14.09.2017 03:30 |

Tennisclub Eppstein wird 60: Erst Karten, dann Filzbälle kloppen

Eppstein Dank seit Jahren stabiler Mitgliederzahlen kann sich der Tennisclub Eppstein zum 60-jährigen Bestehen nicht beklagen. Insgesamt betrachtet, hat der Tennissport aber im Vergleich zu den 80ern und 90ern deutlich an Popularität eingebüßt.

Zwei Routiniers, die beim TC noch selbst auf dem Platz stehen: Barthel Sauveur (links) ist Vorsitzender, Gerd Marquordt sein Vorgänger. Bilder >
Zwei Routiniers, die beim TC noch selbst auf dem Platz stehen: Barthel Sauveur (links) ist Vorsitzender, Gerd Marquordt sein Vorgänger. Bild: Hans Nietner

„Wenn die Flut kommt, dann steigt auch bei uns das Schiff“, erklärt Barthel Sauveur, Vorsitzender des TC Eppstein, mit Blick auf den großen Tennis-Boom in den 80ern. Dank der Erfolge der beiden Tennis-Asse Boris Becker und Steffi Graf, die eine Welle der Euphorie durch ihre Turniersiege lostraten, erfreuten sich in ganz Deutschland Vereine über großen Zuwachs bei den Mitgliedern. Beim TCE kam noch dazu, dass zu dieser Zeit mit Dieter Ecklebe ein bestens vernetzter, ehemaliger Daviscup-Spieler als Präsident des Clubs agierte. „Dank ihm konnte man in Eppstein viele namenhafte Spieler sehen“, sagt Sauveur, „darunter den Wimbledonfinalisten Wilhelm Bungert“.

Andrang auf der Anlage

In seiner besten Zeit zählte der TCE über 500 Mitglieder (siehe Info). Eine stolze Zahl, die aber für einen – was die Infrastruktur angeht – relativ kleinen Verein nur aus zwei Gründen zu meistern war: „Erstens gab es unter den Mitgliedern auch einige Karteileichen“, schmunzelt Sauveur, „und zweitens musste man vor dem Spielen mit langen Wartezeiten leben“. Gerade für berufstätige Langzeitmitglieder ärgerlich, die nun plötzlich nach dem Feierabend nicht einfach so ein paar Bälle schlagen konnten. „Dadurch ist dann auch unsere Anlage gewachsen“, ergänzt Gerd Marquordt, der die Geschicke des Clubs von 2004 bis 2009 leitete. Von anfangs zwei Plätzen erhöhte der TC in Zweierschritten auf acht Spielfelder; gebaut wurden ein Clubhaus und die Terrasse. Kluge Investitionen, denn im Gegensatz zu den Mitgliederzahlen bleiben diese Anlagen auf Dauer erhalten.

Als die allgemeine Tenniseuphorie abklang, da gingen auch die Mitgliederzahlen in Eppstein zurück. „Das ging runter bis auf 300“, erinnert sich Sauveur. „Mit dem Ausbau des Vereinsgeländes wollte man für die Mitglieder attraktiv bleiben, in der Hoffnung, sie bleiben dem Verein treu. Das hat leider nicht ganz hingehauen.“

Die Lichtgestalt fehlt

Zuletzt hat sich der TC wieder bei 350 Mitgliedern erholt. Bei 80 Prozent Aktiven, darunter fast ein Drittel Jugendliche, ist der Verein solide aufgestellt. „Das sind gute Zahlen, aber optimal wären bei einem Verein mit acht Plätzen rund 400 Mitglieder“, erklärt Sauveur. Um diese zu erreichen, würde eine neue Lichtgestalt des deutschen Tennis, so wie es Becker und Graf einst welche waren, nicht schaden, sind sich Sauveur und Marquordt einig.

„Gerade um die Kinder und Jugendlichen zu begeistern, braucht es Idole“, sagt Marquordt, „und beispielsweise mit den Zverev-Brüdern tut sich da ja auch was“. An Talenten mangelte es in Deutschland nie, doch wirklich langfristig in der Welt-Elite festsetzen konnte sich zuletzt niemand. „Bisher plätschert es nur, aber wir bräuchten eine neue Flutwelle“, greift Sauveur sein Bild wieder auf. Immerhin: Beim Jubiläumsfest mit vielen Aktionen war schon einiges los auf der Anlage.

Doch selbst mit einem neuen Superstar aus heimischen Gefilden gäbe es keine Garantie auf einen abermaligen Boom. „Da spielen der PC und die Fummelgeräte bei den Jugendlichen mittlerweile eine zu große Rolle“, weiß der aktuelle Vorsitzende. Dabei ist der Tennissport ein Ausgleich zum ohnehin schon sehr computerlastigen Alltag und lässt sich darüber hinaus bis ins Alter betreiben. Sowohl Barthel Sauveur als auch Gerd Marquordt gehen mit 73 respektive 75 Jahren noch immer auf den Court. Mit langen Wartezeiten müssen sie sich dabei nicht herumschlagen.

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