13.10.2017 03:30 | Matthias Gerhart

Prozess: Drei Jahre Haft für Vergewaltiger

Frankfurt Nachdem der Bundesgerichtshof das erste Urteil einkassiert hatte, stand gestern ein 53-Jahre alter Mann erneut vor Gericht.

Eine Nachbarschaftshilfe wurde für eine 39-jährige Frau zum Verhängnis. Der zu Hilfe geholte Nachbar vergewaltigte die Frau.

Eines Tages im Oktober 2015 klingelte die Bewohnerin eines Hochhauses in der Nordweststadt an der Türe eines Nachbarn ein paar Stockwerke unter ihr. Ihr Computer sei nicht in Ordnung, sagte die 39-Jährige und bat den Hausgenossen in ihre Wohnung, um sich das Gerät einmal näher anzuschauen. Der deutlich alkoholisierte Mann fuhr mit der Frau im Fahrstuhl hinauf in den 17. Stock, wo er sich wie vereinbart das Gerät anschaute und mit ein paar Handgriffen wieder in Gang brachte. Danach aber kam es zu einem Streit. Ob es um die Bezahlung der vereinbarten fünf Euro Reparaturlohn ging oder um etwas anderes, weiß heute niemand mehr. Am Ende jedenfalls zog der damals 53-Jährige der Frau die Hose aus und legte sich auf sie. Nach dem erzwungenen Geschlechtsverkehr türmte er mit dem Mobiltelefon aus der Wohnung. Zuvor noch hatte er die Frau mit einem Schlüsselband gewürgt.

Alkohol und Drogen

Dieser Vorfall stand gestern zum zweiten Mal im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Landgericht. Im Mai vergangenen Jahres hatte es bereits fünfeinhalb Jahre Haft für den seit der Tat in Untersuchungshaft einsitzenden Angeklagten gegeben. Seinerzeit war auch noch eine zweite, ähnliche Tat in das Urteil eingeflossen, bei der die Beweislage freilich recht schwach war. Alkohol und Drogen hatten die Erinnerungen vieler Beteiligter stark eingeschränkt.

Während der Verurteilte weiterhin in Haft saß – er hatte in Frankfurt keine Wohnung mehr und damit herrschte Fluchtgefahr -, befasste sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall und kam zum Schluss, dass die Verurteilung nicht zu halten war. In beiden Fällen sei die Beweislage recht löchrig. Die neue Verhandlung vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts aber gestaltete sich nach einer Absprache zwischen den beteiligten recht kompakt. Die zweite Vergewaltigung wurde durch Verfahrenseinstellung erledigt, während die Tat im Hochhaus von dem Angeklagten eingeräumt wurde. Zusätzlich zeigte der nach zwei Jahren hinter Gitter vom Alkoholkonsum reichlich entwöhnte Mann Einsicht und Reue und entschuldigte sich beim Opfer, das seinerseits unentschuldigt der Verhandlung ferngeblieben war.

Haftbefehl aufgehoben

Dafür erhielt der Vergewaltiger eine Haftstrafe von drei Jahren, die – bei der üblichen Zwei-Drittel-Verbüßung – bereits erledigt sein dürfte. Die Aufhebung des Haftbefehls schloss sich an. Dies dürfte dem Angeklagten sehr zupass kommen, denn in seiner marokkanischen Heimat wartet der mittlerweile 108 Jahre alte Vater voller Sehnsucht auf einen Besuch des Sohnes.

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