

Immer zum Wohle der Stadt

Seinen Schritt findet der künftige CDU-Stadtverordnete in Verbindung mit den handelnden Personen bei der Union für nachvollziehbar. „Klaus Schindling, den ich seit vielen Jahren sehr schätze, macht als Bürgermeister einen guten Job. Das hätte ihm vorher vielleicht niemand so zugetraut“, erklärt Meik. Zudem stelle sich bisher die Arbeit der Koalition von CDU, FWG und FDP gut dar. Da er mit vielen Protagonisten der Koalition ein gutes Verhältnis pflege, falle ihm der Übertritt in das andere Lager nicht schwer. Mit Bürgermeister Klaus Schindling pflegt Ralf Meik sowieso ein gutes Verhältnis. Nicht zuletzt ihr Engagement für die Fastnacht verbindet die beiden lebensfrohen Menschen. Aber nicht nur mit dem Rathauschef, sondern auch mit Kommunalpolitikern wie Stadtverordnetenvorsteher Günter Tannenberger (CDU) sowie weiteren FDP-Mitgliedern hat Ralf Meik ein entspanntes und respektvolles Verhältnis. Wenn er sich für ein Ehrenamt engagiere, dann möchte er zugleich Spaß dabei haben, auch wenn Politiker nicht überall beliebt seien. Dass er sich mit seinem Überwechseln sicherlich kein Freunde bei den Sozialdemokraten macht, weiß der kaufmännische Angestellte.

Für Ralf Meik ist sein Schritt der Endpunkt einer Entwicklung innerhalb der neu formierten Hattersheimer SPD, die seit der jüngsten Kommunal- und Bürgermeisterwahl begonnen hatte. „Man muss sich als Partei immer kritisch hinterfragen. Viele Bürger haben sich bei der Wahl anders entschieden“, sagt Ralf Meik. Der Ex-Fraktionschef lässt anklingen, dass er sich danach mehr Selbstkritik und weniger Parteitaktik gewünscht hätte. Aber dies habe mit Personen nichts zu tun, beteuert er. Überhaupt, der Unterschied zwischen SPD und CDU sei nicht sehr groß. „Im Bund gibt es ja auch eine CDU-SPD-Koalition“, weist Ralf Meik auf die Zusammenarbeit der beiden großen Parteien hin.

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