14.09.2017 03:30 | Andreas Schick

Auf Tuchfühlung mit Polen: Der "Außenminister" reagiert auf Zwischentöne der SPD

Eschborn Wie steht es um die Städtepartnerschaften Eschborns? Sabine Blum-Geenen, Fraktionschefin der Genossen, machte kürzlich Anmerkungen, über die Wolfram Schuster stolperte. Er ist Vorsitzender des Städtepartnervereins.

Wolfram Schuster ist Vorsitzender des Städtepartnervereins. Bilder >
Wolfram Schuster ist Vorsitzender des Städtepartnervereins.

Ein Rundumschlag war’s nicht, auch keine Generalkritik. Aber doch blieben die Zwischentöne hängen, die Sabine Blum-Geenen (SPD) anschlug. Eigentlich redeten die Eschborner Stadtverordneten darüber, wie die beiden neuen Kreisel gestaltet werden sollen. Auch die Städtepartnerschaften, so regte die CDU an, könnten sich dabei in irgendeiner Form niederschlagen.

„Mit mehr Leben füllen“

Die SPD-Fraktionschefin merkte beiläufig an, dass Eschborns Städtepartnerschaften „ja nicht besonders lebendig“ seien. Ziel müsse es doch eher sein, „sie mit mehr Leben auszufüllen“. Überlegenswert sei es auch, „neue Partnerschaften einzugehen“. Kontakte hat die Stadt Eschborn bislang nach Malta (Zabbar), Portugal (Póvoa de Varzim) und Frankreich (Montgeron).

Wolfram Schuster, CDU-Politiker, ehrenamtlicher Stadtrat und Vorsitzender des Städtepartnervereins, hörte Blum-Geenens Äußerungen. „Ich weiß nicht, warum sie da so kritisch ist“, sagt der Mann, der eine Art „Außenminister“ Eschborns ist, seit Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) das Dezernat für Internationale Angelegenheiten unter seine Fittiche genommen hat. Natürlich sollten „nicht nur die Offiziellen der Städte hin- und herfahren“, betont Schuster. Erst vor wenigen Monaten besuchte eine größere Gruppe von Eschbornern die portugiesischen Freunde, erzählt er.

Schuster und all die anderen Kenner der Städtepartnerschaften wissen aber auch, dass die Portugiesen und Malteser nicht auf Rosen gebettet sind. Ihnen fällt es schwer, den Flug nach Deutschland und den Aufenthalt zu finanzieren. Deswegen reisen, wenn überhaupt, meist nur Mini-Delegationen an. „Das geht gleich richtig ins Geld“, weiß Stadtarchivar Gerhard Raiss, der die Partnerstädte so gut wie kein zweiter Eschborner kennt. Dutzende Male reiste er nach Malta, Frankreich und Portugal, weil er sprachlich begabt und ein wichtiger Kontaktmann für den künstlerisch-kulturellen Austausch ist.

Beim jüngsten Besuch auf Malta stöberte der Historiker in einer Zeitung und entdeckte eine Stellenanzeige. Raiss: „Gesucht war ein Bäcker mit drei Jahren Berufserfahrung, der unterm Strich 800 Euro rausbekommt.“ Bürobedienstete auf Malta stehen nach Raiss’ Einschätzung nicht viel besser da. Von einem solchen Verdienst lassen sich keine großen Sprünge machen. Die Eschborner zapften zwar schon mal ihren städtischen Etat an und bezahlten zum Beispiel den Maltesern die Deutschland-Flüge und den Aufenthalt. Aber die Besucher, so wissen die Eschborner, kämen sich dann wie Bittsteller vor. Auch die Eschborner Bürger müssen aufs Geld achten. Einfacher ist es daher mit Partnern und Zielen, die mit dem Bus erreichbar und mit geringeren Reisekosten verbunden sind. Das würde mit Montgeron klappen. Beim Kontakt nach Frankreich hakt es derzeit aber. Nach einigen Turbulenzen und angeblicher Unterschlagung löste sich der Partnerschaftsverein in Montgeron auf. Die Franzosen sortieren sich neu.

Nicht mehr zeitgemäß?

Wolfram Schuster sagt, in Zeiten der Globalisierung und der neuen Medien, die einen permanenten Austausch ermöglichen, sähen viele Leute „nicht mehr die Notwendigkeit, Städtepartnerschaften einzugehen“. Schuster findet’s schade. Denn Reisende wissen: Persönliche Kontakte und Erlebnisse verschaffen intensivere Eindrücke als die digitale Welt.

Obwohl die Stadt Eschborn drei Partnerstädte hat, denken der Verein und Schuster darüber nach, die Kontakte „in Richtung Osteuropa“ auszubauen. Schuster: „Wir haben den einen oder anderen Ort im Auge.“ Kontakte gebe es beispielsweise in eine polnische Stadt. Bis zu einer neuen Städtepartnerschaft ist es aber noch ein weiter Weg. Der Versuch, in England eine Partnerstadt zu finden, scheiterte vor einigen Jahren.

(ask)

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