10.08.2017 03:30 | Gernot Gottwals

Buch über Machenschaften populistischer Politik: Autor Leif Tewes recherchierte Undercover in der rechten Szene

Hofheim Mit „Alternativen“ legt der Hofheimer Leif Tewes in der Form des „Roman Noir“ einen neuen Thriller zum Thema Rechtspopulismus vor, den er im Umfeld der AfD undercover recherchiert hat.

Der Hofheimer Autor Leif Tewes an seinem Schreibtisch
Der Hofheimer Autor Leif Tewes an seinem Schreibtisch

Der Tag, an dem Thomas Eidmann beinahe von muslimischen Flüchtlingen überfallen wird, wird sein Leben verändern. „Ausweisung! Zurück, wo sie herkommen“, schimpft er. Er geht nicht zur Polizei, schließt sich dafür aber den „besseren Deutschen“ an, was er bereut, als es zu einem Unfall und sogar zu einem Terroranschlag kommt. Erst relativ spät kommt die Polizei ins Spiel, nimmt richtige ebenso wie falsche Spuren auf - und kämpft am Ende doch gegen Windmühlen.

Um Fakes, Scheinwahrheiten und populistische Verführungen in der fiktiven Partei „Die besseren Deutschen“ (DbD) geht es in Leif Tewes’ neuem Roman „Alternativen“. „Zuerst hatte ich das Thema und dann die Prämisse, nämlich die Frage, welche Alternativen meine Charaktere in so einer Scheinwelt haben, um sich zu entwickeln“, sagt Tewes. Erst dann suchte er die passenden Figuren und Schauplätze dazu aus.

Falsche Identität

Zur Recherche ging der Autor aus Hofheim sogar das Risiko ein, mit einer falschen Identität selbst in die fremde Welt der AfD einzutauchen. Doch es gelang Tewes tatsächlich, sich im Milieu der Rechtspopulisten zu verstellen, sich anzupassen und seine Rolle fast ein Jahr lang durchzuhalten. „Erst vor wenigen Tagen habe ich mich beim Kreisvorsitzenden geoutet. Und der hat es sogar sportlich genommen“, erklärt er.

Gemeint ist Robert Rankl, der den Offenbacher Kreisverband der AfD führt. „Mit dem kriminellen Kreisvorsitzenden Bernd Hügel in meinem Roman gibt es zwar keine Gemeinsamkeiten, aber viele markige Sprüche und Pseudo-Alternativen für ein angeblich besseres Deutschland findet man tatsächlich in den AfD-Kreisen“, stellt Tewes klar. Nach seinem Eintritt konnte sich der Hofheimer mit einem Decknamen, einem Prepaid-Handy und dem Briefkasten mit viel Geschick unerkannt im Kreis Offenbach und im Taunus bewegen.

Wie er dabei genau vorgegangen ist, verrät der Autor lieber nicht, schließlich ist auch „Leif Tewes“ nur ein Pseudonym für den IT-Experten aus dem Main-Taunus-Kreis, der bereits seinen dritten „Roman noir“ geschrieben hat. „Kennzeichnend für dieses Genre ist, dass die kriminalistische Suche nach dem Mörder in den Hintergrund tritt, dafür aber die Entwicklung der Hauptfiguren mit ihrem Charakter und Gefühlsleben ziemlich hart und schonungslos dargestellt wird“, sagt Tewes.

Passend dazu nimmt das Ermittlerteam aus Kommissar Berg und seiner Kollegin Elena Landers erst relativ spät nach dem Unfall eines Spediteurs seine Ermittlungen auf. Umso mehr konzentriert sich Tewes auf den ersten 60 Seiten auf die Täter und Opfer, entwickelt einen zweiten Handlungsstrang in der salafistischen Szene, der zu einem Anschlag am Frankfurter Hauptbahnhof führt.

Salafistische Zelle

Immer mehr Kriminalbehörden schalten sich nun ein, ermitteln von Frankfurt bis Duisburg, wo die salafistische Zelle vermutet wird. Berg und Landers kriegen wichtige Hinweise auf Verbindungen zur DbD – doch letztlich laufen sie den Ermittlungen hinterher, da sich alle Behörden gegenseitig im Weg sind.

„Dabei wird auch das klassische Schwarz-Weiß-Bild von Gut und Böse aufgehoben“, erklärt Tewes. So lässt sich Thomas Eidmann für die DbD begeistern, zweifelt aber schon bald an der Moral der Parteifunktionäre. „Doch Eidmanns Freundin Marion, die in einem Flüchtlingsheim arbeitet, schmeißt ihn einfach aus der Wohnung, ohne ihm eine zweite Chance zu geben“, sagt Tewes. Ist sie wirklich ein besserer Mensch? Oder vielleicht ihr „bekiffter“ linksextremer Bruder?

Geschichten und Erzählungen schreibt der Computerspezialist bereits seit seiner Kindheit. In dem vorherigen Roman „Blutzucker“ geht es um einen Chemiker, der ein Süßungsmittel für einen geldgierigen Chemiekonzern entwickeln soll. Weil seine Freundin ermordet wird, verliert er sämtliche Visionen. In „Alternativen“ fragen sich die Figuren immer wieder, ob sie in eine Sackgasse geraten sind, in der scheinbar nur noch extreme Mittel helfen. „So kurz vor der Wahl will ich mit meinem Thriller nicht den mahnenden Pädagogen spielen, auch wenn die DbD bei mir sogar 17 Prozent erreicht“, betont Tewes. „Aber ich will den Lesern deutlich zeigen, dass es immer noch andere Wege gibt als die einfachen Scheinwahrheiten von Verführern und Populisten.“

Das Buch

Der Roman „Alternativen“, ISBN : 978-3-95771-162-5, ist für 17,40 Euro im Größenwahn-Verlag erschienen.

Kommentare

  • AfD-Bashing von der Resterampe
    geschrieben von Xela77 (120 Beiträge) am 10.08.2017 15:59

    An dieser Story gefällt mir nur eins: dass der Autor der DbD/AfD bei der nächsten Wahl 17 % zutraut (entspricht im Übrigen dem Rohdaten-Ergbnis bei civey). Ansonsten will der Westentaschen-Wallraff offenbar auf der regierungsamtlich vorgegebenen politisch-korrekten Welle der Warner und Mahner mitschwimmen. Meinen Glückwunsch zu soviel "Zivilcourage". Dass die FNP all dem eine - vernehmbar wohlwollende - mediale Begleitung zukommen lässt, passt zum bedauernswerten Gesamteindruck, den das einstmals bürgerlich-konservativ ausgerichtete Blatt hinterlässt.



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