20.03.2017 03:30 | Alexandra Flieth

Verwaltungsstelle im Bolongaropalast: Bürostuhl bis zum Ficus: Auf Beutejagd in Beamtenstuben

Höchst Die Sanierung des Bolongaropalasts steht an; dafür müssen die Räume vorher komplett ausgeräumt werden. Manches Stück, das dort in der Vergangenheit lagerte, wird in Zukunft nicht mehr benötigt. Bei einem Sonderverkauf wechselten jetzt Büromöbel aus den Amtsstuben für kleines Geld den Besitzer.

Schon zu Beginn des Büromöbelverkaufs wurde es richtig voll im Untergeschoss des Palasts.
Schon zu Beginn des Büromöbelverkaufs wurde es richtig voll im Untergeschoss des Palasts. Bild: Maik Reuß

Der Andrang ist groß, als die Räume zum ehemaligen Bürgeramt im Bolongaropalast geöffnet werden. Zahlreiche Leute nutzen die Gelegenheit, um auf Schnäppchenjagd zu gehen. Bevor es losgeht mit den geplanten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen des Prunkbaus und Wahrzeichens von Höchst, heißt es für Verwaltungsstellenleiter Henning Brandt: ausmisten. Er hatte zu dem Sonderverkauf eingeladen.

Für kleines Geld

In der Vergangenheit waren im Bolongaropalast verschiedene Ämter untergebracht. „Neben dem Bürgeramt, war hier auch das Stadtvermessungsamt und das Versicherungsamt“, führt Brandt auf. Jedes von ihnen habe bei seinem Auszug Dinge zurückgelassen wie Schränke, Tische, Lampen oder Stühle. Für kleines Geld können Vereine und interessierte Privatleute das eine oder andere Stück erwerben. Und das wird genutzt, schließlich hat jedes Teil auch seine individuelle Geschichte. Hausmeister Benjamin Geiling hat die Präsentation des Sonderverkaufes vorbereitet und Möbel sowie kleinere Büro-Utensilien wie Kartei- und Ablagekästen ins Erdgeschoss gebracht. Mit dem Sackkarren und ganz ohne Aufzug. Denn so etwas Neumodisches gibt es in dem Prunkbau (noch) nicht, der in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Dort, wo früher das Bürgeramt untergebracht war, sind die Sachen aufgestellt, darunter sind unter anderem auch gut 50 Klappstühle aus Metall. Drei Euro pro Stück sollen diese kosten. Schnell finden sich erste Abnehmer für das Angebot.

„Die Klappstühle wurden früher als Besucherstühle etwa bei Konzerten oder parlamentarischen Sommerabenden im Garten des Bolongaropalastes aufgestellt“, weiß Brandt. Er ist bestens auf den Verkauf vorbereitet. Leger in Jeans und Karo-Hemd gekleidet, notiert der Verwaltungsstellenleiter jedes einzelne Stück, das den Besitzer wechselt. „Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen erst einmal in die Stadtkasse“, erzählt er.

Pflanzen im Angebot

Mit gelben Klebezetteln wird Verkauftes markiert, die neuen Besitzer tragen ihre erworbenen Schätze schnell zum Auto – etwa mit Stoff bezogene Sitze, auf denen einst Bürger auf ihren Termin beim Amt warteten. Spinde, Büroschränke, Lampen und sogar ein knapp drei Meter hoher Ficus – eine schon Jahrzehnte alte Büropflanze – finden rasch neue Liebhaber.

Bei Preisen, die sich hauptsächlich zwischen 50 Cents und acht Euro bewegen, ist es auch kein Wunder, dass sich die zum Verkauf stehenden Gegenstände nach etwas mehr als einer Stunde bereits sichtlich reduziert haben. „Das teuerste Stück hat 30 Euro gekostet und war ein Heizluftofen“, erzählt Hausmeister Benjamin Geiling. Für einen ungewöhnlich großen Ficus haben die neuen Besitzer 20 Euro bezahlt.

Brandt blickt auf seine Notizen und schätzt, dass nach etwas mehr als einer Stunde bereits rund 150 Teile verkauft sind. Doch es ist immer noch einiges da, beispielsweise klassische Büroschränke aus Holz, die aus der Zeit um Ende der 60er bis 70er Jahren stammen.

Auch der Höchster Messerschmied Peter Abel schaut sich um und hat Schränke für seine Werkstatt erworben. Immer wieder schauen weitere potenzielle Käufer vorbei, auch wenn der Andrang nicht mehr ganz so groß ist wie zu Beginn.

Einer von den späteren Stöberern ist Helmut Bode. Er hat sich für einen kleineren Holzschrank entschieden, außerdem für sechs der Klappstühle aus Metall. Den Holzschrank bekommt er für acht Euro. Er soll, wie er verrät, künftig als Kleiderschrank genutzt werden. Dass das Stück einst in einem Büro gestanden hat, davon zeugt ein Aufkleber mit dem Schriftzug „Ich arbeite gern“, der an der Seitenwand des Schrankes prangt. „Ich bin spontan vorbeigekommen“, sagt Bode. Der Nachbar habe ihm von dem Verkauf erzählt.

Immer noch was übrig

„Wir hatten so viele Büromöbel, dass wir die Büros für die Bauleitung, die in der ersten Etage des östlichen Gartenpavillons untergebracht ist, komplett damit einrichten konnten. Trotzdem ist noch viel übrig geblieben, das nun verkauft werden soll“, erzählt Brandt. Er schätzt, dass am Ende der dreistündigen Aktion ein hoher dreistelliger Betrag zusammengekommen ist und freut sich sichtlich über das Interesse der Leute.

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