12.10.2017 03:30 | Brigitte Kramer

Emmanuel Langlois-Meurinne: Ein Franzose mitten in Deutschland

Eigentlich wollte Emmanuel Langlois-Meurinne mit seiner Familie nur kurz in Deutschland bleiben. Warum daraus schon mehr als 25 Jahre wurden, hat er im Gespräch mit dem Kreisblatt verraten.

Emmanuel Langlois-Meurinne fühlt sich in Bad Soden wohl.
Emmanuel Langlois-Meurinne fühlt sich in Bad Soden wohl.

Eigentlich wollte die Familie nur ein paar Jahre in Deutschland bleiben. Mittlerweile sind daraus mehr als 25 Jahre geworden. Und wenn man Emmanuel Langlois-Meurinne fragt, ob er irgendwann einmal in sein Heimatland Frankreich zurückkehren möchte, kommt seine Antwort eher zögerlich. „Hier bin ich ein Franzose in der Mitte von Deutschen. In Frankreich bin ich nur in der Mitte von Franzosen.“

Drei Jahre war das älteste Kind, ihre Tochter, zudem brachten Aude und Emmanuel Langlois-Meurinne einen Baby-Sohn mit, als sie nach Bad Soden zogen. Drei weitere Söhne kamen hier auf die Welt. „Wir fanden die Luft im Taunus gut“, scherzt Langlois-Meurinne, „um eine große Familie zu haben“. 18 Jahre war der Familienvater im Bankenbereich tätig, hat französisch-sprechende Kunden von Frankfurt aus im Ausland betreut. Nach der Finanzkrise 2008 habe er sich als Personalberater selbstständig gemacht, berichtet der 57-Jährige, und vermittele zwischen deutschen und französischen Unternehmen. „Durch das Leben in Deutschland haben wir uns viel mehr geöffnet.“

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Er müsse seinen Rotwein nicht aus Frankreich importieren, den er ohnehin in Bad Soden bei einem französischen Weinhändler bekomme. Außerdem stünden verschiedene, portugiesische oder italienische Weine, bei ihnen auf dem Tisch. Bei ihren französischen Freunden, „mit denen wir gern zusammen sind“, wie Langlois-Meurinne hervorhebt, sei es ihnen wichtig, „dass sie offen für die deutsche Sprache sind“. Seit einigen Jahren treffen sie sich in einer Runde mit Deutschen, um Französisch mit ihnen zu sprechen. Themen, wie beispielsweise die Politik, kämen dann zur Sprache, zu denen sich jeder äußern könne. Dabei ist Langlois-Meurinne aufgefallen, dass die Deutschen bei dem Thema sehr kritisch sind.

Zu der Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich, dem engen Kontakt zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron, hat Langlois-Meurinne einen klaren Standpunkt: „Das sind zwei Charaktere, die in Europa etwas verändern wollen.“ Er habe Macron gewählt und hoffe, dass er das schafft, sagt Langlois-Meurinne. Die meisten Menschen wüssten, dass sich einiges ändern müsse, aber keiner wolle Veränderungen vor seiner eigenen Tür. „Heute wird in Frankreich wieder gestreikt“, fügt er als Bestätigung hinzu.

Was Deutschland für die Flüchtlinge gemacht hat, findet Langlois-Meurinne „außergewöhnlich“. In Frankreich seien die Leute viel zurückhaltender. Er erwähnt die vielen Ehrenamtlichen, die sich hier engagierten und versuchten, die Menschen zusammenzubringen. Die Initiativen, die sich hier formiert haben, bewundert er und engagiert sich auch selbst. Denn die Flüchtlinge bekämen zwar Geld, Wohnung und Kurse in Deutsch, müssten aber auch Gelegenheit bekommen, wie man mit den Leuten auf der Straße spricht.

Dass Emmanuel Langlois-Meurinne anderen Kulturen aufgeschlossen gegenüber steht und fließend Deutsch spricht, kommt nicht von ungefähr. In der Schule hat er Deutsch gelernt und wohnte nach dem Abitur einige Monate in Salzgitter. Doch das Bewusstsein, andere zu respektieren, wurde ihm im Elternhaus mitgegeben. Schon sein Großvater habe Deutsch und Englisch gesprochen. „Ich habe nie ein schlechtes Wort über Deutschland gehört.“ Und das haben die Eltern Langlois-Meurinne ihren Kindern weiter gegeben. Alle fünf – die Tochter und vier Söhne – sind hier aufgewachsen, in deutsche Schulen gegangen und haben ihre Wurzeln hier, betont der Vater. Doch gleichermaßen ziehe es sie zur Großfamilie, die in Frankreich lebt. Die Tochter wohne in Toulouse, ein Sohn habe sein Studium in Köln abgeschlossen und der Jüngste absolviere nach seinem Abitur gerade ein soziales Jahr in Peru. Ein Leben zwischen den Welten.

Dass Frankreich jetzt Gastland bei der Buchmesse ist, begrüßt Langlois-Meurinne. Er lese gern und viele Bücher und zählt spontan den französischen Autor Daniel Foekinos auf, der aktuell ein Buch über die deutsch-jüdische Künstlerin Charlotte geschrieben habe, die in einem deutschen KZ umkam. Sie war von der französischen Polizei ausgeliefert worden

Dass die Verschwisterung zwischen Bad Soden und Rueil Malmaison, die seit über 40 Jahren existiert, weiter leben wird, steht für Langlois-Meurinne außer Frage. Er spüre, „dass dazu in beiden Städten ein fester Wille besteht“.

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