19.05.2016 03:30 | Brigitte Kramer

Der Umzug hat dem Reitverein gut getan: Auf Augenhöhe mit dem Pferd

Bad Soden
Dass Reiten kein elitärer Sport ist, beweist das Angebot des Bad Sodener Reitvereins, der sich seit seinem Umzug auf die Wilhelmshöhe vor vier Jahren deutlich vergrößert hat.
Sandra Göb mit Alexandra Kies, Viktoria Neubeck (von rechts) und Shetty-Dame „Linda“.
Sandra Göb mit Alexandra Kies, Viktoria Neubeck (von rechts) und Shetty-Dame „Linda“. Bild: Maik Reuß

Aufmerksam haben sie ihre Shettys im Griff. Mit strahlenden Gesichtern und geröteten Wangen führen die Mädels und Jungs ihre putzigen Shetland-Ponys zurück in den Stall auf der Reitanlage an der Wilhelmshöhe. Drei bis vier Ponys leben hier in einem „Aktivstall“ zusammen. Die Tiere können raus und rein, wie es ihnen passt. Für die Grundschüler von der Otfried-Preußler-Schule ist es jede Woche wieder ein tolles Erlebnis. Der Reitverein Bad Soden kooperiere mit der OPS, die gerade gegenüber liegt, berichtet Vereinsvorsitzende Sandra Göb. Einmal pro Woche kommen die Kinder der Reit-AG, die von der Schule angeboten wird, und erleben so einen ersten Kontakt mit einem Pferd.

Ausritte am schönsten

Die Acht- bis Zehnjährigen putzen und satteln ihre Tiere. „Keiner bekommt ein fertiges Pferd hingestellt“, betont Göb. Die Kinder lernen, wie sie am besten auf den Ponys sitzen und am schönsten fänden sie natürlich die Ausritte. Aber nicht nur für die OPS-Schüler, sondern für alle Kinder ab zwei Jahren bietet der Reitverein an sechs Tagen in der Woche die „Shetty-Schule“ an. Anderthalb Stunden dauert so ein Kurs. Eltern, die mit ihrem Nachwuchs einfach einmal „Shetty-Schule“ schnuppern möchten, können sonntags ohne Anmeldung auf der Wilhelmshöhe vorbeischauen.

Seit seinem Umzug vor fast genau vier Jahren aus dem Wohngebiet an der Kronberger Straße hat sich der Bad Sodener Reit- und Fahrverein zu einem dynamischen Club entwickelt. Nach seiner ersten Gründung 1930 und dem Start nach dem Krieg 1949 auf dem damaligen Fußballplatz und heutigem Areal des Krankenhauses begann mit dem 14. April 2012 eine neue Ära für die Bad Sodener Reiter. Kritisch stand es um den Verein im Jahr 2007, als er knapp 100 Mitglieder zählte. Damals übernahm die Reitschule G+G den Betrieb, und die Zahlen in den Folgejahren stiegen auf 400. Heute, vier Jahre nach dem Wechsel auf die Wilhelmshöhe, verrät Sandra Göb, bestehe der Verein aus 613 Mitgliedern. Zwischen zwei und knapp 80 Jahren seien die Reitschüler alt. 55 Privatpferde sind in den großzügigen Stallungen untergebracht, 10 Schulpferde besitzt der Verein, hinzu kommen die von den Kindern geliebten sieben Shetland-Ponys. „Wir sind immer besser und größer geworden“, schwärmt Sandra Göb. Viele neue Mitglieder habe der Verein aus dem neuen Wohngebiet auf der Wilhelmshöhe gewonnen und die nahegelegene Grundschule habe zahlreiche Kinder aufs Reiten neugierig gemacht. So ist das Voltigieren ein weiteres Standbein, dem der Verein viel Aufmerksamkeit widmet. Mit Übungseinheiten auf dem Boden, auf dem Holzpferd und den klassischen Voltigier-Übungen auf dem lebenden Tier werden Körperbewusstsein, Konzentration, Kondition und Teamgeist gefördert. Und nicht zuletzt das Verantwortungsbewusstsein dem Pferd gegenüber spiele eine große Rolle, erklärt Sandra Göb. Je nach Leistungsstand nehmen die Voltigierer an Turnieren teil, wie jetzt Anfang Juni in Gießen.

Dass sie vom Anfänger bis zum Spitzensportler, vom Freizeitreiter bis zum Turnierreiter und Wiedereinsteiger ein breites Spektrum unter einem Dach anbieten können, hält Schriftführerin Martina Aleweld für das Erfolgsrezept des Sodener Vereins. Sie selbst, die als junges Mädchen das Reiten erlernt hatte, dann pausierte, später wieder einstieg und sich mit der reitbegeisterten eigenen Tochter dann ein eigenes Pferd bis hin zum Turnierpferd anschaffte, sieht sich als lebendes Beispiel dafür. Und all das, ohne die Anlage und den Trainer zu wechseln, sei ein ungewöhnliches Konzept. Das, bestätigt Christoph Göb, sei nur möglich gewesen, „weil wir die komfortable Situation hatten, dass wir eine Reitanlage auf der grünen Wiese mit einem eigenen Konzept planen konnten“.

Verein ist Eigentümer

Das Konstrukt sieht so aus: Der Verein selbst ist Eigentümer der Reitanlage. Doch das operative Geschäft liegt in den Händen der Pächter „G + G Reitsport GmbH“. Dahinter verbergen sich die beiden Dressur-Reiter Erich Geier und Christoph Göb. Ende der 90er Jahre haben sie sich zusammengetan. Unterstützt von einem 13-köpfigen Team sind die Pächter für alles verantwortlich, was den Reitbetrieb am Laufen hält.

Viele stellten den Reitsport noch immer in die elitäre Ecke, ärgert sich Sandra Göb. Dabei koste eine Reitstunde mit 18 Euro weniger als eine Klavierstunde. Die meisten Kinder hätten heute kaum noch Berührung mit lebenden Tieren, stellt die Mutter eines viereinhalb-jährigen Sohnes fest. „Bei uns begegnen sie Pferden auf Augenhöhe.“

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