20.03.2017 03:00 | Sascha Kröner

Hattersheimerin über Liblingsmusik und persönliche Ziele: Ex-DSDS-Star Lisa Bund: "Ich habe das nicht wegen der Kohle gemacht"

Hattersheim Sie teilte sich die Bühne mit Dieter Bohlen und campte mit Gina Wild im australischen Dschungel. Die Hattersheimerin Lisa Bund hat Promi-Luft geschnuppert und sich den Traum von der Berufsmusik erfüllt. Am Freitag trat sie mit ihrer Band bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Eddersheimer Reit- und Therapiezentrums Wiesenhof auf.

Am Wochenende trat Lisas Bund mit ihrer Band in Eddersheim bei einem Vereinsfest auf. Bilder >
Am Wochenende trat Lisas Bund mit ihrer Band in Eddersheim bei einem Vereinsfest auf. Bild: Hans Nietner

Mit 13 Jahren schwänzte sie die Schule, um heimlich bei ihrem ersten Casting mitzumachen. Die Sendung „Teenstar“ suchte damals in Frankfurt nach Teilnehmern. Es folgten weitere Castingshow-Auftritte im Fernsehen. Den Höhepunkt markiert der dritte Platz bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) im Jahr 2007. Heute kann die Hattersheimerin Lisa Bund von der Musik leben. Ein Superstar ist sie zwar nicht geworden – aber das bezeichnet die junge Frau auch nicht als ihr wichtigstes Ziel. So wie sich die 28-Jährige selbst darstellt, ist sie vielleicht gar nicht zum Star geboren. Lisa Bund präsentiert sich im Gespräch als Familienmensch mit Sinn für Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit.

Die Sängerin hatte schon früh ihren eigenen Kopf: Vom „Teenstar“-Casting ließ sie sich durch die Schulpflicht nicht abhalten. Dass ihre Eltern vom geheimen Ausflug der Schülerin erfuhren, lag wiederum an Lisa Bunds Gesangstalent: Als sie die nächste Stufe beim Casting erreichte, sprachen die Produzenten bei ihren Eltern auf den Anrufbeantworter. Die seien etwas verärgert gewesen, erinnert sich Lisa Bund. Ihren musikalischen Ziele hätten die Eltern aber nie im Weg gestanden.

Stimme für Radio FFH

Heute singt Lisa Bund im Rahmen von Ladeneröffnungen, Jubiläen oder Firmenfeiern. Sie hat zwei Bands, mit denen sie bekannte Lieder nachspielt. Zusätzlich betreibt sie gemeinsam mit einem Pianisten das Projekt „Herzmusik“, das bei besinnlichen Anlässen wie Hochzeiten gefragt ist. Obwohl die Lieder der Hattersheimerin nicht im Radio laufen, ist ihre Stimme regelmäßig dort zu hören. Sie singt nämlich den Werbeslogan für Hit Radio FFH. Angebote für Radiomoderationen hatte Lisa Bund schon auf dem Tisch. „Mir war die Musik aber wichtiger“, erklärt die 28-Jährige ihre bisherige Ablehnung.

Ohne Manager

Die DSDS-Teilnehmerin schlägt sich ohne Manager durch. „In einem Management bist du das fünfte Rad am Wagen, wenn du nicht die Nummer eins bist“, weiß die Hattersheimerin. Deshalb mache sie alles selbst. „Das einzige was ich habe, ist ein Steuerberater“, sagt Lisa Bund.

Einmaliges Duo: Lisa Bund musiziert mit Harry Kaey.
Einmaliges Duo: Lisa Bund musiziert mit Harry Kaey.
Ihre Karriere hätte wohl auch ganz anders verlaufen können. Dieter Bohlen, der bei DSDS in der Jury sitzt, habe schon vor zehn Jahren eine Helene Fischer aus ihr machen wollen, erzählt Lisa Bund. Sie habe aber nicht auf die Schlagerschiene gewollt. „Das war uncool“, beschreibt Lisa Bund ihre Auffassung. Sie hätte sogar die Chance gehabt auf dem Ballermann aufzutreten, lehnte die Rolle als Stimmungsmacher jedoch dankend ab. Im Nachhinein habe sie sich anhören müssen, sie sei bescheuert.

Doch die Hattersheimerin steht zu ihrer Meinung: „Ich wäre mir selbst fremd geworden“, sagt Lisa Bund. Sie möge zwar deutschsprachige Musik, brauche aber Texte, die einen Sinn ergeben. „Ich bin schon so der Herzensmensch“, sagt Lisa Bund. „Atemlos durch die Nacht“ – der Text habe für sie wenig Sinn. Das Gesangstalent räumt ein, dass Helene Fischer eine tolle Frau sei und „Atemlos“ eine „geile Partynummer“. Ihrem persönlicher Geschmack entspreche aber der Titel „Wie schön du bist“ von Sarah Conner.

Lisa Bund absolvierte Auftritte bei „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ und beim „perfekten Promi-Dinner“. Auf dem Höhepunkt ihrer Fernsehauftritte erkannten sie Menschen im Restaurant und beim Einkaufen. „Fans standen bei mir vor der Haustür“, erzählt die Sängerin. Mittlerweile habe sie wieder ein ganz normales Privatleben und werde nur selten auf der Straße angesprochen.

Misstrauen ist groß

Nach ihrem DSDS-Erfolg veröffentlichte Lisa Bund das Album „Born Again“. Der Musik- und Fernsehindustrie steht sie heute misstrauisch gegenüber. Als die nächste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ anstand, habe man sie fallen lassen. „Das war sehr enttäuschend“, erzählt die Hattersheimerin. Es gehe bei den Shows nicht um den Menschen, sondern nur um Geld.

Lisa Bund, aufgenommen 2010. Foto: Hans Nietner (Hans Nietner)
Lisa Bund, aufgenommen 2010.
Die 28-Jährige ist der Ansicht, genau zum richtigen Zeit bei „Deutschland sucht den Superstar“ mitgemacht zu haben. Mittlerweile gehe es in der Castingshow nur noch um Äußerlichkeiten. „Wer trägt den knappsten Bikini und das kürzeste Kleid“, seien die Bewertungskriterien. Unter diesen Bedingungen würde sie heute nicht mehr teilnehmen, sagt Lisa Bund. Kontakte zu Prominenten aus der Fernsehzeit hat sie nicht mehr. „Ich hasse Oberflächlichkeit“, betont die junge Frau. Vieles in der Glamourwelt sei ihr zu oberflächlich. Zwar habe sie mit niemanden Streit, aber Freundschaften seien eben auch nicht erhalten geblieben.

Apropos Freunde: Der anfängliche Erfolg sei in jungen Jahren schwer mit ihrem Freundeskreis vereinbar gewesen, erzählt die Sängerin. Es sei schwierig gewesen, weil sie immer automatisch im Mittelpunkt stand. „Da waren viele angepisst“, gibt Lisa Bund zu. Sie habe außerdem gelernt zu schauen, wer es wirklich ernst mit ihr meine.

„Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte“, sagt die Hattersheimerin. Auch Teilnahmen beim Dschungelcamp, wo sie sich im Jahr 2008 Käfer in den Mund stopfte, oder den Einzug in den Big Brother-Container im Jahr 2011 bereue sie nicht. „Ich habe das nicht wegen der Kohle gemacht, sondern um weiterhin im Gespräch zu bleiben“, erklärt Lisa Bund. Dabei habe sie sich nie die ganz große Karriere erhofft. „Mich macht das glücklich, was ich jetzt mache“, so die 28-Jährige. Wenn Leute kritisieren, dass sie auf Hochzeiten singen „müsse“, ärgert sich die Hattersheimerin. „Mir ist an erster Stelle wichtig, dass die Leute die Musik toll finden“, betont sie.

Zittern nach Hörsturz

Schlimm wäre es für Lisa Bund, wenn sie plötzlich gar nicht mehr singen könnte. Ein Hörsturz Anfang des Jahres sorgte dafür, dass sie um ihre Zukunft zitterte. Als sie nach einer erfolgreichen Operation wieder vollständig hören konnte, kam Erleichterung auf. Da musste sich der Kurzzeit-Promi eingestehen, dass das Musikgeschäft mit sehr vielen Anstrengungen verbunden ist. „Das kostet sehr viel Kraft.“

Eine Aufnahme von 2014: Lisa Bund und einige ihrer Fans.
Eine Aufnahme von 2014: Lisa Bund und einige ihrer Fans.
Die Sängerin ist sich nicht zu schade dafür, ab und zu im Dessous-Geschäft ihrer Mutter in Mainz auszuhelfen. Als ihre Eltern vor einiger Zeit krank waren, hat sie den Laden sogar selbständig weitergeführt. Erst vor drei Jahren sei sie dann wieder komplett ins Musikgeschäft eingestiegen. „Familie hatte für mich immer Priorität“, betont Lisa Bund. Deshalb plant das Musiktalent auch schon, eine eigene Familie zu gründen.

Noch in diesem Jahr will Lisa Bund ihren langjährigen Freund heiraten. Der Rummel der DSDS-Zeit sei auch für ihren Partner schwer gewesen. „Das hält nicht jede Beziehung aus“, weiß die Hattersheimerin. Sie freue sich darauf, irgendwann ihrem Kind von der bewegten Zeit erzählen zu können. Dass sie Nachwuchs bekommen möchten, stehe für sie und ihren Bald-Ehemann schon fest.

Noch hat es Lisa Bund aber nicht eilig: Wenn sie ein Kind kriege, wolle sie auch Zeit dafür haben und nicht ständig bei auf der Bühne stehen.

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