10.10.2017 03:30 | Niklaus Mehrfeld

Bilanz nach einem Jahr: Bürgermeisters Klaus Schindling: Hat er gehalten, was er versprochen hat?

Hattersheim Er kam als Quereinsteiger und sagt selbst von sich, dass er viel dazu lernen musste. Doch Klaus Schindling gibt sich unerschrocken und konnte in der Stadt schon einiges bewegen.

Obwohl Klaus Schindling viel Zeit hinter seinem Schreibtisch verbringt, nimmt er selbst weiterhin viele Gratulationsbesuche wahr.
Obwohl Klaus Schindling viel Zeit hinter seinem Schreibtisch verbringt, nimmt er selbst weiterhin viele Gratulationsbesuche wahr.

Wer in einer Kommunalverwaltung arbeitet, weiß das aus dem Effeff: Rund drei Jahre „Lern- und Lehrzeit“ benötigt im Durchschnitt ein Rathauschef, bis er mit Fug und Recht behaupten kann, in seinem Amt den Durchblick zu haben. Da die Amtszeit der hauptamtlichen Bürgermeister in Hessen sechs Jahre beträgt, haben sie zum Beginn ihrer Karrieren also rein theoretisch nur die Hälfte ihrer Amtszeit zur Verfügung, um sich zu profilieren.

Im Oktober des Vorjahres trat Klaus Schindling sein Amt als Bürgermeister an. Dem CDU-Mann ergeht es genau so wie seiner Vorgängerin Antje Köster (SPD). Das erste Jahr ist eine Eingewöhnungsphase, die nicht nur dem Kennenlernen der städtischen Mitarbeiter, sondern auch der besonderen Probleme einer Kommune gewidmet ist. So prasselten gleich zu Beginn seiner Amtszeit zahlreiche Informationen auf den neuen Verwaltungschef ein.

Wie er es gewohnt war

Da Klaus Schindling von seiner vorigen Tätigkeit als Geschäftsführer eines Unternehmens gewohnt war, die Dinge anzupacken, begann er auf diese Art und Weise im Rathaus im Nassauer Hof zu arbeiten. „Ich war mir darüber im Klaren, dass ich da viele neue Schauplätze eröffnet habe. Die Arbeit, die dann zu einem Ergebnis führen soll, ist enorm“, erklärt der Rathauschef. Er sei angetreten, „um zu liefern, was ich versprochen habe“. Zu diesen „Lieferungen“ zählen die Schaffung von neuen Betreuungsplätzen für Kinder sowie die Schulkinderbetreuung. Weitere „Lieferwaren“ sind die Verabschiedung eines Nutzungskonzeptes für die noch geschlossene Stadthalle, die Auftragsvergabe für deren „Revitalisierungsmaßnahmen“ sowie die Sanierungen der Sportanlagen in Okriftel und Hattersheim, für die neue Kunstrasenplätze geplant sind.

Zusage des Landes

Im nächsten Jahr soll zudem mit dem Bau eines Gebäudes beim FC Eddersheim begonnen werden. Ist dies alles noch Zukunftsmusik, so gibt es bereits erste Früchte der Arbeit von Bürgermeister Schindling zu ernten. Zu denen gehört die Zusage des Landes Hessen, die Deich-Sanierung in Eddersheim zu finanzieren. Mehrere Gesprächsrunden seien dazu notwendig gewesen, um das Land von der Kostenübernahme zu überzeugen. Verbessert hat sich nach Darstellung von Klaus Schindling zudem der Zustand bei manchen öffentlichen Flächen. Noch immer achtet der Rathauschef bei seiner Fahrt zum Rathaus oder auf dem Nachhauseweg nach dem Zustand der Grünanlagen. Bei entsprechenden Vorkommnissen gibt er seine Beobachtungen an die zuständige Abteilung weiter.

Doch die bessere Außendarstellung im Stadtgebiet ist nur eines von vielen Bereichen, in denen Klaus Schindling den Hebel angesetzt hat. „Bei den Bürgersprechstunden gibt es massive Beschwerden über Verkehrssituationen. Meistens beschweren sich die Besucher über Autofahrer, die auf den innerörtlichen Straßen zu schnell unterwegs sind“, erläutert der Bürgermeister. Um dauerhaft Abhilfe zu schaffen, wurde der Kauf einer mobilen Tempomessanlage beschlossen. Im Oktober soll das Gerät geliefert werden.

Was ist auf dem Chefposten im Rathaus arbeitstechnisch grundsätzlich anders im Vergleich zu seiner vorherigen Tätigkeit in einem Privatunternehmen? „Die Tücken der Bürokratie sind größer als gedacht“, sagt Klaus Schindling. Unumwunden gibt er zu, dass er viel dazulernen musste, wenn es um die zeitlichen Abfolgen in einer Verwaltung gehe. Als Geschäftsführer seien die Entscheidungswege kurz gewesen, Aufträge etwa seien schnell vergeben worden. Bei einer Stadtverwaltung sei dies so einfach nicht möglich.

Das benötigt Zeit

Denn um illegale Vorteilsnahmen auszuschließen, müssten die Vorschriften für Ausschreibungen von Aufträgen angewendet werden. Die Realisierung dieser Vorgaben benötige aber eine „ganz andere Zeitachse“ als in einem privat geführten Unternehmen. Dass er dabei noch das eine oder andere lernt, hält der Verwaltungschef für normal. Dass er von einer Journalistin wegen des Streits über den Betrieb der Almhütte im Stadtpark als unerfahrener Bürgermeister dargestellt wurde, hat ihn etwas gewurmt. Denn die Aufregung darüber kann und will er immer noch nicht verstehen. Doch ein Jahr nach seinem Amtsantritt ist der „Tatmensch“ Klaus Schindling keineswegs frustriert oder genervt. Im Gegenteil. Unerschrocken von dem Vorschriftendschungel, der sich manches Mal vor ihm auftut, drückt der Bürgermeister auf die Tube, um seine Vorhaben umzusetzen. Hat sich das Verhalten der Hattersheimer ihm gegenüber geändert, seitdem er den Posten angetreten hat? Empfindet er das in der Zwischenzeit vielleicht als nervend? „Nein, ich bin gerne mit den Leuten zusammen und nehme selbst weiterhin viele Gratulationsbesuche wahr.“ Es mache ihm eben immer noch viel Spaß, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sagt Klaus Schindling.

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