14.09.2017 03:00 | Walter Mirwald

1960 wurde das historische Gemäuer abgerissen: Erhalt der Schwalbacher Burg war zu teuer

Schwalbach Von etwa 1345 bis 1960 gab es in Schwalbach eine Burg. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Darüber gibt es aber viel zu erzählen.

Wolfgang Goos mit einem Modell der alten Burg. Somit bekamen die Teilnehmer seiner interessanten Führung einen Eindruck von dem alten Gemäuer, das 1960 abgerissen wurde.   Foto/Repro: Hans Nietner
Wolfgang Goos mit einem Modell der alten Burg. Somit bekamen die Teilnehmer seiner interessanten Führung einen Eindruck von dem alten Gemäuer, das 1960 abgerissen wurde. Foto/Repro: Hans Nietner Bild: Hans Nietner

Das ist gar nicht so einfach. Da stehen mehr als 20 an der Geschichte ihrer Stadt interessierte Bürger vor dem Feuerwehrgerätehaus und vorm Baustoff-Fachhandel Moos und sollen sich vorstellen, dass an dieser Stelle etwa um 1345 eine Burg errichtet wurde, die erst 1960 dem Abrisshammer zum Opfer fiel. Zum besseren Verständnis trugen ein kleines Modell der historischen Anlage, das vor einigen Jahren von dem Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Roland Vay, gebaut wurde, ein altes Foto und vor allen Dingen die Informationen des Heimatkundlers Wolfgang Goos bei. Goos schilderte, was die alten Rittersleut vor vielen Hundert Jahren in Schwalbach alles so getrieben haben.

1345 erstmals erwähnt

„Alles fort, hier steht jetzt die Firma Moos“, begann Wolfgang Goos seinen Exkurs zur Geschichte der Burg, die 1345 erstmals erwähnt wurde. Sie war Sitz der Schwalbacher Ritter. Der Letzte, Lorenz von Schwalbach, ist 1569 gestorben. Dann wechselten im Laufe der Jahre immer wieder die Burgherren. Nachdem das Geschlecht der Grafen von Stolberg zu Königstein ausgestorben war, hatte die Grafschaft Kurmainz die Finger mit im Spiel. Im Dreißigjährigen Krieg, so Goos, haben die Braunschweiger die Burg angezündet. Warum? Goos: „Weil Schwalbach katholisch war, das evangelische Steinbach ist unbeschadet davongekommen.“
 

Ein Bild der Schwalbacher Burg aus dem Stadtarchiv. Foto: Hans Nietner (Hans Nietner)
Ein Bild der Schwalbacher Burg aus dem Stadtarchiv.

Von 1669 an war die Schwalbacher Burg im Besitz der Herren von Greiffenclau. Wolfgang Goos: „Die haben dort nie selbst gewohnt.“ Ein Verwalter namens Kraus lebte in dem Gemäuer. Dies sei ein Vorfahre der heutigen Gaststätte „Mutter Krauss“.

Wolfgang Goos hält Vermutungen, dass es sich an diesem Standort unmittelbar vor dem Zusammenfluss von Waldbach und Sauerbornsbach um ein Wasserschloss gehandelt hat, für falsch: „Da fällt das Gelände ab, deshalb kann das keine Wasserburg gewesen sein.“

Goos weist auf den riesigen Landbesitz der Domäne von 120 Hektar hin, der zu einem Großteil dem Land Hessen zufiel, nachdem der letzte Pächter 1930 auf dem Gut den Betrieb einstellte. Deshalb sei es später auch möglich gewesen, die Limesstadt in Schwalbach zu errichten, weil große Teile des Geländes in einer Hand waren.

Das einst herrschaftliche Haus war zuletzt in einem baufälligen Zustand. Obwohl der Landeskonservator das historische Gebäude als „sehr wertvoll“ beurteilte, war niemand bereit, das Objekt zu sanieren oder zu restaurieren. Weder das Land Hessen noch der Main-Taunus-Kreis oder die Gemeinde Schwalbach konnten das finanziell stemmen. Hinzu kam, dass der Zeitgeist damals von der Aufbauphase des Wirtschaftswunders geprägt war und Erhaltung und Denkmalschutz von historischen Gebäuden nur wenig gefragt war. Außerdem hatten auch die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg am Burg-Gebäude starke Schäden hinterlassen.

„Weg mit dem Plunder“

Heute mag man es bedauern, dass im Jahr 1960 dieses historische Bauwerk verschwunden ist. Dazu stellt der Heimatkundler Wolfgang Goos fest: „Der Abriss wird zu Recht bedauert, aber zu Unrecht skandalisiert. Der Erhalt der Burg hätte damals 100 000 D-Mark gekostet. Da gab es aus damaliger Sicht wichtigere Dinge zu finanzieren, zum Beispiel den Bau von Schulen.“ Damals, so Goos, „hieß es doch ,Weg mit dem Plunder‘“.

Zum Motto „Macht und Pracht“ zum „Tags des offenen Denkmals“, bei dem die Kirche St. Pankratius die zweite Station war, sagte Wolfgang Goos: „Von der Pracht in den höfischen Palästen kam früher in den Dörfern wenig an. Übriggeblieben waren die Kirchen. Deshalb zog es die Menschen aus ihrem Elend in die Gotteshäuser, um dort Hoffnung und Mut zu schöpfen.“

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