13.09.2017 03:30 | Frank Weiner

Forscher Joachim Zeune hat neue Befunde zur Burg Eppstein entdeckt: Das Tor zur Geschichte öffnet sich

Eppstein Beim Tag des Offenen Denkmals berichtet Museumsleiterin Monika Rohde-Reith von den Erkenntnissen. Sie sollen auch Teil eines neuen Multi-Media-Guides sein.

Der Ausgangspunkt für die Untersuchungen: Bei Arbeiten am Mainzer Keller wurde dieser Raum samt historischem Boden entdeckt.
Der Ausgangspunkt für die Untersuchungen: Bei Arbeiten am Mainzer Keller wurde dieser Raum samt historischem Boden entdeckt. Bild: Hans Nietner

Eigentlich sollte Mark Scheibe die Besucher in die Zeit um 1800 entführen, als die Franzosen durch die Region zogen. Als Ingenieur Tranchot wollte der bekannte Historiker beim Tag des offenen Denkmals entscheiden: Soll die Burg Eppstein zur Festung ausgebaut oder für einen Abbruch versteigert werden? Doch Scheibe war erkrankt, Museumschefin Monika Rohde-Reith sprang ein und spekulierte: „Vielleicht ist er deshalb krank, weil er die Burg abreißen lassen wollte.“

Die Expertin hatte wissenswerte Alternativen mitgebracht, die aufhorchen ließen: Im Zuge der Arbeiten am Kelterhaus (siehe Info) untersuchte Burgerforscher Joachim Zeune auch die Umgebung – und stieß auf alte Mauerreste, vermutlich aus dem 11. Jahrhundert. Zeiten, aus denen weniger bekannt ist.

Mindestens 20 Meter hoch

Zeune bringt nun mit den Befunden ein wenig Licht ins Dunkel: Er vermutet, dass es im heutigen Burghof in Richtung Mainzer Keller einen quadratischen Wohnturm, rund 10 Meter breit und mindestens 20 Meter hoch, gegeben haben muss. Es sei allgemein bekannt, das die großen Burgen solche Türme als Statussymbole hatten, sagt Zeune auf Kreisblatt-Anfrage. Er habe sich bei seinen bisherigen Untersuchungen „schon gewundert, wo die alten Mauern in Eppstein sind“. Das entdeckte, kleinformatige Steinmaterial lasse jedenfalls auf eine andere Epoche schließen. Denn die heute erhaltene Bausubstanz stammt vornehmlich aus dem 14. und 15. Jahrhundert – darunter auch der Palas und der Bergfried.

Damit nicht genug: Bei Bauarbeiten östlich der Burg machte das Vermessungsamt eine spezielle Scan-Aufnahme des Gebietes von oben, bei der die tiefsten Punkte sichtbar und zum Beispiel Pflanzen unsichtbar gemacht werden. Dabei sei ein Grabensystem entdeckt worden, berichtet Zeune. Er vermutet, dass dies Teile einer Vorburg sind, „Reste von Baulichkeiten“. Solche Stellen gehörten nicht zur eigentlichen Herrschaftsburg, dort sei vielmehr der Wirtschaftsbereich mit Stallungen, Scheunen gewesen. All das sei für Eppstein nicht belegt, aber in diesem Fall im historischen Kontext schon „seriös spekuliert“.

Flaschen, Krüge, Fliesen

Die Befunde aus dem Kelterhaus direkt, das durch ein neues Fenster jetzt angeschaut werden kann, stehen noch aus. Zeune betont aber, „es steckt mehr drin, als auf den ersten Blick zu sehen ist“. Monika Rohde-Reith hat indes dort schon einige Dinge gesichert, die sie bei ihrer Denkmal-Führung auch präsentiert: alte Flaschen zum Beispiel, ein, Reste eines Bartmannskruges, verzierte und glasierte Scherben und Fliesen oder auch Überbleibsel von Irdenware aus Keramik. Das alles werde aufgearbeitet und dann im Museum zu sehen sein.

In jedem Fall sei auch der mögliche alte Turm ein Machtsymbol der Burg gewesen, freut sich Monika Rohde-Reith über die Entdeckung. Sie weiß: „Die frühen Phasen muss man sich bescheiden, aber trotzdem herrschaftlich vorstellen.“ Seidenstoffe für Kissen oder goldene Glöckchen für die Vögel seien nur zwei Beispiele für den Prunk.

Die neuen Befunde sind Teil eines Projektes, das der Burgvereins im Oktober vorstellen wird. Es wird zunächst zwei neue, modernere Multimedia-Guides für Rundgänge geben. Die alten Geräte sind lichtempfindlich. Auf den Tablets sollen neben den bereits gedrehten Filmen auch Bilder zu den neuen Erkenntnissen zu sehen sein.

(wein)

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